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Ethnozentrismus

Enzyklopädieartikel

Ethnozentrismus, sozialwissenschaftlicher Begriff, der eine Einstellung oder Lehre bezeichnet, in der die eigene ethnische oder soziale Gruppe respektive Gesellschaft als überlegen bewertet wird.

Die eigene Sozialstruktur und Kultur wird als Maßstab an andere Gruppen angelegt und für allgemein gültig gehalten. Die Wertvorstellungen und Eigenschaften der eigenen Gruppe (Werte, Normen) dienen somit als Bezugssystem für die Beurteilung von Fremdgruppen. Ethnozentrische Haltungen finden ihren Niederschlag in negativen Vorurteilen gegenüber Fremdgruppen sowie in einer Distanzierung von diesen.

Manche Kultur- und Sozialwissenschaftler sehen Ethnozentrismus als eine anthropologische (zum Wesen des Menschen gehörende) Konstante an, die aus der allgemein menschlichen Notwendigkeit heraus entsteht, sich als Gruppe in einer soziokulturellen Umwelt zu behaupten. Sie führen an, dass die Selbstbezeichnung vieler Ethnien einfach „Menschen” bedeute und dadurch anderen Gesellschaften automatisch das volle „Menschsein” abgesprochen würde. Damit würden diesen fremden Gesellschaften gegenüber auch Hemmschwellen abgebaut. Andere Forscher lehnen diese Argumentation ab, da sie lediglich die in der westlichen Welt historisch gewachsene Vorurteilsstruktur verallgemeinere (oder anthropologisiere). Bei zahlenmäßig kleinen Gruppierungen gebe es aufgrund der räumlichen Nähe mehr Kontakt zwischen den Individuen der einzelnen Gruppierungen als in modernen Nationalstaaten und damit würde ein höheres Bewusstsein für die kulturelle Bedingtheit der Differenz zwischen Gesellschaften ausgebildet. Auch würde in den meisten nichtindustriellen Gesellschaften Identität multipel bestimmt, d. h. ein Individuum könne je nach Situation unterschiedlichen ethnischen Gruppen angehören. Diese Forscher sehen im Ethnozentrismus ein soziales Phänomen, das historisch an die Existenz von Nationalstaaten gebunden ist und damit in enger Verwandtschaft zum Nationalismus steht.

Siehe auch Rassismus, Tutsi

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