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Film Noir

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John Huston: Die Spur des Falken (1941)John Huston: Die Spur des Falken (1941)

Film Noir (auch „Schwarze Serie”), von dem französischen Filmkritiker Nino Frank 1946 geprägte Bezeichnung für eine Strömung im Hollywoodfilm der vierziger und fünfziger Jahre. Die im Normalformat gedrehten Schwarzweißfilme, zumeist Kriminal- (Gangster- oder Detektiv-)filme, aber auch Melodramen, Western und sogar Musicals, sind charakterisiert durch stilistische und narrative Eigenheiten: Zu den ästhetischen Merkmalen des Film Noir gehören oft die Erzählstimme des Protagonisten aus dem Off, die Rückblende, eine tiefenscharfe Photographie und eine kontrastreiche Beleuchtungstechnik (Low-Key-Lighting). Dem expressiven Helldunkelstil entspricht eine zynisch-pessimistische Grundstimmung. Der Protagonist entspricht als Einzelgänger (Verbrecher oder Detektiv) dem Typus des Antihelden. In einem bis zum 2. Weltkrieg in der US-Filmbranche nie gekannten Maße gebärdet sich der Film Noir als Antithese zum „American dream”: Seinem Helden gelingt nicht die Erfüllung ökonomischen und privaten Glücks, sondern er ist Opfer eines willkürlichen Schicksals und verstrickt sich in widersprüchliche Handlungen. Psychologische Irritation tritt anstelle sozialer Orientierung. Die amerikanische Großstadt wird zum mythischen Schauplatz, das Verbrechen zum kategorischen Handlungserfordernis. Der Film Noir enthält sich jeglicher moralisierender Stellungnahme und grenzt sich allein dadurch vom konventionellen Hollywoodfilm ab.

Als erster Film des Genres gilt John Hustons Regieerstling The Maltese Falcon (1941, Die Spur des Falken) nach Dashiell Hammetts Detektivroman The Maltese Falcon (1930; Der Malteser Falke). In der Rolle des Sam Spade war Humphrey Bogart zu sehen. Der Privatdetektiv blieb die typischste Figur in der ersten Phase des Film Noir. Weitere Werke sind u. a. in Stuart Heislers The Glass Key (1942, Der gläserne Schlüssel, nach einer Vorlage von Hammett), Fritz Langs Ministry of Fear (1945, Ministerium der Angst), John Hustons Key Largo (1948, Gangster in Key Largo). Das „Bad girl”, die ihre Erotik selbstbewusst ausspielende Frau, die den Helden oft ins Verderben führt, ist die charakteristische Figur der zweiten Phase, z. B. in Billy Wilders Double Indemnity (1944, Frau ohne Gewissen), Howard Hawks’ The Big Sleep (1946, Tote schlafen fest, nach dem Roman von Raymond Chandler), Robert Siodmaks The Killers (1946, Die Killer, nach einer Erzählung von Ernest Hemingway) mit Burt Lancaster und Ava Gardner und Jacques Tourneurs Klassiker Out of the Past (1947, Goldenes Gift) mit Robert Mitchum in der männlichen Hauptrolle. Die Filme der Spätphase zwischen 1949 und 1959 zeigen eine zunehmende Radikalisierung; dem psychotischen Aktionismus der Figuren entsprechen extreme Kameraperspektiven, z. B. in Fritz Langs The Big Heat (1953, Heißes Eisen) und Orson Welles’ Touch of Evil (1957, Im Zeichen des Bösen).

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