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Windows Live® Suchergebnisse FormalismusEnzyklopädieartikel
Formalismus, auch russischer Formalismus, literaturwissenschaftliche Schule in der Sowjetunion zwischen 1915 und 1930, die aus dem Moskauer Linguistik-Kreis und der Gesellschaft zur Erforschung der poetischen Sprache Opojaz in Sankt Petersburg entstand. Wiktor Schklowskij, Jurij Tynjanow und Boris Eichenbaum waren die wichtigsten Forscher dieser Schule, aus der der Prager Strukturalismus um Roman Jakobson hervorging und deren Einfluss noch im amerikanischen New Criticism zu finden ist. In seiner frühen Phase betonte der Formalismus strikt die Eigenständigkeit des literarischen Textes, der als „Summe aller darin angewandten stilistischen Mittel” (Schklowskij) verstanden wurde. In seiner Hauptphase entwickelte vor allem Jurij Tynjanow ein systematisches Funktionsmodell des literarischen Werks: Es wird als System begriffen, in dem einzelne Elemente wie Syntax, Stil, Sujet oder Rhythmus wechselseitig aufeinander bezogen sind. Die Korrelation eines Elements mit einem anderen bezeichnete Tynjanow als „Synfunktion”. In seiner Spätphase wandte sich der Formalismus unter dem Druck des Marxismus literatursoziologischen Untersuchungen zu.
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