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Windows Live® Suchergebnisse Ganzes HausEnzyklopädieartikel
Ganzes Haus, ein zentraler Begriff aus der europäischen historischen Familien- und Handwerksforschung, der von Wilhelm Heinrich Riehl geprägt wurde. Als Ganzes Haus wird demzufolge der bäuerliche oder handwerkliche Haushalt bezeichnet, eine Produktions- und Reproduktionseinheit, zu der neben der engeren Familie des Bauern bzw. des einer Zunft angehörenden Handwerksmeisters auch weitere Verwandte sowie die Mägde und Knechte, Lehrlinge und Gesellen gehörten. Die Mitglieder dieser Arbeits- und zeitweisen Lebensgemeinschaft waren dem Haushaltsvorstand, also dem Bauern oder Handwerksmeister, unterstellt, wogegen die Führung des engeren Haushalts der Bauers- oder Meistersfrau oblag. In der neueren Forschung wird die von den Frauen ausgeübte Führung des Ganzen Hauses eines zünftigen Handwerksbetriebs als Berufsarbeit angesehen. Die Meistersfrau hatte für die Mitglieder des Haushalts zu sorgen (Gesellen und Lehrlinge wohnten im Haus des Meisters) und beispielsweise die Lehrlinge, deren Ausbildung sich nicht nur auf berufliche Belange erstreckte, sondern auch eine religiöse und allgemeinbildende Erziehung beinhaltete, zu beaufsichtigen. Das Ganze Haus, dessen Erscheinung und Bedeutung in der Wissenschaft kontrovers diskutiert wird, verlor im Verlauf der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts seinen sozio-politischen Stellenwert. Grund für diese Entwicklung war die Auflösung der seit dem Mittelalter bestehenden Zunftordnung, die veränderten handwerklichen Arbeitsbedingungen durch Aufkommen erster Industrialisierung und die damit verbundenen wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen, die Auswirkungen der gescheiterten bürgerlichen Revolution von 1848 und die Veränderungen in der bäuerlichen Betriebsführung.
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