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Grundwerte

Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
1

Einleitung

Grundwerte, elementare ethische Normen und Zielvorstellungen für das Zusammenleben der Menschen. Sie begründen die Wertehierarchie und die Rechtsordnung (Grundrechte und Grundpflichten) einer Gesellschaft, und nach ihnen bestimmen sich Ausgangspunkte, Ziele und Grenzen politischen Handelns. Welche Grundwerte gelten bzw. vorherrschen sollen, ist Ergebnis der historischen Entwicklung. Religiöse Konflikte, Revolutionen, Eroberungen, Kriege und andere gesellschaftliche Auseinandersetzungen wurden und werden vielfach durch die Absicht legitimiert, die Fortgeltung der eigenen Grundwerte zu gewährleisten oder ihre Verwirklichung durchzusetzen.

2

Geschichte

Im Gefolge der Aufklärung entwickelte sich in Europa eine politische Ethik, in der die Menschenwürde zur universellen Fundamentalnorm politischen Handelns erhoben wurde. Aus ihr begründete sich der Anspruch des Menschen auf ein Leben in Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit (Solidarität) und Gerechtigkeit, der die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 prägte und 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen verankert wurde. Um diesen Kern von Grundprinzipien gruppierten sich in den westlichen Demokratien weitere politische und soziale Grundwerte und gingen in die Verfassungen und Rechtssysteme der Staaten und ihrer Zusammenschlüsse ein (z. B. Charta der Grundrechte der Europäischen Union, 2000). Die Bundesrepublik Deutschland versteht sich als freiheitlich demokratischer Rechtsstaat, seine Grundwerte spiegeln sich in den Grundrechten der Bürger, wie sie zum größten Teil im ersten Abschnitt des Grundgesetzes festgeschrieben wurden.

3

Grundwerte in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung

In der unterschiedlichen Gewichtung von Grundwerten, nach denen sich das Leben und Zusammenleben der Menschen gestalten sollen, unterscheiden sich maßgeblich die Programmatiken von gesellschaftlichen Organisationen wie Religionsgemeinschaften und politischen Parteien. So sollen in Wahlkämpfen ideologische Slogans wie „Freiheit statt Sozialismus” (CDU/CSU 1976) signalisieren, dass es (angeblich) um politische Grundentscheidungen geht.

Die gesellschaftliche Entwicklung verlangt eine kontinuierliche Vergewisserung über die Fortgeltung und die Rangfolge von Grundwerten unter sich ständig verändernden Bedingungen. So erfordern die Fortschritte auf dem Gebiet der Gentechnik z. B. neue Abklärungen zum Begriff der Menschenwürde, zum Recht auf Leben, zur Freiheit der Forschung usw. Der Kampf gegen den Terrorismus wirft z. B. das Problem auf, wieweit Abwehrmaßnahmen des Staates zur Erhaltung von Freiheit und Sicherheit diese selbst gefährden dürfen und können.

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