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Gruppe

Enzyklopädieartikel

Gruppe, einer der Grundbegriffe der Soziologie, mit dem ein Zusammenschluss von Personen bezeichnet wird, die regelmäßige, zeitlich relativ beständige Kontakte miteinander haben.

Im Unterschied zur „gesichtslosen” Masse, als deren Mitglieder die Individuen vorübergehend tendenziell ihre persönliche Identität preisgeben, stellt eine Gruppe ein für den Einzelnen überschaubares soziales Gebilde dar, das sich von anderen sozialen Gebilden (anderen Gruppen und der Gesamtgesellschaft) durch spezifische Merkmale abhebt. Eigene Wertvorstellungen und Normen der Gruppe sowie die Identifikation mit Symbolen (z. B. Emblemen, Wappen, Fahnen) fördern den Zusammenhalt (Gruppengeist). Sie dienen der Selbstbehauptung und im Extremfall der Abkapselung der eigenen Gruppe gegenüber Fremdgruppen. Gefühlsmäßige Bindungen der Gruppenmitglieder untereinander und gegenseitige Hilfsbereitschaft sind weitere Merkmale von sozialen Gruppen.

Wichtigstes Gruppenmerkmal ist das Gefühl der Zusammengehörigkeit (Wir-Gefühl) der Gruppenmitglieder aufgrund gemeinsamer Interessen und Ziele – seien sie bewusst oder unbewusst. Gemeinsame Handlungen innerhalb der Gruppe und bewusst geplantes Handeln nach außen (Wir-Erlebnis) demonstrieren den Gruppenwillen. Gruppenanschauungen zur Abgrenzung nach außen zeigen sich in bestimmten Überzeugungen, wie sich die Gruppenmitglieder zu verhalten und wie sie zu handeln haben. Dabei kann es zu ideologischen Verfestigungen kommen, die im so genannten Gruppen-Absolutismus gipfeln können, bei dem die eigenen Gruppennormen und -werte auch von anderen eingefordert werden – unter Umständen sogar mit Gewalt. Meist geht dies einher mit einem erhöhten Gruppendruck gegen die eigenen Mitglieder; überwiegt dieser Druck die Vorteile, welche die einzelnen Mitglieder durch die Zugehörigkeit zur Gruppe erleben, kann diese zerbrechen. Denn neben den Gruppeninteressen und der Solidarität der Mitglieder kann zwar ein gewisser Gruppendruck das Überleben einer Gruppe sichern und dem persönlichen Egoismus einzelner Gruppenmitglieder entgegenwirken. Individuen sind aber zumeist nicht bereit – außer in manchen pseudoreligiösen oder sektenhaften Gruppierungen sowie unter Bedrohung durch Gewalt –, sich so weit „entindividualisieren” zu lassen, dass sie ihre Persönlichkeit aufgeben müssen. Je nach Intensität der Gruppendynamik entwickeln sich daher häufig Spannungen, die zu Konflikten innerhalb der Gruppe führen (Intra-Gruppenkonflikt) oder zwischen rivalisierenden Gruppen wie bei Straßengangs Jugendlicher.

Die einzelnen Gruppenmitglieder haben üblicherweise mehr oder weniger abgegrenzte Positionen und Aufgaben, die mit bestimmten sozialen Rollen im Gruppengefüge verbunden sind. Die Erfüllung dieser Rollen und die Einhaltung der Gruppennormen unterliegen der sozialen Kontrolle: Abweichendes Verhalten wird mit negativen, konformes Verhalten mit positiven Sanktionen belegt.

Je nach dem Grad der Intensität und Intimität der Beziehungen wird zwischen Primärgruppen mit sehr engen persönlichen Kontakten (z. B. Familie, auch Intimgruppe genannt; Freundschaftsgruppen) und Sekundärgruppen mit eher losen Kontakten und rationalen Zielsetzungen (Arbeitsgruppen) unterschieden. Eigengruppe wird die Gruppe genannt, zu der man selbst gehört, Bezugsgruppe diejenige, an deren Wertmaßstäben man sich orientiert und zu der man gehören möchte. Andere werden als Fremdgruppe angesehen, von der man sich abgrenzt und der oftmals abweichendes Verhalten unterstellt wird. Formale Gruppen basieren auf einem formellen Organisations- und Regelsystem (Behörden, Betrieb); informelle Gruppen bilden sich häufig spontan auf der Basis von Freundschaften, Freizeitaktivitäten oder gemeinsamen Interessen sowie auch in formalen Organisationen zur Durchsetzung persönlicher Interessen.

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