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Artikelgliederung
Einleitung; Die Götter und Mythen des Veda; Buddhistische Mythen; Die Mythen des Brahmanismus und Hinduismus; Kosmogonie und Weltzeitalter; Die Götter und Mythen in der aktuellen Kunst Indiens
Indische Mythologie, die Gesamtheit der Überlieferungen und Gedankensysteme innerhalb des indischen Kulturkreises, die sich mit dem Wesen und Wirken der Götter, Dämonen, Nymphen und sagenhaften Gestalten beschäftigt. In der indischen Mythologie findet sich eine verwirrende Buntheit von Mythen aus sehr unterschiedlichen Quellen. Diese Mythen stammen aus der alten vedischen Religion, dem Brahmanismus, Hinduismus, dem Buddhismus, dem Jainismus und der tantrischen Lehre. Die Vielfalt der Mythen wird noch dadurch gesteigert, dass jede Region in Indien über eigene Mythen oder Varianten von gesamtindischen Mythen verfügt. Mythendichtung hat in Indien eine lange Geschichte. Die frühesten Mythen finden sich im Veda, einer Sammlung religiöser Texte, die in ihren frühesten Teilen älter als 3 000 Jahre ist. Die heutige indische Mythologie findet ihre unerschöpfliche Quelle in den beiden großen Epen, dem Mahabharata und dem Ramayana. In diesen Epen wird das Leben der göttlichen Helden Krishna und Rama erzählt. Beide Werke entstanden in den Jahrhunderten um die Zeitenwende. Viele hinduistische Mythen entstammen auch den Puranas, Erzähltexten, die größtenteils jünger als die Epen sind. Für die buddhistische Überlieferung gilt als wichtigste Quelle der Pali-Kanon, eine Sammlung der Reden Buddhas und von Begebenheiten aus seinem Leben. Ein großer Teil der indischen Mythologie blieb lebendig in Märchen, die zum Teil bis heute von wandernden Märchenerzählern weitergegeben werden. Die außerordentliche Vielgestaltigkeit und Heterogenität der indischen Götterwelt heute lässt sich aus dem Prozess der Sanskritisierung Südindiens verstehen. Sanskrit ist die alte indische Kultursprache der Priester und Gelehrten in Nordindien. Viele der Gottheiten im Süden Indiens, die uns heute als hinduistische entgegentreten, waren ursprünglich Stammesgötter, die anderen Religionen angehörten. Bis zum Ende des 1. Jahrtausends n. Chr. gab es im Süden Indiens eigene, selbständige Religionen, Regionalkulte, ja häufig sogar eigene Dorfgottheiten. Im Ende dieser Periode setzte ein Prozess des Eindringens des Brahmanismus, der herrschenden Religion und Ideologie von Nordindien, nach Südindien ein. Vormals selbständige Gottheiten wurden in das Pantheon des nordindischen Brahmanismus eingefügt und erhielten Sanskritnamen. Dieser Prozess war eine wichtige Voraussetzung der Entstehung des Hinduismus in seiner heutigen Form. Er erklärt auch, warum es im Hinduismus viele Götter gibt, die in Gestalt und Mythologie sehr unterschiedlich sind und scheinbar nicht zusammengehören.
Im Veda, einer Textsammlung, die etwa zwischen 1300 und 600 v. Chr. entstanden ist, finden sich die ältesten Mythen Indiens, die zum großen Teil auch die ältesten uns bekannten Mythen der indoeuropäischen Völker sind. Der früheste Teil dieser Textsammlung ist der Rigveda. Dieser enthält zahlreiche Mythen vor allem um die Götter Indra, Agni, Varuna und Rudra.
Der in den Hymnen am häufigsten besungene und angerufene Gott ist Indra. Er tritt als Gewittergott mit einem Donnerkeil auf und trägt auch viele dionysische Züge. Indra werden viele Heldentaten zugeschrieben. Er hat den Drachen Vritra getötet, den Panis, einer Schar von reichen, geizigen Dämonen, die Kühe weggenommen und „die Wasser befreit”. Was mit Letzterem gemeint ist, hat die Forschung noch nicht eindeutig klären können. Indra ist ein mächtiger Gott und gewaltiger Held, der vor Kraft strotzt und zudem der mächtigste Esser und Trinker ist. Er vermag den Soma, ein berauschendes Getränk, in riesigen Mengen zu trinken. Indra soll den Dämonen Namuci getötet haben, nachdem ihm dieser den Soma gestohlen hatte. Indra kann zunächst Namuci nicht besiegen, und er verspricht, ihn weder bei Tage noch bei Nacht, weder mit etwas Trockenem noch mit etwas Flüssigem zu töten. Dann schlug er ihm aber in der Dämmerung mit Schaum das Haupt ab. Da dies dennoch wie ein „Vertragsbruch” aussah, wird Indra durch ein Reinigungsopfer von dieser Sünde befreit.
Agni (wörtlich: Feuer) ist im Rigveda der Götterbote und verkörpert beides, sowohl die Gottheit als auch das Feuer selbst. Er bringt die Opferspeise, die in das Feuer geworfen wird, zu den Göttern. Zugleich ist er der oberste Opferpriester. Agni ist kein furchterregender Gott, den man beschwichtigen muss. Er ist ein Freund der Menschen, Hüter und Schirmherr der Gemeinschaft und Beschützer gegen die schädigenden Mächte.
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