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Indische Mythologie

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Artikelgliederung
4.2

Krishna

Krishna (wörtlich: der Schwarze) war ursprünglich wahrscheinlich eine alte Hirtengottheit und wird später zu einer Inkarnation Vishnus. Seine bekannteste Legende ist das Auftreten in der Bhagavadgita, einem philosophisch-religiösen Lehrgedicht aus dem Mahabharata. Ein Familienzwist hat sich bis zur kriegerischen Auseinandersetzung gesteigert. Arjuna, der Heerführer der einen Partei, sieht im Heer der Gegner die eigenen Verwandten und zögert, die Schlacht zu eröffnen. Krishna tritt als Wagenlenker von Arjuna auf und es gelingt ihm, den Zögernden nach einem langen philosophisch-religiösen Dialog zum Kämpfen zu bewegen. Andere Legenden berichten, er solle als Kind den Schlangendämon Kaliya getötet haben.

Krishna, der auf dem Schlangendämon tanzt, ist ein Motiv, das häufig in Malerei und Plastik dargestellt wird. Als junger Kuhhirt entwendet er den Hirtinnen beim Bad die Kleider und spielt ihnen mit seiner Flöte zum Tanz. Häufig wird er mit seiner Gefährtin Radha dargestellt. In vielen Zusammenhängen tritt Krishna als eigenständige, sogar höchste Gottheit auf, so dass seine Abhängigkeit von Vishnu in den Hintergrund tritt. Krishna wird in vielen neohinduistischen Sekten als Gott verehrt.

4.3

Rama

Auch Rama ist sowohl eine Inkarnation Vishnus als auch eigenständige Gottheit sowie Herrscherfigur. Im Epos Ramayana versucht er seine Gemahlin Sita zu befreien, die ihm vom Dämonen Ravana geraubt worden war. Im Bunde mit seinem Bruder Lakshman, dem Affenkönig Sugriva und dessen General Hanuman gelingt es ihm, Sita zurückzuerobern. Nach vielen Abenteuern um die Befreiung seiner Gemahlin besteigt er den Thron in Ayodhya, verstößt dann aber Sita, weil sie beschuldigt wird, ihm in ihrer Gefangenschaft nicht treu geblieben zu sein. Nach 15 Jahren ruft er sie zurück in die Hauptstadt. Das Epos endet damit, dass Sita von der Mutter Erde, der sie entstammt, zurückgenommen wird. Rama geht als Asket in die Einsamkeit und verwandelt sich in seinen Ursprung, den Gott Vishnu, zurück. Als König ist Rama der Inbegriff des gerechten Herrschers. Die Rama-Legende wird in allen indischen Kunstformen immer wieder aufgegriffen. Den Hindunationalisten (siehe Fundamentalismus) gilt das „Königreich Ramas” heute als Idealmodell für ein künftiges Indien.

4.4

Vamana

Als Zwerg (Vamana) ist Vishnu vor allem durch seinen „Dreischritt” (trivikrama) bekannt. Er kommt in das Reich des Herrschers Bali, der sich die Macht über die gesamte Dreiwelt (Himmel-Erde-Unterwelt) angeeignet hat. Von Bali erbittet der Zwerg Vamana so viel Land, wie er mit drei Schritten durchmessen kann. Bali gewährt ihm lachend diesen Wunsch. Während er die Schritte ausführt, wächst Vamana so ungeheuer an, dass er mit dem ersten Schritt die Erde, mit dem zweiten Schritt den Himmel durchmisst. Bevor er den dritten Schritt ausführt, bittet Bali den Gott, ihm nicht alles wegzunehmen. Vishnu, der nun zum Riesen gewachsen ist, zeigt sich großzügig und weist ihm die Unterwelt als Reich zu.

4.5

Shiva

Shiva gilt in der hinduistischen Götterlehre häufig als Zerstörer, es finden sich jedoch auch sehr viele Mythen, die ihn friedlicher, etwa als Welthüter oder als Herr der Tiere (pashupati), beschreiben. Er wird in weiten Teilen Südindiens als höchster Gott verehrt. Shiva wird zumeist mit Dreizack, Schlange, Axt oder Gazelle dargestellt und seine Haare bilden eine Flechtenkrone. Auf der Stirn hat er ein drittes Auge, das Allwissenheit und Vernichtungskraft symbolisiert. Häufig wird er mit seiner Gemahlin Parvati dargestellt. Historisch ist die Gestalt des Shiva aus dem vedischen Gott Rudra hervorgegangen. In shivaitischen Tempeln findet sich zumeist sein Reit- und Symboltier, der Buckelstier Nandi und ein Phallussymbol (linga), das dem shivaitischen Fruchtbarkeitskult entstammt. In verschiedenen Funktionen ist Shiva Gott des Tanzes (nataraja), Fruchtbarkeitsgott, Patron der Asketen, selbst Asket oder Yogi, Herr des Mondes (somanatha), weiser Lehrer, Jäger oder Bändiger des Dämons Ravana. Mit seinem dritten Auge soll er den Liebesgott Kama verbrannt haben. Um die Oberhoheit über die brahmanischen Priester zu erlangen, tötete er einen Brahmanen und wandelte dann, da dies als größte Sünde galt, büßend durch das Land. Viele Erscheinungen Shivas scheinen aus alten, regionalen Volksgottheiten entstanden zu sein und sind erst später mit ihm in Verbindung gebracht worden.

4.6

Ganesha

Großer Beliebtheit erfreut sich Ganesha, ein elefantengestaltiger Gott, Sohn von Shiva und Parvati. Er wird nicht nur von den Shivaiten, sondern auch von den Vishnuiten verehrt. Ganesha ist der Gott der Weisheit und des Lernens, der Schutzherr der Wissenschaften und Überwinder aller Hindernisse. Er wird gern vor neuen Unternehmungen um Beistand gebeten. Eine Legende besagt, dass Parvati ihn ohne das Zutun Shivas gezeugt habe, da dieser sich ihr als Asket verweigert haben soll. Als er das Kind sah, schlug er ihm wütend den Kopf ab. Aber weil Parvati deswegen sehr traurig war, versprach er, ihrem Sohn den Kopf des ersten Lebewesens aufzusetzen, das vorbeikomme. Dies war ein Elefant. Ganesha wird oft spitzbäuchig, mit abgebrochenem Stoßzahn, als naschhafter Gott mit einer Schale Süßigkeiten und mit der Ratte als seinem Reittier dargestellt. Der zweite Sohn Shivas ist Skanda, der Kriegsgott. Er wird sechsköpfig und vielarmig dargestellt und soll den Dämonen Taraka vernichtet haben.

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