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Indische MythologieEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Die Götter und Mythen des Veda; Buddhistische Mythen; Die Mythen des Brahmanismus und Hinduismus; Kosmogonie und Weltzeitalter; Die Götter und Mythen in der aktuellen Kunst Indiens
Die männlichen Gottheiten haben meist eine oder mehrere weibliche Gefährtinnen, die auch abstrakte weibliche Energie (siehe Shakti) verkörpern können. Einige weibliche Gottheiten werden auch in eigenen Tempeln mit eigenem Kult verehrt. Die Göttin Durga wurde ursprünglich mit Shiva assoziiert. Von den Shaktas, den Verehrern dieser Energie, wird sie als weiblicher Ursprung des Universums angesehen. Sie soll den Büffeldämon Mahisha besiegt haben. Deshalb wird sie zumeist mehrarmig dargestellt, entweder auf einem Löwen reitend und gegen den Dämonen kämpfend oder als Siegerin auf dem Büffelkopf stehend. Siehe auch Mahabalipuram
In Indien sehr verbreitet ist auch die schwarze Göttin Kali. In einigen Teilen ist sie die Patronin der Diebe und Kriminellen. Sie kann die Form einer gutmütigen Mutter als auch die Form einer grausamen Zerstörerin annehmen, die sogar ihre eigenen Kinder verschlingt. Sie soll dem größten klassischen Dichter Indiens, Kalidasa („Diener der Kali”), die Fähigkeit verliehen haben, Gedichte zu schreiben. Kali entstammt dem shivaitischen Götterkreis. Wie Shiva hat sie ein drittes Auge auf der Stirn. Als Göttin Chinmasta ist sie kopflos; sie hält ihren Kopf in der Hand. Es gibt im Hinduismus noch eine große Anzahl weiterer Gottheiten, die zum Teil regionalen Charakter haben, wie beispielsweise Jagannatha in Orissa. Darüber hinaus gibt es sehr viele Halbgötter, Dämonen, Geister, Tiergottheiten und heilige Tiere. Ein ewiges Motiv indischer Mythen ist der Konflikt von Gut und Böse, ausgedrückt in dem Gegenspiel zwischen Göttern und Widergöttern (Asuras), den Dämonen.
Parallel zu den religiösen Lehren berichten die indischen Mythen vom Wechsel der Zeitalter im Kreislauf der Schöpfung und Zerstörung. Diese zyklische Vorstellung herrscht in den alten Kosmogonie-, Theogonie- und Anthropogoniemythen vor. Die Welt ist hier gedacht als Ergebnis eines kosmischen Kampfes zwischen Indra und Vritra aus den Gliedern des Urmenschen Purusha entstanden, durch den Tanz Shivas erschaffen oder aber durch die Tätigkeit des Schöpfergottes Brahma. Es gibt auch unpersönliche Schöpfungsmythen, nach denen die Welt aus einem Ur-Ei, aus (asketischer) Hitze oder dem Einen, das nicht weiter erklärt wird, gezeugt wurde. Im Zentrum der Erdscheibe steht laut indischer Überlieferung der Berg Meru. In den Unterwelten hausen Schlangengeister (nagas) und Dämonen. Ein zyklisches Weltbild findet sich in sehr vielen indischen Mythen. Die Welt ist dem Wechsel von Schöpfung und Auflösung unterworfen. Ein solcher Zyklus (yuga) ist ein Tag im hundertjährigen Leben des Gottes Brahma. In der Nacht ruht die Welt unentfaltet. Ein Brahma-Tag kann, je nach Zeitalter, 432 000 bis 1,7 Millionen Menschenjahre oder 1 200 bis 4 800 Götterjahre umfassen. Wir leben im vierten Weltzeitalter (kritayuga), das als das schlechteste aller bisherigen angesehen wird. Es hat im Jahr 3102 v. Chr. begonnen. Ein zyklisches Bild zeigt sich auch in den idealen Vorstellungen vom individuellen menschlichen Leben: Der Mensch soll vier Lebensstufen durchlaufen, die des Brahmanenschülers, des Hausvaters, des Waldeinsiedlers und des Entsagers. Nachdem er diese Stufen durchlaufen hat, stirbt er und wird wiedergeboren. Die Art der Wiedergeburt richtet sich nach seinen Taten im vorigen Leben. Das Bestreben eines jeden Hindus ist, aus diesem Kreislauf der Wiedergeburten (siehe Seelenwanderung), der als leidvoll gilt, auszubrechen und Erlösung (Moksha) zu erlangen.
Indische mythologische Figuren werden in der modernen Kunst Indiens häufig verarbeitet. Von dem beliebten Gott Ganesha gibt es Gemälde und Plastiken in ungezählten Variationen. Auch Rama und Krishna, die Helden der beiden Epen, erfreuen sich großer Beliebtheit unter den Künstlern. Im Kunsthandwerk werden in Manufakturen alte Motive immer wieder in Speckstein oder Messing in großen Mengen hergestellt, um sie als Souvenirs zu verkaufen. Weniger häufig zu finden sind dagegen Künstler, die kreative Variationen von klassischen Vorbildern schaffen. Nahezu unendliche Variationen indischer Götter, häufig in grellen Farben, finden sich in den neueren hinduistischen Tempeln. Da jedes größere Haus in Indien einen eigenen Schrein mit eigenen Gottheiten hat, und die Darstellung dieser Gottheiten sich regional stark unterscheidet, ist die Vielfalt der Gottesbilder praktisch unüberschaubar. Auch die Art der Darstellung kann stark variieren: Indische Götter gibt es als Messingguss, als Lederpuppen, Holzreliefs, Stein- und Holzplastiken, als Malereien, Aquarelle und in vielen anderen Formen. Die populären modernen Gemälde von indischen Göttern versuchen oft, den Eindruck von Photographien zu erwecken. Es gibt aber auch Versuche namhafter Künstler, in Malerei und Graphik und Plastik verfremdete, abstrakte oder stilisierte Bildnisse dieser Götter zu schaffen. Hinduistische Mythen spielen auch eine große Rolle in Schauspiel und Tanz. Szenen aus den Epen werden in unterschiedlichen Bearbeitungen und Neudichtungen auf der Bühne inszeniert. Im indischen Tanz gibt es sehr viele Traditionen, die sich in der Art der Aufführung stark unterscheiden. In Südindien werden sie gern in der älteren Tanzform Bharata Natyam oder in dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Maskentanz Kathakali aufgeführt. In den neunziger Jahren hat man die beiden Epen verfilmt. Mit großer Begeisterung hat die Bevölkerung deren mehrteilige Aufführung im Fernsehen verfolgt. Die buddhistische Mythologie spielt in Indien heute keine große Rolle mehr, da es nur sehr wenige Buddhisten gibt. Einige Pagoden mit Buddhareliefs wurden von ausländischen buddhistischen Vereinigungen aus Japan und Burma errichtet und gelegentlich gibt es neuere Buddha-Darstellungen in der modernen Kunst, sowie einige Variationen der buddhistischen Wandmalereinen von Ajanta. Insgesamt gesehen ist jedoch die Zahl dieser Anknüpfungsversuche an die buddhistische Mythologie sehr klein gegenüber vergleichbaren Arbeiten mit hinduistischen Vorbildern. Siehe auch indische Philosophie
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