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    JUGENDRELIGIONEN "Der Begriff Jugendreligion beschreibt religioese und parareligioese Bewegungen, die nach einem ganz bestimmten Muster konstruiert sind.

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Jugendreligionen

Enzyklopädieartikel

Jugendreligionen, als Begriff 1974 von dem deutschen Theologen F. W. Haack eingeführt. In seiner Schrift Die Jugendreligionen grenzte er diese insbesondere gegen den Begriff Sekten ab. Die Diskussion um die Jugendreligionen ist als eine Reaktion auf die seit den sechziger Jahren verstärkt auftretenden religiösen Bewegungen in den USA und Europa zu verstehen. Als gemeinsames Merkmal der Jugendreligionen gilt:

  • 1.) ein absoluter Wahrheitsanspruch, ein „rettendes Prinzip”,
  • 2.) eine ausgewählte Gemeinschaft als „gerettete Familie” und
  • 3.) eine autoritäre Führungsperson als Oberhaupt dieser „Familie”.

Aus diesen Grundlagen entwickelt sich meist ein Personenkult mit der Forderung vorbehaltsloser Hingabe. Daraus folgt ein in erheblichem Maße eingeschränkter persönlicher Freiraum der Mitglieder. Die meisten Jugendreligionen sind mit erheblichem Enthusiasmus und hoher Emotionalität innerhalb der Gruppe verbunden. Das Verhältnis zu anderen Religionen ist oft ahistorisch, d. h., Jugendreligionen lassen geschichtliche Aspekte außer Acht. Sie haben den Anspruch, die bisherigen Religionen zu überbieten und zu überwinden.

Grob lassen sich die Jugendreligionen folgendermaßen gliedern:

  • 1.) Indisch-hinduistische Guru-Bewegungen,
  • 2.) neue christliche Bewegungen,
  • 3.) synkretistisch-spiritistische Neubildungen und
  • 4.) weltanschaulich-therapeutische Gruppen.

Wichtigste Elemente der Jugendreligionen sind Aspekte der Verweigerung und des Protests. In der Regel lehnen sie die gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse ab und stellen die bestehenden Werte und Normen in Frage. Die Folgen sind:

  • 1.) starke Diesseitsorientierung,
  • 2.) starke Gruppenidentität,
  • 3.) Ablehnung der konventionellen Heilsangebote und
  • 4.) bewusste Abgrenzung von den herrschenden Familienstrukturen.

Besonders die beiden letzten Punkte bedingten eine allgemein ablehnende Haltung der Öffentlichkeit gegenüber den Jugendreligionen. Diese fühlen sich daher meist als verfolgte Minderheiten. Die strikte Ablehnung der Jugendreligionen durch die etablierten Kirchen führte dazu, dass die Diskussion um die Jugendreligionen oftmals einen polemischen Charakter annahm. Von Seiten der Amtskirchen bürgerte sich der negative Begriff destruktive Kulte ein. Jugendreligionen sind jedoch nicht isoliert zu betrachten, sondern ein Ausdruck gesellschaftlicher Probleme, eine Reaktion auf unerträglich erscheinende individuelle und soziale Spannungen. Unter diesen Gesichtspunkten bemühen sich besonders die Soziologie und Psychologie um die Klärung des Phänomens Jugendreligion.

Siehe auch Neue Religionen

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