Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Egon Erwin Kisch

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse

Egon Erwin Kisch

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Egon Erwin KischEgon Erwin Kisch

Egon Erwin Kisch (1885-1948), tschechischer Journalist und Schriftsteller deutscher Sprache. Mit seiner Sammlung Der rasende Reporter (1925) verlieh er der literarischen Reportage ein spezifisches Gepräge und kreierte gleichzeitig seinen eigenen Spitznamen.

Egon Erwin Kisch wurde am 29. April 1885 als Sohn eines jüdischen Tuchhändlers in Prag geboren. Nach einer Kadettenzeit, die er vorwiegend unter Arrest verbrachte, und mehreren Studienabbrüchen (Technische Hochschule, Universität Prag, Journalistenschule Berlin) wandte er sich mit ersten Gedichten (Vom Blütenzweig der Jugend) und dem Erzählband Der freche Franz (1906) dem Schreiben zu. Darüber hinaus machte er sich als Flaneur, Frauenliebling und Salontänzer im Prager Halbweltmilieu einen Namen und kam mit Schriftstellern wie Max Brod, Franz Kafka, Rainer Maria Rilke und Jaroslav Hašek in Kontakt. 1912 erschienen unter dem Titel Aus Prager Gassen und Nächten Kischs Kriminalreportagen aus seiner Zeit als Lokalreporter der deutschbürgerlichen Zeitung Bohemia. Vom Lokalkolorit des tschechischen Fin de Siècle ist auch der einzige Roman des Autors, Der Mädchenhirt (1914), geprägt.

Durch die Erfahrung des 1. Weltkrieges und eine schwere Verwundung an der Front 1915 wandelte sich Kisch vom Bohemien zum engagierten Pazifisten, der u. a. der Föderation Revolutionärer Sozialisten „Internationale” beitrat und während der Novemberrevolution 1918 Kommandant der Wiener Roten Garde war. Ein Jahr später wurde Kisch Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs und Redakteur der Tageszeitung Der Neue Tag. Seine Attacken gegen Karl Kraus und die Riege der Wiener Kaffeehausdichter (allen voran Anton Kuh) machten ihn stadtbekannt. 1921 übersiedelte Kisch nach Berlin und avancierte dort zum ehrgeizigen und gern gelesenen Beiträger verschiedener linksgerichteter Zeitschriften wie der Weltbühne und der Roten Fahne.

International berühmt wurde Kisch durch seine Enthüllungen zum Spionagefall des Oberst Redl (Fall des Generalstabchefs Redl, 1924 als Buch) und durch seine stilbildende Artikelsammlung Der rasende Reporter (1925), mit der er eine neue Darstellungsform des Journalismus prägte und die literarische Gattung der Reportage zur Blüte brachte. Kisch bediente sich hierbei literarisch-erzählerischer Mittel (Vor- und Rückgriffe, Leitmotivik, retardierende Momente) und kombinierte effektvoll Elemente wie beschreibende Beobachtung, Interview und Räsonnement, sah sich dabei aber zugleich einer kritischen Distanz im Stil der Neuen Sachlichkeit verpflichtet: „Der Reporter hat keine Tendenz, hat nichts zu rechtfertigen und hat keinen Standpunkt”. In dieser Tradition einer „unbefangenen Zeugenschaft” im Dienst sozialer Veränderung erschienen 1926 und 1927 die Nachfolgebände Hetzjagd durch die Zeit und Wagnisse in aller Welt, die Kischs Image des dynamischen Berichterstatters gesellschaftlicher Missstände noch verfestigten.

Nachdem sich Kisch als Mitbegründer des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller und als marxistisch argumentierender, scharf analysierender Reisejournalist (Zaren, Popen, Bolschewiken, 1927; Paradies Amerika, 1930; China geheim, 1933) hervorgetan hatte, musste er nach der Machtergreifung Hitlers 1933 ins Exil. Im Zuge der Bücherverbrennung wurden seine Schriften ein Opfer der Flammen. Nach Aufenthalten in der Tschechoslowakei, in Frankreich, England, Spanien, Belgien und Holland gelangte er nach Australien, wo er dem Widerstand der Behörden gegen seine Teilnahme am Weltkongress gegen Faschismus und Krieg in spektakulärer Art zu begegnen verstand (Landung in Australien, 1937). 1937/38 kämpfte Kisch auf Seiten der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg. 1939 ging er über die USA nach Mexiko, wo er bei der Zeitschrift Freies Deutschland mitarbeitete und seine Autobiographie Marktplatz der Sensationen (1942) sowie seinen letzten Reportagenband Entdeckungen in Mexiko (1945) publizierte. 1946 kehrte Kisch nach Prag zurück, wo er am 31. März 1948 starb.

In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft