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Kopfjagd

Enzyklopädieartikel

Kopfjagd, das Erbeuten des Kopfes gewaltsam getöteter Personen, die in der Regel nicht der eigenen Gruppe angehören. Die Kopfjagd ist bei einigen Ethnien in Südostasien, Melanesien, Mikronesien, Neuguinea, Südamerika und Afrika dokumentiert, antiken Quellen zufolge sollen aber u. a. auch Kelten, Germanen und Skythen die Köpfe von Feinden erbeutet haben. Bisweilen werden die auf spezielle Art präparierten Köpfe als so genannte Kopftrophäen, denen üblicherweise außerordentlich starke positive, aber auch gefährliche Seelenkräfte zugesprochen werden, aufbewahrt. Dazu gehören beispielsweise die berühmten, heute nicht mehr hergestellten Schrumpfköpfe (tsantsa) der südamerikanischen Shuara, die aus der abgezogenen Schädelhaut hergestellt wurden, die präparierten Schädeltrophäen der Asmat in Papua oder der Iban-Dayak in Sarawak (siehe Skalpieren).

Alter, Geschlecht und Status der Opfer spielen nur selten eine Rolle, das Töten von Schwachen und das Töten aus dem Hinterhalt ist die Regel. Erklärungsansätze, die die Kopfjagd lediglich als ein Mittel zum Prestigeerwerb, als Mutprobe, als Zeichen des Erwachsenwerdens der jungen Männer oder als Erwerb und Nutzbarmachung der dem Kopf innewohnenden Kräfte deuten, erfassen meist nicht den gesamten kulturellen und religiösen Kontext des Phänomens. Gleich dem Kannibalismus steht die Kopfjagd häufig in engem Zusammenhang mit den religiösen Vorstellungen und der spezifischen Schöpfungsmythologie einer Ethnie. Demnach kann die zeremonielle Opfertötung eines Menschen und damit verbunden der Erwerb seines Kopfes sowie der ihm innewohnenden Kräfte vielfach als Erneuerung oder Wiederaufführung des Schöpfungsaktes verstanden werden und steht in enger Verbindung mit Fruchtbarkeitskulten.

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