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Julia Kristeva

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Julia KristevaJulia Kristeva

Julia Kristeva (*1941), französische Literaturwissenschaftlerin, Psychoanalytikerin und Essayistin bulgarischer Herkunft. Mit ihren poststrukturalistischen Theorien einer von ihr so genannten Semanalyse lieferte sie wichtige Beiträge zur Intertextualität und zur Semiotik generell.

Kristeva wurde am 24. Juni 1941 in Sliven geboren und übersiedelte 1966 nach Paris. Hier avancierte sie neben Roland Barthes und Jacques Derrida bald zu einer zentralen Gestalt der Gruppe Tel Quel, die sich um die gleichnamige Avantgardezeitschrift gruppiert hatte und unter Einbezug der Literaturtheorien Wiktor Schklowskijs, Boris Eichenbaums und Roman Jakobsons, der Semiotik und der Psychoanalyse (später auch des Marxismus) eine strukturale Analyse des Kunstwerks unternahm. Ziel war die Untersuchung des ästhetischen Werts, aber auch des subversiven Potentials von Dichtung im Sinn Paul Valérys. Kristevas Hauptinteresse lag in der Ausarbeitung der sinnkonstituierenden Sprachprozesse und ihrer Auswirkungen auf das sprechende bzw. schreibende Subjekt.

1974 erschien mit La révolution du language poétique (Die Revolution der poetischen Sprache) eine an den Theoremen des Psychoanalytikers Jacques Lacan, aber auch an Sigmund Freud orientierte Studie Kristevas, die aus der Sicht des Feminismus einen originären Zusammenhang zwischen revolutionärer Energie und literarischer Struktur herzustellen suchte. Dabei legte die Autorin Lacans Modell des quasi „gesprochenen” Ichs und des Unterbewussten zugrunde, wonach dieses Ich sich in Texturen wiederfindet, die es ohne seine Einflussnahme prägen und in denen es sich letztendlich verlieren muss. Das Hauptaugenmerk der Révolution du language poétique liegt in der Untersuchung einer vermeintlich revolutionären Auflösung dieser repressiven Strukturen; einen weiteren Gegenstand bildet die Verweigerung gegen andere Vereinnahmungen (etwa die einer Phallokratie oder des kapitalistischen Systems) in der symbolisch-schöpferischen Form der Dichtung; Beispiele sind die Werke Lautréamonts und Stéphane Mallarmés. Auf textlicher Ebene führte die Idee eines antithetischen Verhältnisses zwischen permanenter Sprengung und Neukomposition von Sprache in der „sozialisierten Verrücktheit” der Literatur Kristeva zu ihrer Bestimmung des Intertextualitätsbegriffs und zur Vorstellung einer Produktivität (productivité) der Literatur.

Auf Kritik stieß vor allem Kristevas Auffassung des schöpferischen Subjekts, die ihrem Modell einer Dekonstruktion offenbar zuwiderlief. Weitere Werke der Autorin, die sich der Textsemiotik auch aus der Perspektive der Ideologiekritik nähern, sind Séméiotikè. Recherches pour une sémanalyse (1969), Le texte du roman (1970), Des chinoises (1974; Die Chinesin. Die Rolle der Frau in China), Polylogue (1977), Pouvoirs de l’honneur. Essai sur l’abjection (1980), Histoires d’amour (1983; Geschichten von der Liebe) und Soleil noir. Dépression et mélancholie (1987). 1990 kam Kristevas Roman Les Samouraïs heraus.

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