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Windows Live® Suchergebnisse StillenEnzyklopädieartikel
Stillen, natürliche, unmittelbar nach der Geburt beginnende Säuglingsernährung mit Muttermilch durch die weibliche Brust. Schon während der Schwangerschaft bereitet sich der Körper der werdenden Mutter auf die Ernährung des Neugeborenen vor. Die Brustdrüsen beginnen sich während der Schwangerschaft unter dem Einfluss von Östrogenen und Gestagenen zu vergrößern und werden besser durchblutet. Der Hypophysenvorderlappen im Gehirn ist für die Ausschüttung des laktotropen Hormons zuständig, dieses Prolaktin löst die Milchsekretion aus. Gegen Ende der Schwangerschaft steigt zwar der Prolaktinspiegel im Blut an, jedoch wird die Milchsekretion noch durch die hohen Serumspiegel von Östrogenen und Gestagenen zurückgehalten. Nach der Geburt sinken Östrogen- und Gestagenspiegel mit dem Ausstoßen der Plazenta allerdings schlagartig, und die Milchsekretion beginnt. Das erste Anlegen des Neugeborenen sollte bereits eine halbe Stunde nach der Geburt erfolgen. Durch die Stimulation der Nervenendigungen der Brustwarzen steigt der Oxytocinspiegel im Blut, der Milchspendereflex wird angeregt, und die Gebärmutter kontrahiert. Um eine ausreichende Stimulation für die Milchbildung zu gewährleisten, sollte der Säugling in der ersten Zeit etwa acht- bis zwölfmal täglich zum Trinken an der Brust angelegt werden. In den ersten Tagen produziert die Brust das Kolostrum, eine fettarme Vormilch mit hohem Anteil an Proteinen und Antikörpern, die den Säugling vor Infektionen schützen und die Allergiebereitschaft senken. Allmählich geht die Brust zur Produktion der „reifen Frauenmilch” über. Diese ist leicht verdaulich und in ihrer Zusammensetzung exakt auf die sich während der Stillperiode verändernden Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt. Idealerweise wird bis zur Vollendung des sechsten Monats voll gestillt, d. h., in dieser Zeit sollte der Säugling außer der Muttermilch keine andere Nahrung erhalten. Durch allmähliches Zufüttern von „fester” Kost werden die Stillmahlzeiten reduziert. Die Dauer der gesamten Stillperiode schwankt je nach Kulturkreis erheblich: Während in industrialisierten Gesellschaften ein Jahr schon eher die Ausnahme darstellt, sind vier Jahre in nicht industrialisierten Gesellschaften keine Seltenheit. Aus medizinischer Sicht wird heute eine möglichst lange Zeit empfohlen, da die positiven Auswirkungen des Stillens auf die körperliche und seelische Entwicklung des Säuglings eventuelle Nachteile durch den ohnehin geringen Schadstoffgehalt in der Muttermilch aufwiegen. Allerdings muss beachtet werden, dass Genussgifte wie Alkohol, Nikotin und Coffein sowie Drogen und diverse Medikamente in die Muttermilch übergehen und das Kind schädigen können. Zahlreiche Untersuchungen haben u. a. ergeben, dass Stillen die psychische Verbundenheit von Mutter und Kind optimal fördert. Stillende Mütter reagieren sensibler und angemessener auf das Verhalten ihrer Kinder, und im Durchschnitt sind gestillte Kinder in ihrer emotionalen und geistigen Entwicklung ihren nicht gestillten Altersgenossen oftmals voraus. So berichteten norwegische Wissenschaftler 2001 im Fachblatt Archives of Disease in Childhood, eine Stilldauer von mindestens sechs Monaten sei für die Entwicklung der intellektuellen Fähigkeiten eines Kindes von erheblichem Vorteil. Außerdem treten Zahnfehlstellungen und Kieferverformungen, die durch intensives Daumenlutschen und Beruhigungssauger verursacht werden können, seltener auf, da das kindliche Saugbedürfnis an der Brust befriedigt wird. Darüber hinaus erkranken Frauen, die mindestens vier Monate gestillt haben, seltener an Brustkrebs. Kanadische Wissenschaftler der University of Montreal berichteten 2001 über eine Studie an insgesamt 16 000 Säuglingen aus der ehemaligen Sowjetunion sowie aus Osteuropa. Danach litten Säuglinge, die gestillt wurden, während ihres ersten Lebensjahres deutlich weniger an Magen- und Darminfektionen, Allergien und Hautkrankheiten als Babys, die mit der Flasche aufgezogen wurden. Wie US-amerikanische Forscher 2002 auf einer Tagung der American Academy of Paediatrics berichteten, litten Kinder, die sechs Monate gestillt worden waren, viel seltener an Atemwegsinfektionen als Kinder, die nur vier Monate gestillt wurden. Britische Forscher teilten 2002 in The Lancet mit, gestillte Kinder hätten in ihren ersten vier Lebensjahren seltener Übergewicht. Obwohl fast alle Frauen physiologisch in der Lage sind, ihr Kind zu stillen, kommt es häufig zu Stillproblemen, die oftmals zum vorzeitigen Abstillen führen. Mögliche Ursachen hierfür sind mangelnde Anleitung der Wöchnerinnen, falsches Anlegen an die Brust, starre Zeitabstände zwischen den Stillmahlzeiten sowie eine Saugverwirrung des Säuglings durch die Verwendung von Fläschchen- oder Beruhigungssaugern. Fachlichen Rat und Unterstützung bieten u. a. ausgebildete Stillberaterinnen. Siehe auch Säuglingspflege; Säuglingsalter
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