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Ludwig Windthorst

Enzyklopädieartikel

Ludwig Windthorst (1812-1891), deutscher Jurist und Politiker, langjähriger Führer der katholischen Zentrumspartei.

Ludwig Windthorst wurde am 17. Januar 1812 auf Gut Caldenhof (Osterkappeln bei Osnabrück) geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft wurde er 1836 Rechtsanwalt und 1848 Oberappellationsgerichtsrat in Celle. Von 1849 bis 1856 war er Mitglied des Parlaments des Königreiches Hannover, wo er eine entschieden antipreußische Politik vertrat, und als Justizminister gehörte er zweimal (1851-1853 und 1862-1865) der Regierung von Hannover an. Von 1865 bis 1867 war Windthorst Kronanwalt in Celle, als der er ab 1866 nach der Annexion und Auflösung des Königreiches Hannover durch Preußen – Hannover hatte im Deutschen Krieg auf der Seite Österreichs gegen Preußen gekämpft und war unterlegen – für das abgesetzte Königshaus die Abfindungsverhandlungen mit Preußen führte.

Ab 1867 war Windthorst Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und des Reichstages des Norddeutschen Bundes. Aufgrund seiner rhetorischen Gaben und seines Verhandlungsgeschicks wurde er nach Gründung der katholischen Zentrumspartei 1870 rasch deren allgemein anerkannter Führer in der Öffentlichkeit, ohne Partei- oder Fraktionsvorsitzender zu sein. Während des Kulturkampfes war er im Reichstag – dem er von 1871 bis 1891 angehörte – der wichtigste Gegenspieler von Reichskanzler Otto von Bismarck, doch vertrat Windthorst auch dem Vatikan und den deutschen katholischen Bischöfen gegenüber eine eigenständige Politik. Seine 1890 mit Bismarck geführten Verhandlungen über eine mögliche Zusammenarbeit stießen bei Kaiser Wilhelm II. auf tiefes Misstrauen und waren ein Grund für den Sturz des Reichskanzlers. Ludwig Windthorst starb am 14. März 1891 in Berlin.

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