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Scheich Ahmed Jassin

Enzyklopädieartikel

Scheich Ahmed Jassin (1937-2004), palästinensischer religiöser Führer, Mitbegründer der Hamas.

Scheich Ahmed Jassin wurde 1937 in Askalon geboren. Während des 1. Israelisch-Arabischen Krieges 1948 floh seine Familie nach Gaza, wo er eine religiöse Ausbildung erhielt, mit der Muslimbruderschaft in Kontakt kam und später als Lehrer und Prediger tätig war. Seit einem Unfall in seiner Jugendzeit ist er an den Rollstuhl gefesselt. 1973 gründete Jassin das Islamzentrum in Gaza, von dem aus er seine Idee von einem islamischen palästinensischen Staat verbreitete und bald großen Einfluss auf alle bedeutenden religiösen Einrichtungen der Palästinenser erlangte.

1984 wurde Jassin von den israelischen Sicherheitsbehörden wegen illegalen Waffenbesitzes verhaftet und zu 13 Jahren Haft verurteilt, wurde aber bereits zwei Jahre später im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen. Im Dezember 1987 gehörte Jassin zu den Gründern der radikalen Hamas bzw. deren Vorläuferorganisation, die jede Verständigung mit Israel ablehnte und die Errichtung eines palästinensisch-islamischen Staates in ganz Palästina forderte. Zwei Jahre später wurde Jassin erneut verhaftet und zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt; nach mehreren Terrorakten, hinter denen die israelischen Sicherheitskräfte Jassin als Drahtzieher vermuteten, wurde die Strafe 1991 auf lebenslänglich erhöht. Im Oktober 1997 wurde Jassin im Rahmen des durch die Oslo-Verträge eingeleiteten Friedensprozesses schließlich freigelassen.

Während der im September 2000 ausgebrochenen Al-Aksa-Intifada, in deren Verlauf die Hamas für eine ganze Reihe schwerer Attentate auf Israelis verantwortlich zeichnete, hielt sich Jassin weitgehend im Hintergrund. Dennoch wurde er im Dezember 2001 von der Palästinensischen Autonomiebehörde unter Hausarrest gestellt, vermutlich um der israelischen Regierung zu beweisen, dass man ihrer Forderung, mutmaßliche Hamas-Aktivisten und -Hintermänner festzunehmen, ernsthaft nachkäme. Die Festsetzung Jassins führte allerdings zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Hamas-Anhängern und palästinensischen Sicherheitskräften, woraufhin der Hausarrest gegen Jassin sogleich wieder gelockert und schließlich aufgehoben wurde. Erneut in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückte er, als Israel im Rahmen seiner Politik der gezielten Tötung von Hamas-Führern und -Aktivisten im September 2003 einen Angriff auf Jassin unternahm. Jassin überlebte leicht verletzt; aber er und die Hamas kündigten Rache an, was den erst vier Monate zuvor wieder in Gang gekommenen, unterdessen aber durch neu aufgeflammte Gewalt erschütterten Friedensprozess zusätzlich bedrohte.

Einen weiteren Angriff überlebte Jassin jedoch nicht: Am 22. März 2004 wurde er durch einen gezielten Raketenangriff israelischer Kampfhubschrauber in Gaza-Stadt getötet. Acht weitere Palästinenser kamen bei dem Angriff ebenfalls ums Leben. Die Hamas und andere Palästinenserorganisationen kündigten blutige Rache an, in Gaza-Stadt protestierten etwa 200 000 Palästinenser gegen die Ermordung Jassins, und auch andernorts in der arabischen Welt kam es zu Demonstrationen. International wurde die Ermordung Jassins als völkerrechtswidrig kritisiert.

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