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Lotte Reiniger

Enzyklopädieartikel

Lotte Reiniger, eigentlich Charlotte Reiniger, (1899-1981), deutsche Filmemacherin. Als Erfinderin des Silhouettenfilms gehört sie zu den Pionieren des Animationsfilms.

Reiniger wurde am 2. Juni 1899 in Berlin-Charlottenburg geboren. Nachdem sie 1916 bei Max Reinhardt eine Theaterausbildung erhalten hatte, gestaltete sie die Zwischentitel für den Paul-Wegener-Film Der Rattenfänger von Hameln (1918). In der von ihr entwickelten Technik des Silhouettenfilms griff sie die Effekte chinesischer Schattenspiele und Scherenschnitte auf, ein unverkennbares Merkmal ihrer Animationsfilme. Die eigenwillige Technik ermöglichte Reiniger die Zusammenarbeit mit anderen Filmemachern ihrer Zeit, darunter Walter Ruttmann, der wie Reiniger selbst zu den experimentierfreudigsten Filmkünstlern seiner Zeit gehörte. Als Gemeinschaftsprojekt entstand schließlich nach dreijähriger Arbeit mit einer Dauer von 66 Minuten einer der ersten abendfüllenden Animationsfilme, Die Abenteuer des Prinzen Achmed (1926) nach Vorlagen der Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht. Das Werk fand zunächst keine Verleihagentur, so dass sich schließlich Bertolt Brecht als enger Freund Reinigers um Pressearbeit und Werbung kümmerte und den Film bei einem französischen Verleih unterbrachte, wo er im zweiten Anlauf sehr erfolgreich war.

In den darauf folgenden Jahren schuf Reiniger zahlreiche Silhouettenfilme während ihrer Aufenthalte in Großbritannien und Frankreich, bevor sie während des 2. Weltkriegs endgültig nach England emigrierte. Dort fuhr sie fort, kurze Trickfilme, meist nach Vorlagen aus der Märchen- und Fabelwelt, zu drehen, darunter Froschkönig (1954) und Das tapfere Schneiderlein (1954). Ihr letztes Werk, Aucassin und Nicolette, entstand 1975 in Kanada. Im Herbst 1980 zog Reiniger zu Freunden nach Dettenhausen bei Tübingen, wo sie im hohen Alter noch bei Schattenspielaufführungen mitwirkte. Sie starb am 19. Juni 1981 in Dettenhausen.

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