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Bill Viola

Enzyklopädieartikel

Bill Viola (*1951), amerikanischer Video- und Installationskünstler. Mit seinen großformatigen Videoprojektionen, die er meist als Rauminstallationen auslegt, hat er der Videokunst neue Spielräume eröffnet. Viola widmet sich in seinen Werken häufig existentiellen Fragen wie Geburt und Tod, spirituellen Themen sowie konzeptuellen und wahrnehmungspsychologischen Bezügen.

Viola wurde am 25. Januar 1951 in New York geboren. Bereits während seiner Schulzeit war er Mitglied der Medienarbeitsgruppe TV-Squad; von 1970 bis 1973 studierte er am College of Visual and Performing Arts der Syracuse University New York. Nach seinem Bachelor of Fine Arts gründete Viola die Gruppe Composers inside Electronics; 1975 wurde er Technischer Direktor des Videostudios Art/Tapes/22 in Florenz. Zwischen 1976 und 1980 lebte Viola als Artist-in-Residence bei WNET/Thirteen TV Lab in New York, bevor er 1981 Artist-in-Residence bei Sony Atsugi Laboratories wurde.

Charakteristisch für Bill Violas Videoinstallationen sind Bildcollagen und Erzählungen, die sich Grenzfragen der menschlichen Existenz nähern. So beschäftigte er sich in der dreiteiligen Videoinstallation Nantes Triptych (1992) mit Geburt und Tod, hierbei den Tod seiner Mutter und die Geburt seines Kindes dokumentierend. Zu seinen Darstellungsmitteln gehören neben gewissen Schockmomenten das Pendeln zwischen Realem und Irrealem sowie die Verbindung und kontrastierende Gegenüberstellung extrem verschiedener Zeitverläufe, z. B. ein plötzliches Ereignis und eine gedehnte, weil ereignislose Zeitspanne. In seinen Filmen werden diese Zeitverhältnisse häufig durch Zeitraffer-, Zeitlupen- und Zeitumkehreffekte verstärkt und zu Endlosschleifen verbunden (z. B. The Reflecting Pool, 1977-1979).

1994 schuf er im Auftrag des Ensemble Modern unter dem Titel Deserts einen Videofilm, der die Aufführungen der gleichnamigen Komposition Edgar Varèses durch dieses Orchester begleitete. Seine 2002 im Auftrag der Deutschen Guggenheim Berlin realisierte Videoinstallation Going Forth By Day zitiert Giottos Fresken der Scrovegni-Kapelle in Padua. Fünf in einem Raum simultan projizierte Bildsequenzen thematisieren „die menschlichen Elementarerfahrungen Individualität, Gesellschaft, Tod und Wiedergeburt” (Viola). In einer seiner größten Arbeiten Five Angels for the Millennium (2003), im über hundert Meter hohen Innenraum des Oberhausener ehemaligen Gasometers auf fünf jeweils 270 Quadratmeter große Leinwände projiziert, nähert sich Viola über die Metapher des Wassers dem Thema des Engels. Die Darstellung basiert auf der u. a. mit Hilfe von Lichtdramaturgie und extremer Zeitdehnung verfremdeten Aufnahme von Sprüngen in ein Wasserbecken.

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