Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse HeckeEnzyklopädieartikel
Hecke, ein im Allgemeinen nur wenige Meter breites, lang gestrecktes, bandförmiges Gehölzbiotop aus Sträuchern (mittelhochdeutsch hac: Dorngesträuch, Gebüsch), mitunter auch einzelnen Bäumen. Unter den für das Wachstum von Holzgewächsen günstigen Klimabedingungen Mitteleuropas entwickeln sich solche Gehölze an manchen Standorten auf natürliche Weise. Die weitaus meisten Hecken wurden und werden jedoch angepflanzt, vor allem auf Feldrainen und an Böschungen, entlang von Straßen und Wegen, an Ortsrändern, aber auch in Siedlungen. Die ersten Hecken wurden in Deutschland vermutlich bereits vor rund 3 000 Jahren angelegt, im Mittelalter kamen zahlreiche neue Gehölze hinzu, und besonders viele Hecken pflanzte die Landbevölkerung ab dem 18. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Aufteilung der Allmende an. Die Gehölze dienten hier als Grenzhecken zur Einhegung der jetzt im Privatbesitz befindlichen Parzellen. Neben der Grenzhecke gibt es die Zierhecke und die Schutzhecke wie das Rheingauer Gebück, ein schwer zu durchdringendes Dickicht, das sich früher als Schutzwall vor Angreifern durch den Taunus zog. Nach der Höhe und dem Aufbau werden die Niederhecke, die Mittelhecke, die Hochhecke, die Baumhecke sowie die Wallhecke (Knick) unterschieden. Hecken sind in Mittel- und Westeuropa weit verbreitet, in manchen Ländern bilden sie charakteristische Heckenlandschaften, beispielsweise im südlichen Skandinavien, in England, Frankreich, Norddeutschland oder im nordwestlichen Spanien. Allein in Schleswig-Holstein und Hamburg erstrecken sich Wallhecken heute noch über insgesamt etwa 45 000 bis 50 000 Kilometer Länge. Als Biotop gleicht die Hecke einem doppelten Waldsaum, an dem sich von einer schmalen Innenzone mit waldähnlichem Klima aus die klimatischen und ökologischen Bedingungen nach beiden Seiten hin auf wenigen Metern stark ändern – von denen dichter Gehölze zu denen des in der Regel als Acker oder Weide genutzten offenen Landes. Die mikroklimatischen Gegensätze werden durch die Exposition noch verstärkt: Süd- und Südwestsäume sind licht, warm und trocken, Nord- und Nordostsäume dagegen schattig, kühl und feucht. Dadurch ergibt sich auf engstem Raum eine für mitteleuropäische Landschaften einzigartige Vielfalt von Kleinstandorten und ein ungewöhnlicher Artenreichtum der Pflanzen- und Tierwelt. Zu den für Hecken typischen Laubbäumen gehören z. B. Esche, Traubenkirsche, Eberesche, Feldahorn sowie Schwarz- und Grauerle. Verbreitete Sträucher sind u. a. Weißdorn, Liguster, Schlehe, Pfaffenhütchen, Gewöhnlicher und Wolliger Schneeball, Berberitze, Heckenrose sowie Roter und Schwarzer Holunder. Der krautige Saum ist u. a. durch Rainfarn, Echtes Johanniskraut und Große Brennnessel charakterisiert. Für viele Tierarten, insbesondere unter den Vögeln und Insekten, stellen Hecken einen wertvollen Lebensraum dar, so etwa für Neuntöter, Goldammer, Heckenbraunelle und verschiedene Bienen-, Käfer- und Schmetterlingsarten (z. B. Tagpfauenauge, Distelfalter, Kleiner Fuchs und Admiral). Auch Amphibien, Reptilien und Säuger wie Grasfrosch, Erdkröte, Blindschleiche, Zauneidechse, Igel, Mauswiesel und Hermelin sind in Hecken anzutreffen, wo sie Nahrung und Schutz finden. Eine wichtige Bedeutung kommt Hecken im Biotopverbundsystem zu. Sie dienen als Korridore zwischen isoliert voneinander gelegenen Biotopen. Über ihren ökologischen Wert hinaus haben Hecken zahlreiche weitere Vorteile. In Siedlungen dienen die Zierhecken zugleich als Sicht- und Lärmschutz sowie als natürliche Schadstofffilter. Sie schützen vor Schlagregen, der die Gebäudewände durchfeuchtet und so die Baustoffkorrosion und Wärmeverluste verstärkt. In der offenen Agrarlandschaft sind bandförmige Gehölze vor allem auf erosionsanfälligen Sandböden als Schutz vor Winderosion unentbehrlich; durch die geringere Verdunstung und stärkere Taubildung im Windschatten verbessern sie außerdem den Wasserhaushalt des Bodens und erhöhen dadurch die Ernteerträge. Als Nachteile werden der Flächenbedarf und die Zergliederung des Agrarlandes, die die mechanisierte Landwirtschaft behindert, angeführt. Im Rahmen der Flurbereinigung und des Straßenbaus wurden daher viele Hecken vernichtet, allein in Schleswig-Holstein innerhalb von 50 Jahren mehr als 30 000 Kilometer Knicks. Die restlichen Hecken sind weiterhin gefährdet, nicht zuletzt auch dadurch, dass die Gehölze regelmäßig auf traditionelle Weise, also überwiegend in Handarbeit, gepflegt werden sollten, die Kosten dafür aber hoch sind. Laut einer 2000 verabschiedeten, unter Landwirten und Naturschützern heftig umstrittenen EU-Verordnung hat in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union der Abstand zwischen dem Mittelpunkt einer Hecke und der Ackergrenze künftig weniger als zwei Meter breit zu sein.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |