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bild der wissenschaft: Zwischen Traumzeit und Internet – Australien heute

Alice Springs im Herzen Australiens, Zentrum in trockener Weite, Anlaufstelle und Versorgungsstation für Touristen, Ausgangspunkt für Touren in den Nationalpark Uluru. Auch hier – fernab vom direkten Einfluss der Metropolen – stellt sich die Bevölkerung den Herausforderungen moderner Technologien. Reiner Korbmann berichtet in bild der wissenschaft 9/2000 von seinen Eindrücken aus dem Zentrum des fünften Kontinents. Hier folgt ein Auszug des Artikels.

bild der wissenschaft: Zwischen Traumzeit und Internet – Australien heute

Alice Springs – Wenn Menschen dicht an dicht wohnen, kann es Probleme geben. Wenn Menschen aber zu weit voneinander entfernt sind, gibt es sie mit Sicherheit. Australien kennt beide Probleme: dicht besiedelte Millionenzentren an der Süd- und Ostküste; fast menschenleere Flächen im Landesinneren. Der Kontinent besitzt etwa die 30fache Fläche Deutschlands, aber nur halb so viele Einwohner – und von denen wohnt die Mehrheit in den Ballungszentren.

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Was die Menschenleere an praktischen Problemen bringt, spürt man am besten in Alice Springs – eine kleine Pionierstadt im Herzen des Kontinents, von der aus die Menschen im Umkreis bis 1 000 Kilometern versorgt werden. Beispiel Flying Doctor Service: Der Hausarzt kommt per Flugzeug. Ob zu den Farmern in der Halbwüste, deren einzelne Farmen teils ein Viertel der Fläche der Schweiz erreichen, oder zum Touristenzentrum Ayers Rock, wo jährlich 350 000 Touristen den weltbekannten roten Felsen bewundern – bei Notfällen sind die Ärzte 24 Stunden dienstbereit und erreichen mit Flugzeugen ihre Patienten.

Zweites Beispiel: Schule per Funk. Unter den 13 000 Menschen, die um Alice Springs leben, gibt es viele schulpflichtige Kinder. Um ihnen Vor- und Grundschulerziehung zu ermöglichen, ohne von den Eltern getrennt zu werden, betreiben zwölf Lehrer Unterricht per Post und Funk – und bald auch per Internet. [...] Jeder von ihnen betreut eine Klasse, deren Schüler bis zu 1 600 Kilometer voneinander entfernt wohnen. Fünf mal pro Woche treffen sie sich zu festgelegten Zeiten per Funkgerät, drei mal pro Jahr persönlich in Alice Springs. Alle Kinder haben neben dem Sprechfunk schon einen Computer stehen, auf Internet wird aber erst umgeschaltet, wenn alle Farmen an das Telefonnetz angeschlossen sind.

Während des Lebens von Reggie Uheru hat sich viel verändert. Als er vor 65 bis 70 Jahren geboren wurde – so genau weiß er das nicht – gab es keine Schulen für Kinder. Er ist Aborigine und einer der wenigen, die sich der modernsten Welt geöffnet haben. Heute führt er am großen Heiligen Felsen Uluru – von den Weißen als Ayers Rock bezeichnet – Touristen. Er zeigt ihnen, wie er und seine Vorfahren Pfeilspitzen mit einem Pflanzenklebstoff befestigt haben, erklärt ihnen, wie man mit der Woomera umgeht, der Speerschleuder, erzählt ihnen anhand von Zeichnungen im Sand alte Geschichten aus der Schöpfungszeit, als sich noch Tiere in Menschen verwandeln konnten und umgekehrt – und er läßt sich sogar fotografieren. Aber nur unter der Bedingung, daß die Touristen aus aller Welt ihm die Bilder zusenden, weil er sie seinen Enkeln zeigen will. Gern dürfen sie die Bilder auch digital schicken – denn er ist auch stolzer Benutzer einer Internet-Adresse.

Traumzeit, überwältigendes Naturerlebnis und Internet – Reggie Uheru verkörpert das Spannungsfeld des modernen Australiens. Noch immer hat sich das Land vom Erbe der Eroberer nicht gelöst, die das Land als niemandes Eigentum betrachteten und die Ureinwohner bis vor kurzem als Menschen zweiter Klasse behandelt wurden. Aber auch hier hat endlich ein Umdenken stattgefunden – aber es ist noch ein langer Weg, die Ureinwohner wieder vollständig in die Gesellschaft zu integrieren. [...]

Mit freundlicher Genehmigung von: bild der wissenschaft, 2000, H. 9.

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Nationalpark Uluru; Australien; Aborigines

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