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Encarta Online: „Heute gehen wir ins Museum ...”

Der Gang ins Museum scheint für viele Kinder nicht unbedingt zu den bevorzugten Freizeitaktivitäten zu gehören. Dabei kann sich ein solcher Besuch durchaus lohnen, wie Dr. Mechtild Becker in ihrem Artikel „Heute gehen wir ins Museum …” erläuterte. Der Text erschien 2001 in Encarta Online in der Rubrik Aktivitäten mit Kindern.

Encarta Online: „Heute gehen wir ins Museum …”

… – dieser Satz löst bei einigen Erwachsenen heute noch Angst und Schrecken aus. Wer hat es nicht hinter sich, den Ansprüchen des Bildungsbürgertums folgend den Sonntagnachmittag in einer römisch-germanischen Sammlung verbracht haben zu müssen. Manch einer hat nie wieder einen Fuß in ein Museum gesetzt, denn der Spaß und das Interesse daran wurden ihm nachhaltig verlitten. – Auf Klassenfahrten eine historisch wertvolle Kirche nach der anderen besichtigen zu müssen hat das Weitere erledigt. Inzwischen besteht glücklicherweise auch in vermeintlich gebildeten Schichten nicht mehr der Zwang zum regelmäßigen Museumsbesuch. In Zeiten des Computers und des intensiven Sportinteresses treten diese Freizeitbeschäftigungen allgemein in den Hintergrund. Und es ist ohnehin schon schwer genug, Kinder vom Computer oder den Inlineskates loszueisen …

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Doch gerade die Erlebnisse und Erinnerungen aus dem Kindesalter bleiben deutlich im Gedächtnis haften und schaffen wichtige Grundlagen für die immer wieder geforderte Allgemeinbildung. Wenn besondere Interessen vorliegen, ist es keine Kunst, die Kids zu einem Museumsbesuch mit gerade diesem Thema zu bewegen. Einen flugbegeisterten Jugendlichen werden sie ohne Probleme zu einem Besuch in eine Flugwerft einladen können. Die meisten Eltern sind ja schon froh, wenn die oft kritisierte Nullbockgeneration überhaupt an irgendetwas Interesse zeigt. Doch welche Themen machen Kindern und Jugendlichen Spaß und erzeugen Lust auf mehr? Zunächst einmal alle Bereiche, die Kinder aus ihrer eigenen Erlebniswelt kennen. Der Wiedererkennungseffekt schafft Sicherheit und Interesse dafür, die eigene Umwelt im Museum wiederzufinden und erklärt zu bekommen. Dies trifft besonders auf Naturkundemuseen zu. Hier werden Tiere und Pflanzen aus der nächsten Umwelt der Kinder beleuchtet. „Diese Blume kenne ich doch …” Und schon ist das Interesse erwacht.

Auch Themenausstellungen, die einen Bezug zur kindlichen Welt haben wie z. B. ein Spielzeugmuseum und sämtliche Ausstellungen zu Einzelthemen wie Brotmuseum, Schokoladenmuseum, Filmmuseum o. Ä. stoßen bei Kindern zumeist auf Interesse. Ein weiteres großes Themengebiet ist Technik in jeder Form: Auch hier begegnen den Kindern Exponate, die sie aus ihrer Lebenswelt kennen und deren Verständnis dort gefördert wird. Das Spektrum reicht von Automobilsammlungen bis zu Maschinen und Geräten aus dem Haushalt und anderen Lebensbereichen. In vielen technischen Museen können sie experimentieren und selber aktiv werden. Dadurch lassen sich auch komplizierte Zusammenhänge besser erklären. So hat Oskar von Miller das Deutsche Museum in München als ein „technisches Museum zum Anfassen” gegründet. Die dritte große Gruppe sind die historischen Museen, Stadtmuseen, völkerkundliche Sammlungen und Bauernhofmuseen. Hier erfährt der Besucher etwas über das Leben der Menschen in früherer Zeit. Viele Einrichtungen organisieren regelmäßig Kinderführungen, mit der Möglichkeit, selber beim Brotbacken nach alten Rezepten oder Töpfern aktiv werden zu können. Gerade die Stadtmuseen schlagen den Bogen zur eigenen Vergangenheit und werden von Kindern gut angenommen. Ein altes Stadtmodell aus einem vergangenen Jahrhundert eignet sich hervorragend zum Vergleich mit einem aktuellen Stadtplan.

Bei den Bereichen Malerei und Bildhauerkunst sieht das etwas anders aus. Während die ganz Kleinen relativ unvoreingenommen auch auf abstrakte Bilder zugehen, und viel Freude an der Farbe haben, tun sich die Größeren mit dem Betrachten schwerer. Sie haben oft schon einen festgelegten Geschmack und großflächige Krönungs- und Schlachtenszenen sind in ihren Augen oft „alte Schinken”. Allgemein lieben Kinder die Farbigkeit und schon deshalb eignet sich zur Einführung beispielsweise expressionistische Malerei besser als romantische und realistische Werke. Marc oder Kandinsky sind hier zu nennen. Obwohl in der Mehrzahl schwarzweiß kommen die Graphiken von M. C. Escher bei Kindern und Jugendlichen auch gut an und wecken Interesse am Zeichnen. Dazu bieten viele Einrichtungen am Wochenende Führungen und spezielle Kurse für Kinder an. Etwas schwieriger ist es mit sakraler Kunst. Sie ist Jugendlichen oft schwer zu vermitteln, zumal der inhaltliche Hintergrund für das Verstehen von beispielsweise Bibel- oder Passionsszenen oft fehlt.

Für die ganz Kleinen sind die Sujets ohnehin ungeeignet. Eines ist jedoch wichtig: Bereiten Sie Ihre Kinder auf den Besuch vor, indem Sie das Thema der avisierten Ausstellung ansprechen und im Vorfeld Interesse wecken. Wie wäre es mit einem virtuellen Museumsrundgang im Internet? Hier finden sich zu fast jeder Kunstrichtung und Epoche die passenden Seiten. Und schlagen Sie den Bogen zu Ihrer eigenen Umwelt. Kunst versteckt sich ja nicht nur im Museumsbau. „Blau ist deine Lieblingsfarbe? Im Museum X läuft gerade eine Ausstellung des Künstlers Y, der hat vieles in Blau gemalt … – selbst Tiere …” Und vor allen Dingen, gestalten Sie die ersten Besuche nicht tagesfüllend. Kinder brauchen Zeit zum Aufnehmen und Verschnaufen. Gehen Sie lieber – wenn Interesse besteht – noch in zweites Mal hin und sorgen Sie für genügend Pausen. Ein Blick in den Museumsshop rundet den Besuch ab. Vielleicht finden Sie einige schöne Kunstpostkarten, die Gesprächsstoff für zu Hause liefern. Auch ein Ausstellungsplakat fürs Kinderzimmer hält die Erinnerung an einen interessanten Nachmittag wach. Ausstellungskataloge, die mitunter allerdings sehr teuer sind, können weitergehendes Interesse wecken. Und wenn Sie selber eher ein Museumsmuffel sind: eröffnen Sie Ihren Kindern den Zugang zur Kunst und holen Sie sich selbst neue Eindrücke. Zumal Sie ja in diesem Fall freiwillig da sind …

Dr. Mechtild Becker

Aus Encarta Online.

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Freizeitpädagogik; Museum

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