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In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfügten die meisten Staaten noch über ihre eigene Landeszeit, abgestimmt auf die nationalen Sternwarten. Reisen über Ländergrenzen hinweg brachten dementsprechend enorme Abstimmungsprobleme mit sich. Der amerikanische Autor Clark Blaise porträtiert in seinem Buch Die Zähmung der Zeit. Sir Sandford Fleming und die Erfindung der Weltzeit den kanadischen Landvermesser und Bauingenieur Sandford Fleming und schildert seine Bemühungen um eine Vereinheitlichung der Zeitrechnung. Ulrich Klenner stellte das Werk im April 2001 bei Encarta Online im Rahmen eines Buchtipps vor.
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Sie ist omnipräsent und doch nicht zu fassen, ist leicht zu erfahren und doch schwer zu begreifen: die Zeit. Nach Ansicht vieler Wissenschaftler ist der Mensch das einzige Lebewesen, das über einen Zeitsinn verfügt. Der amerikanische Universitätsdozent und Sachbuchautor Clark Blaise ist sogar davon überzeugt, dass nichts grundlegender für die menschliche Natur ist als die Erforschung der Zeit und das Ringen um ihre genaue Messung.
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In seinem Buch Die Zähmung der Zeit führt er dem staunenden Leser vor Augen, dass unser Umgang mit der Zeit und die Vorstellung, die wir uns von ihr machen, recht neumodische Errungenschaften sind. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfügten die meisten Staaten noch über ihre eigene Landeszeit, abgestimmt auf die nationalen Sternwarten. Allein in Deutschland kannte man damals fünf offizielle Uhrzeiten. Europa mit der Eisenbahn zu durchqueren war ein großes Abenteuer, zumal man gewaltige Abstimmungsprobleme zu bewältigen hatte, die nicht nur von unterschiedlichen Spurweiten, sondern auch von divergierenden Fahrplänen und Zeitsystemen herrührten. Gleiches galt für die Weiten Nordamerikas, wo jede Eisenbahngesellschaft ihre eigene Firmenzeit verwendete.
Dass dieses verwirrende Durcheinander ein Ende fand, ist das Verdienst eines heute kaum noch bekannten Mannes, dem Clark Blaise mit seinem Buch ein Denkmal setzt – das Verdienst des kanadischen Landvermessers und Bauingenieurs Sandford Fleming. Dem gebürtigen Schotten gebührt die Ehre, als Erster erkannt und publik gemacht zu haben, dass die Standardzeit ein weltumspannender Maßstab ist, der das Himmelsgeschehen auf die irdischen Verhältnisse überträgt. Flemings unermüdlichem Einsatz ist es zu verdanken, dass sich im Oktober des Jahres 1894 eine internationale Kommission Zeit für die Zeit nahm. Die in Washington D.C. tagende Prime Meridian Conference fasste den längst überfälligen und folgenreichen Beschluss, eine allgemein verbindliche Weltzeit einzuführen. Als Nullmeridian wurde der Längengrad der englischen Sternwarte in Greenwich festgelegt, ferner einigte man sich auf 24, jeweils um 15 Grad oder eine Stunde voneinander entfernte Zeitzonen und auf die Teilung der Längengrade in zwei Mal 180 Grad östlich und westlich des Nullmeridians. Seither beginnen der Welttag, die Nummerierung der Zeitzonen, der Astronomentag und die einheitliche zivile Zeit aller Staaten um Mitternacht am Meridian von Greenwich.
Clark Blaise hat ein kenntnisreiches, philosophisch angehauchtes Buch verfasst – eine kurzweilige Geschichte der Zeit und ein spannendes Stück Zeitgeschichte.
Clark Blaise: Die Zähmung der Zeit. Sir Sandford Fleming und die Erfindung der Weltzeit. S. Fischer Verlag, 2001. Aus dem Amerikanischen von Hans Günter Holl. 316 Seiten, gebunden, 39,90 DM.
Ulrich Klenner
Aus Encarta Online.
Erscheint in:
Zeit; Weltzeit; Zeitzonen
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