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Encarta Online: „Die Rückkehr der Karavellen”– ein Schlüsselroman des portugiesischen Schriftstellers António Lobo Antunes

In seinem 2000 erschienenen Roman Die Rückkehr der Karavellen unterzieht António Lobo Antunes den nationalen Mythos von Portugals imperialer Größe einer genauen Betrachtung. Ulrich Klenner widmete diesem Werk einen Buchtipp, im November 2000 erschienen bei Encarta Online.

Encarta Online: „Die Rückkehr der Karavellen” – ein Schlüsselroman des portugiesischen Schriftstellers António Lobo Antunes

1988 veröffentlichte der portugiesische Psychiater António Lobo Antunes seinen siebten Roman As Naus und besiegelte damit seinen literarischen Erfolg – fortan konnte er von der Schriftstellerei leben. Zehn Jahre später erhielt sein Landsmann José Saramago den Literaturnobelpreis – nach Meinung vieler Literaturkritiker hätte man diese Auszeichnung ebenso gut Lobo Antunes zuerkennen können. As Naus betrachtet dieser als sein bis dato bestes Buch – die deutsche Übersetzung, soeben erschienen unter dem Titel Die Rückkehr der Karavellen, zeigt, weshalb er zu dieser Einschätzung gelangte.

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Das Buch ist kein Roman im traditionellen Sinn, sondern ein Abkömmling des Nouveau Roman, dessen Hauptdarsteller die Sprache ist. Entsprechend sucht man darin vergebens nach einer klar strukturierten Handlung oder nach einer Psychologisierung der zentralen Motive und Figuren. Das Ende des Kolonialkrieges in Angola und Moçambique, die „Nelkenrevolution” von 1974 und die Rückkehr der Soldaten und Kolonisten ins portugiesische Mutterland bilden den zeitgeschichtlichen Hintergrund. Vor dieser Kulisse inszeniert Lobo Antunes einen grotesken Reigen, in dem die verschiedenen Zeit- und Erzählebenen einander durchdringen und überlagern. Im Hafen von Lissabon liegen moderne Öltanker und antiquierte Karavellen vor Anker, in den Straßen der Stadt sind Autos und Kutschen unterwegs, die heimgekehrten Krieger tragen Schwert und Rüstung oder sind mit Maschinengewehren bewaffnet. Historische Persönlichkeiten wie der Entdecker Vasco da Gama oder der Admiral Diogo Cão irren als heimatlose retornados oder wirrköpfige Sonderlinge durch die Neuzeit. Portugals Nationaldichter Luís Vaz de Camões ist ein armer Schlucker, der die ersten Strophen seines berühmten Epos Os Lusíades (1572; Die Lusiaden) in einem schäbigen Café zu Papier bringt. Solcherart demontiert Lobo Antunes den nationalen Mythos von Portugals imperialer Größe. In keinem seiner Werke hat er dem Land auf radikalere und auch auf spöttischere Weise den Spiegel vorgehalten.

Gleichzeitig treibt er die für seinen Stil charakteristischen Manierismen in diesem Buch auf die Spitze. Ellenlange, kompliziert verschachtelte Sätze, kühne Metaphern und Wortornamentik von barocker Fülle vereinen sich zu einem Maskenfest der Sprache. In dieser Hinsicht liest sich der Roman wie die portugiesische Version von ’Gabriel García Márquez Meisterwerk El otoño del patriarca (1975; Der Herbst des Patriarchen). Um das Lob voll zu machen, sei noch angemerkt, dass die hervorragend übersetzte deutsche Ausgabe dieses Schlüsselromans von António Lobo Antunes ein informatives Vorwort und ein hilfreiches Glossar umfasst.

António Lobo Antunes: Die Rückkehr der Karavellen. Luchterhand, 2000. Aus dem Portugiesischen von Maralde Meyer-Minnemann, mit einem Vorwort von Ilse Pollack. 286 Seiten, gebunden, 38,- DM.

Ulrich Klenner

Aus Encarta Online.

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Antunes, António Lobo

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