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Der Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken bestimmt noch immer das Leben in Irland. In seinem Roman Corner Boys fängt Geoffrey Beattie den Alltag und die Stimmungen der Jugendlichen in Belfast ein. Ein Buchtipp von Claudia Fink, erschienen im September 2000 bei Encarta Online unter dem Titel Eine Jugend in Belfast.
Wenn Irland in den Medien vorkommt, geht es fast immer um den Konflikt zwischen Nordirland und der Republik, zwischen Protestanten und Katholiken. Kann ein Jugendlicher in Nordirland diesem Konflikt aus dem Weg gehen? Ganz sicher nicht. Der 17-jährige James jedenfalls gerät zwischen die Fronten. Die Schule hat er nicht beendet. Seine Perspektiven sind die Arbeitslosigkeit und das tägliche Treffen mit den Freunden aus der Clique.
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Den anderen geht es ähnlich. Sie haben keine Arbeit, genauso wenig wie die Väter. Sie trinken Alkohol, reden über Mädels, taxieren die eine oder andere Nachbarin auf ihre Qualitäten im Bett und knacken schon mal ein Auto.
Soweit eigentlich ganz normal. Aber als sich der protestantische James in die katholische Shannon verliebt, wird die Situation explosiv. Verrat, Enttäuschung, Racheaktionen, die nicht nur Verletzte, sondern Tote fordern, sind das Ergebnis.
Kann ein Mensch, noch dazu ein junger Mensch, das überhaupt verkraften? Beattie scheint dies anzunehmen. Sein Held James macht einen erstaunlich schnellen Reifungsprozess durch. Damit ist Beattie allerdings übers Ziel hinausgeschossen. Sonst zeichnet er richtige Menschen aus Fleisch und Blut, glaubwürdige Charaktere, die man irgendwie zu kennen scheint:
Da sind das Mädchen, das mit 18 bereits Mutter und schon wieder geschieden ist, oder der cholerische alkoholkranke Vater, der einen Moment lang verständnisvoll zuhört, um Minuten später zum gefährlichen Schläger zu werden. Und natürlich gibt es die nörgelnde Mutter, die vom Leben enttäuscht ist.
Bei diesen Figuren merkt man dem Autor an, dass er selbst das Milieu kennt und weiß, wovon er erzählt. Und man spürt, dass er aus seiner Berufserfahrung als Professor für Psychologie geschöpft hat. Aber er driftet keineswegs in trockene Fall- bzw. Milieustudien ab. Sein Text bleibt im realen Leben verwurzelt.
Auch bei seinen Szenen beweist der Autor eine glückliche Hand. Es gibt keinen übergeordneten Erzähler, keine vermittelnde Instanz. Der Leser erfährt alles aus James’ Perspektive, und mit diesem Kunstgriff erlebt er genauso hautnah wie der Held selbst das Geschehen. Oft hat man daher das Gefühl, gar kein Buch zu lesen, sondern einen Film anzusehen.
Und dieses Gefühl wird durch die Sprache noch verstärkt. James spricht keine Hochsprache. Er spricht wie junge Leute eben, cool, in Andeutungen, verwendet ziemlich viele Kraftausdrücke und verschluckt Silben. Das kann auf Dauer beim Lesen ermüden, aber es ist stimmig. Beattie hat mit diesem Romandebüt auf jeden Fall einen Treffer gelandet.
Geoffrey Beattie: Corner Boys. Klett-Cotta, Stuttgart, 2000. 261 Seiten, 29,80 DM.
Claudia Fink
Aus Encarta Online.
Erscheint in:
Nordirland-Konflikt
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