|
Carlo Bergmann verbringt die Hälfte des Jahres damit, als Nomade mit Kamelen durch die Wüsten Nordafrikas zu ziehen. Seine Erlebnisse und Eindrücke der letzten 20 Jahre hat er unter dem Titel Der letzte Beduine. Meine Karawanen zu den Geheimnissen der Wüste veröffentlicht. Ulrich Klenner stellte das Werk 2001 in seinem Buchtipp bei Encarta Online vor.
Vor etwas mehr als 20 Jahren, während einer Flussfahrt auf dem Nil, schlug ihn die Wüste in ihren Bann. Damals war er noch ein ganz gewöhnlicher Ägyptentourist – heute ist Carlo Bergmann ein anerkannter Experte in Sachen Karawanenwesen und Kamelhaltung, Ägyptologie und Archäologie, kurz: ein Beduine aus Leidenschaft. Die Hälfte des Jahres verbringt der promovierte Betriebswirt, autodidaktische Nomade und überzeugte Aussteiger in der Wüste, zumeist allein unterwegs mit drei bis vier Tieren aus seiner eigenen Kamelherde.
 |
|
Auch bei Encarta |
|
 |
|
|
|
|
Die Summe seiner Erfahrungen als Wüstenwanderer und Forschungsreisender hat er nun in einem Buch veröffentlicht, das den etwas prahlerischen Titel Der letzte Beduine trägt. Bergmann berichtet darin von seinen wichtigsten Expeditionen in den Jahren zwischen 1982 und 2000. Auf höchst anschauliche Weise schildert er die Gluthitze des Wüstentages und die Eiseskälte der Nacht, die Strapazen und auch die stillen Ekstasen, die das Gehen im Sand mit sich bringt. Liebevoll widmet er sich dem Wesen und den Eigenheiten seiner Kamele, einfühlsam erzählt er vom harten, entbehrungsreichen Alltag der Kameltreiber, von der natürlichen Würde und der Gastfreundschaft der Wüstenbewohner, deren Lebensbedingungen sich seit Jahrtausenden kaum verändert haben. Mitten im Sandmeer stößt er auf staunenswerte Petroglyphen: Felsgravuren aus der Zeit vor den Pharaonen, die Schwimmer zeigen, Fische und Flusspferde, Giraffen und Gazellen, Jäger und Gejagte. Die Libysche Wüste, so scheint es, hat sich verändert, war einst ein wildreiches Weideland.
Am spektakulärsten ist Bergmanns Entdeckung einer antiken Trasse, die er als „die Seidenstraße der alten Ägypter” bezeichnet: eine mit Wasserdepots versehene „Extremroute durch die tiefe Wüste”, über die im pharaonischen Ägypten ein Teil des Afrikahandels abgewickelt wurde – wobei keineswegs Kamele, sondern Esel zum Einsatz kamen.
Am eindrucksvollsten aber sind seine Beschwörungen der Ungebundenheit, die er in der Sahara empfindet – ein überwältigendes Gefühl der Entgrenzung, „die Glückseligkeit des Umherschweifens”, weit weg von allem „menschlichen Gerangel”. Die zentrale Botschaft der Wüstenlandschaft bringt er auf die Formel: „In der Reduktion liegt die Freiheit.”
Carlo Bergmann ist sicher nicht der letzte Beduine, wohl aber der letzte „kamelreisende” Wüstenforscher. Gäbe es in seinem Buch neben den beeindruckenden Fotos auch noch eine Übersichtskarte, würde man seinen Spuren im Wüstensand mit noch größerem Interesse folgen …
Carlo Bergmann: Der letzte Beduine. Meine Karawanen zu den Geheimnissen der Wüste. Rowohlt Verlag, 2001. 464 Seiten, 8 x 4 Seiten vierfarbige Tafeln, gebunden, 44,90 DM.
Ulrich Klenner
Aus Encarta Online.
Erscheint in:
Sahara; Klassische Archäologie; Beduinen
|