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Encarta Online: Beethovens Locke – eine wahre Geschichte

Eine von einem Bewunderer des Komponisten Ludwig van Beethoven an dessen Totenbett abgeschnittene Locke steht im Mittelpunkt von Russell Martins Buch Beethovens Locke. Eine wahre Geschichte. Ulrich Klenner stellte das Werk in seinem Buchtipp 2001 bei Encarta Online vor.

Encarta Online: Beethovens Locke – eine wahre Geschichte

Am 26. März 1827 stirbt eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Musikgeschichte, ein Mann, der sich selbst als „Tondichter” verstand: Ludwig van Beethoven. Einer der Bewunderer, die dem entschlafenen Genius am Totenbett die letzte Ehre erweisen, ist der Komponistenfreund Johann Nepomuk Hummel. Begleitet wird Hummel von seinem 15-jährigen Schüler Ferdinand Hiller, der Beethoven noch zu dessen Lebzeiten kennen gelernt hat. Der Alte war von dem hochbegabten Jungen sehr angetan gewesen, hatte dieser ihn doch daran erinnert, wie er einst selbst als unerfahrener Nachwuchskomponist seinem großen Idol vorgestellt worden war: Wolfgang Amadeus Mozart. Für Hiller wiederum war und bleibt Beethoven der Meister aller Meister – und so wird ihm auch die Bitte nicht abgeschlagen, sich von der ergrauten, aber noch immer genialisch-wilden Mähne des Verstorbenen eine Locke abschneiden zu dürfen.

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Ferdinand Hiller wird Kapellmeister in Köln und macht von seiner Beute zeitlebens nicht viel Aufhebens. Erst im Dezember 1994 kommt die Locke wieder zum Vorschein – und zwar bei Sotheby’s in London, wo das gute Stück von amerikanischen Beethovenverehrern ersteigert wird. Der amerikanische Autor Russell Martin hat nun in seinem Buch Beethovens Locke die verschlungenen Pfade nachgezeichnet, auf denen die haarige Hinterlassenschaft des großen Komponisten durch Raum und Zeit reiste. Eine wahrhaft wundersame Odyssee: Nachdem sie erst einmal in den Besitz von Ferdinand Hillers Sohn übergegangen war, gelangte die Locke im September 1943 in die Hände eines dänischen Arztes. Wer sie ihm zum Geschenk machte, ließ sich bislang nicht eruieren – womöglich war es einer von Hillers Enkeln. Fest steht nur, dass der Arzt an einer dramatischen Rettungsaktion beteiligt war, in deren Rahmen die dänische Bevölkerung verfolgten Juden zur Flucht nach Schweden verhalf.

Einige der genau 582 Haare, aus denen sich die Locke ursprünglich zusammensetzte, werden schließlich in Amerika einer Analyse unterzogen, die zum Ergebnis hat, dass Beethoven an einer chronischen Bleivergiftung gelitten haben muss – eine Diagnose, die erklären würde, weshalb er sein Gehör verloren hat …

Auf höchst eindringliche Weise schildert Russell Martin Beethovens letzte Lebens- und Leidensphase, erzählt auch die Lebensgeschichte Ferdinand Hillers, der mit allen berühmten Komponisten seiner Zeit auf vertrautem Fuß stand, heute jedoch nahezu in Vergessenheit geraten ist. Schade nur, dass Martin bisweilen allzu schrille Töne anschlägt, schwülstige und pathetische Sentenzen einstreut, oder gar einem etwas peinlichen Reliquienkult huldigt. Alles in allem jedoch ist sein Buch ein ebenso kurioser wie spannend zu lesender Beitrag zur Wirkungsgeschichte von Leben und Werk des Ludwig van Beethoven.

Russell Martin: Beethovens Locke. Eine wahre Geschichte. Piper Verlag, 2000. Deutsch von Inge Leipold. 256 Seiten, 12 s/w-Abb., gebunden, 36 DM.

Ulrich Klenner

Aus Encarta Online.

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Beethoven, Ludwig van; Auktion; Blei

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