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Encarta Online: Die große Täuschung – Hitler, Stalin und das Unternehmen Barbarossa

Im August 1939 schlossen Adolf Hitler und Jossif Stalin den seither die Historiker beschäftigenden Hitler-Stalin-Pakt. Was erwarteten sich die beiden Diktatoren von diesem Bündnis? Gabriel Gorodetsky konnte für sein Buch Die große Täuschung. Hitler, Stalin und das Unternehmen Barbarossa bislang geheim gehaltene Dokumente aus osteuropäischen Archiven auswerten. Ulrich Klenner stellte das Werk im April 2001 in seinem Buchtipp bei Encarta Online vor.

Encarta Online: Die große Täuschung – Hitler, Stalin und das Unternehmen Barbarossa

Im Morgengrauen des 22. Juni 1941 bricht eine Katastrophe über Russland herein: Die deutsche Wehrmacht überschreitet auf breiter Front die Grenze und überfällt ein Land, mit dem Hitler knappe zwei Jahre zuvor einen Nichtangriffspakt (Hitler-Stalin-Pakt) geschlossen hatte. Stalin ist fassungslos – und verblüfft seine Marschälle mit der Äußerung: „Hitler weiß sicher nichts davon.” Wie der sowjetische Diktator ist auch die Rote Armee nicht oder nur höchst unzureichend auf die deutsche Generaloffensive vorbereitet – und schon gar nicht auf den beispiellosen Vernichtungskrieg, zu dem sich das Unternehmen Barbarossa entwickeln wird.

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Aus heutiger Sicht ist es nahezu unbegreiflich, wie Stalin die Warnungen aus dem Ausland und die Berichte seiner Geheimdienste in den Wind schlagen konnte. Gleichermaßen unglaublich will es scheinen, dass Hitler davon überzeugt war, der Krieg gegen Russland werde im Vergleich zu früheren Feldzügen wie ein „Sandkastenspiel” zu bewältigen sein.

Gabriel Gorodetsky, ein international anerkannter Spezialist für sowjetische Außenpolitik, klärt in seinem Buch Die große Täuschung Stalins rätselhaftes Verhalten auf und beleuchtet die Hintergründe des Unternehmens Barbarossa. Seine Darlegungen belegt er mit bislang unveröffentlichtem Material. Er stützt sich auf Berichte des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten, auf Geheimpapiere des Politbüros der KPdSU, auf das Tagebuch von Iwan Maiski, des sowjetischen Botschafters in London, und auf bislang ungenutzte Dokumente aus bulgarischen und jugoslawischen Archiven.

Gorodetskys Analyse der sowjetischen Außenpolitik und seine minutiöse Schilderung des Ablaufs der Ereignisse führen anschaulich vor Augen, wie Stalin zu der Überzeugung gelangen konnte, der Aufmarsch der Wehrmacht an der russischen Grenze sei lediglich eine Drohgebärde, um eine günstige Ausgangsbasis für künftige Verhandlungen zu schaffen. Gegenteilige Informationen von britischer Seite interpretierte Stalin als arglistigen Versuch, die Sowjetunion in den Krieg gegen Deutschland zu treiben. Gorodetsky stellt sich dabei auf stichhaltige Argumente und verweist immer wieder auf beweiskräftige Dokumente. Mit Die große Täuschung ist dem israelischen Historiker eine äußerst spannend zu lesende, fakten- und kenntnisreiche „Chronik eines angekündigten Krieges” gelungen. Stalin wurde nicht nur von Hitler getäuscht, sondern erlag auch einer Selbsttäuschung, die seinem autoritären Herrschaftsstil entsprang.

Gabriel Gorodetsky: Die große Täuschung. Hitler, Stalin und das Unternehmen Barbarossa. Siedler Verlag, 2001. Aus dem Englischen von Helmut Ettinger. 512 Seiten, mit 16 s/w-Abbildungen, gebunden, 49,90 DM.

Ulrich Klenner

Aus Encarta Online.

Erscheint in:

Zweiter Weltkrieg; Stalin, Jossif Wissariono­witsch; Wehrmacht

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