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In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden im Süden Perus rätselhafte Erdzeichen und Linien entdeckt, über deren Bedeutung seither spekuliert wird. Anthony F. Aveni kommt in seinem Buch Das Rätsel von Nasca. Die gigantischen Bodenzeichnungen in der Wüste Perus zu neuen Theorien über Zweck und Bedeutung der Nasca-Linien. Ulrich Klenner stellte das Werk in seinem Buchtipp 2001 bei Encarta Online vor.
Man nennt sie das achte Weltwunder oder auch das größte Rätsel der Archäologie: die Nasca-Linien – jene geheimnisvollen Erdzeichnungen und Linien im Süden Perus, die sich über ein Gebiet von 1 000 Quadratkilometern erstrecken und erst in den dreißiger Jahren entdeckt wurden. Über 1 000 dieser so genannten „Geoglyphen” überziehen die Pampa: Trapeze, Rechtecke, Geraden, Spiralen, konzentrische Strahlensysteme, aber auch Tier- und Pflanzendarstellungen, ja sogar menschliche Figuren.
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Die hektargroßen Kolibris, Kondore und Spinnen, wie auch die kilometerlangen Linien und Zickzackbänder, haben unzählige Wissenschaftler und Möchtegernexperten zu den kühnsten Spekulationen animiert. Landebahnen für Außerirdische wurden darin gesehen, oder auch Artefakte einer vorinkaischen Hochzivilisation, entworfen von genialen Baumeistern und Vermessungskünstlern, die zu diesem Zweck in Heißluftballons gen Himmel fuhren. Die am meisten verbreitete Hypothese besagt, die Bodenzeichnungen seien Resultat und Richtschnur kalendarischer und astronomischer Beobachtungen, die Nasca-Wüste sei mithin das „größte Astronomiebuch der Welt”.
Der amerikanische Astronom und Anthropologe Anthony F. Aveni, Professor an der Colgate University in New York, straft nun all diese Mutmaßungen Lügen und führt stattdessen neue, gänzlich anders geartete Thesen ins Feld. Sein Buch Das Rätsel von Nasca ist das Ergebnis jahrzehntelanger Forschungsarbeit auf der Basis interdisziplinärer Untersuchungsmethoden. Als Schlüssel zur richtigen Interpretation dieser „Wüstentexte” betrachtet er die Erforschung der Lebensumstände und des kulturellen Hintergrunds ihrer Verfasser. Da es aber keine verlässlichen Quellen über die Nasca-Kultur gibt, macht Aveni die gesicherten Erkenntnisse über verwandte Andenvölker zur Grundlage seiner Überlegungen. Cuzco etwa, die Hauptstadt des Inkareiches, war überzogen von einem System imaginärer Linien, das die Topographie der Stadt strukturierte und die „inkaischen Vorstellungen von Religion, Gesellschaftsordnung, Kalenderjahr, Wasser- und Sternenkunde” vereinte.
Aveni glaubt, dass die Linien und geometrischen Figuren der Nascas ähnlichen Zwecken dienten, dass sie Pilgerpfade und Schauplatz ritueller Reinigungszeremonien waren, dass sie überdies auf symbolische Weise die Nutzung des Bodens und die Verteilung des Wassers koordinierten, vielleicht sogar unterirdische Wasserläufe markierten. Die Bedeutung der Tierfiguren ist und bleibt jedoch auch für Aveni ein Rätsel – manches spricht dafür, dass sie sich auf so genannte „Dunkelwolken-Sternbilder” der Milchstraße beziehen.
Das klingt alles recht kompliziert und spekulativ, doch Anthony F. Aveni gelingt es, die Herleitung dieser komplexen Theorie zu einer spannenden Zeitreise durch die Kulturgeschichte der Menschheit zu machen – zu einer aufregenden und lehrreichen Expedition durch das präkolumbianische Peru.
Anthony F. Aveni: Das Rätsel von Nasca. Die gigantischen Bodenzeichnungen in der Wüste Perus. Ullstein Verlag, 2001. 333 Seiten, mit zahlreichen s/w-Abbildungen, gebunden, 42,00 DM.
Ulrich Klenner
Aus Encarta Online.
Erscheint in:
Peru; Präkolumbische Kunst und Architektur; Inka
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