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Encarta Online: Der Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz

Die Zeit des Nationalsozialismus bot trotz oder gerade wegen ihrer Grausamkeit Platz für kleinere und größere Heldentaten. Marion Schreiber schildert in ihrem Buch Stille Rebellen. Der Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz die Geschichte einer solchen Heldentat. Ein Buchtipp von Ulrich Klenner, erschienen im Dezember 2000 bei Encarta Online unter dem Titel Der Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz.

Encarta Online: Der Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz

Bücher über den Holocaust zeichnen in erster Linie den Leidensweg der Opfer nach. Akte jüdischen Widerstands werden hingegen – mit Ausnahme des Aufstandes im Warschauer Ghetto – vergleichsweise selten zum Thema gemacht. Eine dieser mutigen und dennoch im öffentlichen Bewusstsein wenig präsenten Aktionen fand am 19. April 1943 in Belgien statt: Drei junge Männer, die lediglich mit einer Pistole bewaffnet waren, überfielen einen Deportationszug, der 1 618 Juden nach Auschwitz transportieren sollte. 17 Menschen wurden auf diese Weise befreit, 225 weitere entkamen noch rechtzeitig, bevor der Zug die deutsche Grenze erreichte. Dies war insofern von lebenswichtiger Bedeutung, als die Flüchtlinge auf belgischem Boden mit der Hilfe der Bevölkerung rechnen konnten.

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Marion Schreiber, langjährige Spiegel-Korrespondentin in Brüssel, hat nun den Akteuren dieser „Heldentat wider alle Vernunft” – Youra Livschitz, Jean Franklemon und Robert Maistriau – ein Denkmal gesetzt. In ihrem Buch Stille Rebellen zeichnet sie die Lebensbahnen der drei Männer nach, schildert den Überfall, thematisiert aber auch die Hintergründe und die Folgen der waghalsigen Aktion. Livschitz wurde 1944 hingerichtet, Franklemon und Maistriau wurden deportiert, überlebten jedoch das Konzentrationslager. Auch in Belgien versuchten die Nationalsozialisten, ihren antisemitischen Terror zu entfesseln. Ihre Hetzpropaganda fiel dort allerdings nicht auf fruchtbaren Boden, obwohl der fanatische „SS-Judenreferent” Kurt Asche – sozusagen „Eichmanns Mann in Brüssel” – nicht davor zurückschreckte, die brutalsten Methoden anzuwenden. Die Belgier leisteten „stillen Widerstand” und unterstützten ihre verfolgten jüdischen Mitbürger nach Kräften, setzten dabei oftmals ihr eigenes Leben aufs Spiel. 200 000 Belgier wurden nach dem Krieg als aktive Mitglieder der Résistance anerkannt, mehr als die Hälfte der 56 000 in Belgien registrierten Juden entkamen dem Holocaust. Marion Schreiber hat sorgfältig recherchiert, hat in Archiven geforscht und Zeitzeugen interviewt, um dieses einzigartige Beispiel kollektiver Zivilcourage auf angemessene Weise zu würdigen.

Im Vorwort des Buches zitiert Paul Spiegel, Vorsitzender des Zentralrats der Juden, den Talmud: „Wer ein Menschenleben rettet, der rettet ein ganzes Volk”. Im Anhang findet sich eine Liste mit den Namen aller Menschen, die mit dem 20. Deportationszug in den Tod geschickt werden sollten. Auch ein Buch kann ein Mahnmal sein …

Marion Schreiber: Stille Rebellen. Der Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz. Aufbau-Verlag, 2000. 352 Seiten, gebunden, 25 s/w-Abbildungen, 39,90 DM.

Ulrich Klenner

Aus Encarta Online.

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Konzen­trationslager; Auschwitz; Holocaust

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