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Encarta Online: Beschert uns die Gentechnik eine schöne neue Welt?

Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms im April 2000 wurde als Meilenstein in der Geschichte der Menschheit gefeiert. Sogleich erhoben sich jedoch auch kritische Stimmen, die vor den negativen Folgen einer unkontrollierten Manipulation am menschlichen Erbgut warnten. Ein Feature-Artikel von Dr. Helmut Bruckner, erschienen im Januar 2001 bei Encarta Online unter dem Titel Beschert uns die Gentechnik eine schöne neue Welt?

Encarta Online: Beschert uns die Gentechnik eine schöne neue Welt?

Schlagzeilen wie Die Mondlandung der Biologie gingen durch die Presse, als im April des Jahres 2000 die Nachricht von der kompletten Entzifferung des menschlichen Genoms verkündet wurde. Vom großen Durchbruch der Gentechnologie war die Rede und davon, dass die Molekularbiologen in den nächsten Jahren die Lebensumstände der Menschen grundlegend revolutionieren werden.

Auch bei Encarta

Die Visionen der neuen Zukunftswissenschaft versprechen so wundersame Dinge wie das Ende aller Krankheiten und den Sieg im Kampf gegen den Hunger. Durch Eingriffe auf der Ebene der Gene sollen Alterungs- und Verschleißprozesse beeinflussbar werden. Bislang tödliche Infektionen wie AIDS, BSE und Malaria werde die molekulare Medizin in den Griff bekommen. Für lebenserhaltende Transplantationen sollen demnächst neue Organe zur Verfügung stehen, die keine Abstoßungsreaktionen mehr hervorrufen, da sie aus genveränderten, körpereigenen Zellen gezüchtet werden.

Vieles scheint Aldous Huxleys Roman Schöne neue Welt entnommen zu sein: Eltern sollen künftig über die Genausstattung ihrer Kinder bestimmen können. Nicht nur das Geschlecht und körperliche Merkmale, wie Augen- und Haarfarbe, werden dann durch gezielte Eingriffe ins Erbgut festgelegt. Sogar Eigenschaften wie hohe Intelligenz und Leistungsfähigkeit lassen sich für den Einbau in die Wunschkinder aus einer Genbank auswählen. Mit einer Weiterentwicklung der noch in den Kinderschuhen steckenden Genklonierung soll es Menschen einmal möglich sein, eine um Jahrzehnte jüngere, genetisch identische Kopie ihrer selbst herzustellen.

Doch was ist Science, was Fiction?

So einfach, wie es sich anhört, ist der gezielte Eingriff ins Genom nicht. Die genetische Information jedes Menschen besteht aus drei Milliarden Einzelbausteinen, den Basen, die auf dem DNS-Molekül aneinandergereiht sind. Hier punktgenau etwas zu verändern ist äußerst kompliziert. Der größte Teil dieser genetischen Information ist unter allen Menschen gleich. Doch in einem gewissen Umfang unterscheiden sich die Muster, in denen die Basen aufeinanderfolgen. Diese Varianten in den etwa 80 000 Genen ergeben die Individuen in all ihrer Vielgestaltigkeit, einschließlich der Anlagen für bestimmte Krankheiten.

Die Humangenetiker kennen gegenwärtig etwa 4 000 Krankheitsbilder, die sie auf Defekte einzelner Gene zurückführen. Lässt sich eine Krankheit einem bestimmten Gen zuordnen, wird versucht, die fehlende genetische Information in Körperzellen des Patienten einzupflanzen. Diese Art der Gentherapie wird seit etwa zehn Jahren erprobt, bislang allerdings noch ohne durchschlagende Erfolge.

Auch bei Nutztieren und -pflanzen wird versucht, durch Übertragungen von Genen den Empfängerorganismen neue Eigenschaften zu verleihen. Für die Bedürfnisse von Handel und Industrie wird schon an Produkten wie Kaffeebohnen ohne Coffein und Orangen ohne Schalen gearbeitet. Bald soll blaue Baumwolle auf den Feldern wachsen, um den Jeansherstellern künftig die Kosten für das Färben zu ersparen.

Bei den Verbrauchern dagegen stoßen vor allem die auf gentechnischem Wege veränderten Lebensmittel auf wenig Gegenliebe. Die Sorge, durch Gen-Food unliebsame Nebenwirkungen serviert zu bekommen, ist zumindest in Europa sehr verbreitet. Bei manchen Produkten gentechnischer Prozesse wurden bereits Hinweise auf zusätzliche Allergierisiken gefunden.

Es gibt auch Bedenken, dass durch die Freisetzung gentechnisch „veredelter” Organismen ungewollte Veränderungen der natürlichen Umwelt passieren könnten, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. So fürchten Kritiker der Gentechnik, die Fremdgene aus den mit neuen Eigenschaften ausgestatteten Nutzpflanzen könnten durch Pollenflug und Auskreuzung auf nahe verwandte Wildpflanzen übergehen. Wenn sich dadurch die Überlebensfähigkeit einzelner Pflanzen auf Kosten vieler anderer erhöht, könnte die Arten- und Sortenvielfalt in der gesamten Flora weiter abnehmen.

Doch es gibt auch zahlreiche Kreationen der angewandten Genforschung, die positiv aufgenommen werden. So wurden Mikroorganismen im Labor geschaffen, die pharmazeutische Wirkstoffe herstellen oder gefährliche Schadstoffe abbauen. Vor allem in der Medizin verspricht die molekulargenetische Forschung erfolgreiche Therapieansätze und ein völlig neues Verständnis für Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Rinderwahn.

Dr. Helmut Bruckner

Aus Encarta Online.

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Genklonierung; Gentechnik

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