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Hermann Burmeister: Über die schwarze Bevölkerung in Brasilien

Hermann Burmeister gilt als einer der herausragenden Südamerikaforscher des 19. Jahrhunderts. Neben vielen anderen Regionen war er vor allem auch in Brasilien tätig. Ergebnisse seiner Forschungen in den Provinzen Rio de Janeiro und Minas Gerais hielt er in seinem 1853 erschienenen Werk Reise nach Brasilien fest. Im folgenden Abschnitt schilderte Burmeister seine Eindrücke von der schwarzen Bevölkerung.

Hermann Burmeister: Über die schwarze Bevölkerung in Brasilien

Obwohl ich nach meiner ganzen Erfahrung mich für die Richtigkeit der Ansicht entscheiden muß, daß der schwarze Mensch körperlich wie geistig unter dem Weißen steht, und da, wo beide zusammen leben, sich nie über eine dienende Stellung erheben wird; so habe ich doch anderer Seits stets eine gewisse Vorliebe für den Schwarzen empfunden, und ihn wie einen ausländischen Naturgegenstand mit erhöhtem Interesse betrachtet. Dennoch ist es mir nicht gelungen, während der Zeit, in welcher ich mit Schwarzen verkehrte, einen gewissen Widerwillen zu unterdrücken, der bald nach der Berührung mit ihnen in mir rege wurde. Ich liebte sie, möchte ich sagen, theoretisch, so lange ich sie nur aus der Entfernung kannte, als ich noch nicht mit ihnen leben mußte; seit ich dazu genöthigt worden war, stießen sie mich ab, und meine Liebe wandelte sich in Ueberdruß um. Zunächst hat die ganze Persönlichkeit des Schwarzen etwas Unangenehmes, das weniger durch sein Benehmen, als durch seine körperlichen Eigenschaften hervorgerufen wird. Vor Allem der häßliche Geruch, mit dem sie, wenn auch in sehr verschiedenem Grade, behaftet sind, stößt uns ab, und macht ihre Nähe zum Theil unerträglich. Ich gehöre zu den Leuten, deren Sinne eine große Empfindlichkeit besitzen, und wurde von mehreren Schwarzen schon aufs stärkste belästigt, wenn sie nur neben mir vorübergingen. Alles Waschen und Reinhalten hilft nichts, der Geruch bleibt und haftet an der frischen Ausdünstung, welche vom Körper aufsteigt. Vermehrt wird er allerdings durch die Unreinlichkeit der meisten Schwarzen, aber seinen Grund hat er darin nicht. Er gleicht zwar dem Schweißdunste unserer gemeinen Leute, ist aber viel strenger, fauliger, und wird deshalb so widerlich. Manche Individuen verrathen ihn nur wenig, bei andern dagegen riecht man ihn schon aus der Ferne. Gleich in den ersten Tagen hatte ich Gelegenheit, hierüber Beobachtungen anzustellen, als ich die mit einem Kaffesack auf dem Kopfe beladenen Neger hurtig in langen Reihen nach den Kaffeniederlagen in der Rua de St. Bento an mir vorüber laufen sah. Sie ziehen während dessen das Hemde oben aus der Hose hervor und lassen es frei herabhängen, um sich leichter bewegen zu können; ein eintöniger Gesang, aus zwei Achtel- und einer Viertelnote bestehend, begleitet, von jedem Folgenden wiederholt, die Arbeit beständig; nur wenn Schwarze vereint vor einer größeren Last stehen, z. B. einen großen Felsblock heben wollen, singt Einer vor und die anderen fallen ein, ganz ähnlich wie bei uns Arbeiter, die z. B. Pfähle einrammen oder dergleichen gemeinsame Geschäfte ausüben. Die laufenden Kaffeneger sieht und hört man nicht bloß jeden Tag auf der Straße in Rio, sondern man riecht sie auch, und unterscheidet bald die individuelle Differenz dieses oder jenes aus der ganzen Reihe heraus. Ist die Arbeit vollendet, oder die ersehnte Pause zur Ruhe eingetreten, so wird das Hemde wieder in die Hose gesteckt und irgendwo auf dem Pflaster der Trottoirs so lange gefaulenzt, bis eine neue Arbeit sich findet. Dann schwatzen sie untereinander, bis eine neue Arbeit sich findet. Dann schwatzen sie untereinander, wobei jeder den andern ehrerbietig Senhor oder Senhora nennt, und ihn mit einer Aufmerksamkeit behandelt, welche gegen die plump cordiale Art unserer norddeutschen Eckensteher merkwürdig absticht. (…)

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Dr. Hermann Burmeister: Reise nach Brasilien. Berlin 1853, S. 88-90.

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Brasilien; Burmeister, Hermann

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