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Adolf von Baeyer: Gesammelte Werke

Der deutsche Chemiker Adolf von Baeyer war der erste Forscher, dem die Synthese von Indigo gelang. Er startete um 1865 mit seinen Analysen der Reaktionsprodukte von Isatin und leitete damit seine systematische Erforschung des Indigos, dem „König der Farbstoffe”, ein. Von Baeyer war nicht nur bei seinen Kollegen, sondern auch bei seinen Schülern sehr beliebt. Zu seinem 70. Geburtstag ehrten ihn seine Schüler und Freunde mit dem Band Adolf von Baeyer’s Gesammelte Werke. Gezeigt wird ein Ausschnitt über die Synthese des Indigblaus (so der damalige Name des Indigos), eine Arbeit, die bereits 1878 in den Chemischen Berichten erschienen war.

Adolf von Baeyer: Gesammelte Werke

In der Kette von Operationen, welche nach meinen früheren Mitteilungen von der Phenylessigsäure zum Indigblau führen, ließ nur das letzte Glied, die Überführung von Isatin in Indigblau, sowohl in bezug auf die Klarheit des Vorganges als auch betreffs der Ausbeute noch viel zu wünschen übrig. Das Reagensgemisch, aus Dreifachchlorphosphor, Acetylchlorid und Phosphor bestehend, welches von Emmerling und mir zur Reduktion des Isatins angewendet worden ist, kann nach verschiedenen Seiten hin wirken, und das erhaltene Produkt ist keineswegs reines Indigblau, sondern besteht zum größten Teil aus Indigpurpurin.

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Wenn man sich die Aufgabe stellt, das Isatin (…) in Indigblau überzuführen, so ist zunächst zu beachten, daß alle gewöhnlichen Reduktionsmittel sich ausschließlich auf die CO-Gruppe werfen, welche unmittelbar mit dem Benzol verbunden ist. Da nun die sehr zahlreichen Versuche, welche in dieser Richtung angestellt sind, niemals auch nur Andeutungen einer Bildung von Indigblau gegeben haben, so ist man zu dem Schlusse berechtigt, daß es zur Lösung dieser Aufgabe nötig ist, die andere CO-Gruppe, welche mit dem NH in Verbindung steht, zu desoxydieren. Hierdurch ist in der Tat der Schlüssel des Rätsels gefunden. Die Einwirkung des Fünffachchlorphosphors auf Säureamide, zu denen ja auch das Isatin gehört, bietet nach W a l l a c h s Untersuchungen ein sicheres Mittel dar, um den Sauerstoff einer am Stickstoff sitzenden CO-Gruppe durch Cl zu ersetzen. Das Isatin ist in bezug auf die Situation des CO zu vergleichen mit dem Benzanilid, welches, mit PCl5 behandelt, erst das Amid- und dann das Imidchlorid liefert: (…)

Erwärmt man Isatin mit PCl5 ganz gelinde, so tritt leicht eine lebhafte, mit HCl-Entwickelung verbundene Reaktion ein, indem sich die Masse braunrot färbt. Auf Zusatz von Wasser scheidet sich eine bräunlich gelbe Masse ab, die in kohlensaurem Kali nicht löslich ist, dagegen mit Kali wieder Isatin gibt. Obgleich diese Substanz wegen der Schwierigkeit, sie in reinem Zustande darzustellen, noch nicht analysiert ist, dürfte es keinem Zweifel unterliegen, daß sie das Imidchlorid des Isatins ist (…)

Dieses Isatinchlorid liefert nun durch Reduktion Indigblau. Man kann hierbei verschieden verfahren. Wirft man auf das Reaktionsprodukt von PCl5 und Isatin ein Stückchen gelben Phosphors und erwärmt gelinde, so geht die rote Farbe der Masse in Grün über. Auf Zusatz von Wasser scheidet sich nach kurzem Kochen Indigblau ab. Löst man das Chlorid in Alkohol und behandelt es mit wenig Zinkstaub und Essigsäure, so entsteht durch Aufkochen der mit Wasser versetzten Flüssigkeit dieser Farbstoff ebenfalls. Am glattesten verläuft die Bildung des Indigos bei Anwendung von Schwefelammonium. Die durch Einwirkung von PCl5 auf Isatin erhaltene Masse wird zuerst mit Wasser, dann mit kohlensaurem Natron gewaschen, und der Rückstand sofort in einer weingeistigen Lösung von Schwefelammonium gelöst. Beim Kochen färbt sich die Flüssigkeit grün und wird auf Wasserzusatz und wiederholtes Kochen bläulich, indem sich schwere Flocken von Indigblau aus der von ausgeschiedenem Schwefel milchig gewordenen Flüssigkeit absetzen. Die Ausbeute ist bei diesem Verfahren sehr beträchtlich, jedoch ist das Indigblau auch hierbei, wie es scheint, stets von kleineren oder größeren Mengen von Indigpurpurin begleitet. Wenn es daher auch weiteren Versuchen vorbehalten bleiben muß, die günstigsten Bedingungen festzustellen, so ist doch das Problem einer leichten und sicheren Überführung des Isatins in Indigblau als gelöst zu betrachten.

Was die Formel des Indigblaus betrifft, so möchte ich die Diskussion derselben verschieben, bis die bei der Bildung des Farbstoffes stattfindenden Vorgänge genau erforscht sind.

Adolf von Baeyer: Synthese des Indigblaus. In: Adolf von Baeyer’s Gesammelte Werke. Erster Band. Braunschweig 1905, S. 226-228.

Erscheint in:

Farbstoffe; Baeyer, Adolf Ritter von

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