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Mit seinen gleichnishaften Tiergeschichten wurde der griechische Geschichtenerzähler Äsop (auch Aisopos) zum namengebenden Urvater einer traditionsreichen literarischen Gattung. Ob der Autor eine reale Person war, kann nicht als gesichert gelten. Der Legende nach soll er ein befreiter Sklave gewesen sein, der in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts v. Chr. gelebt hat. Die Übersetzung der zitierten Geschichten stammt aus dem 19. Jahrhundert.
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Im langen Thal der Garamanten
Schlug König Löw und Meister Bär
Den Richtstuhl auf: der Rathsverwandten
Gesammtes Chor stand ringsumher.
Sogleich erscheint die Kuh, und klaget
Der Thiere strengem Oberhaupt,
Es hab’ ihr Kind, eh’ es getaget,
Ein unbekannter Dieb geraubt.
Der Löwe sieht umher zu hören,
Ob in der Näh’ ein Zeuge sey.
Ich, ruft der Wolf, kann heilig schwören,
Herr König, ich war nicht dabey.
Und wer verklagt dich? spricht der König.
Verläumder, fällt ihm jener ein:
Ich bin jetzt krank und esse wenig,
Und kann es nicht gewesen seyn.
Schweig! ruft der Löwe; das Gewissen
Läßt einen Bösewicht nie ruhn;
Du hast der Kuh das Kalb zerrissen;
Der Bär soll dir ein Gleiches thun.
So starb der Wolf: und wie man saget,
Verrieth sein Bauch, was er gethan. –
Wer sich entschuldigt, eh’ man klaget,
Der giebt sich selbst zum Thäter an. (…)
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O Sonne! scheine nicht so heiß!
Ich muß vor Mattigkeit und Schweiß
Bey meiner Arbeit schier erliegen:
So rief der Esel – Dank für deinen heitern Schein,
O Sonne, rief die Schlange: mit Vergnügen
Leg’ ich mich stundenlang hinein.
Die Eule schrie: Verschone mein Gesicht
Mit deinem mir verhaßten Licht,
O Sonne! Kann ich doch kein Schlupfloch finden,
Wohin dein Strahl nicht dringt: ich werde noch erblinden.
Wohlthät’ge Sonne, sey mir lange so geneigt,
Hub eine Feldmaus an: es reifen meine Aehren,
Vollauf kann ich mich wieder nähren. –
Die Sonne hört es an, scheint fort, und schweigt.
Äsop: Der Löwe und der Wolf/Die Thiere und die Sonne. In: Aesopische und andere auserlesene Fabeln zur Gedächtniß- und Deklamirübung für die Jugend. Nürnberg 1836, S. 7f., S. 23f.
Erscheint in:
Fabel; Äsop
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