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Encarta Online: 30 Jahre Spielekonsolen

Xbox, GameCube, PlayStation – die Namen der Spielekonsolen sind allseits bekannt und stehen für einen erstaunlich dauerhaften Spieleeifer. Vor allem die männliche Jugend scheint der Versuchung zu erliegen. Mit dem Spielefieber beschäftigt sich ein Feature von Fedor Bochow, erschienen 2002 bei Encarta Online unter dem Titel Game on – 30 Jahre Spielekonsolen.

Encarta Online: 30 Jahre Spielekonsolen

Nach ersten Anläufen in den fünfziger Jahren gilt 1962 als offizielles Geburtsjahr der Computerspiele. Im Jahr 1972 kommt die Videokonsole zur Welt. Seither haben sich Technik und Spiele grundlegend geändert. 30 Jahre Spielen mit Konsolen – Anlass für eine Zwischenbilanz: Welche Konsolen gibt es heute? Was können sie? Was unterscheidet Konsolen von PCs? Und welche Gefahren gehen von Computer- und Videospielen aus?

Gefährliches Spiel?

Auch bei Encarta

Eine kürzlich in Japan von Akio Mori (Nihon University) durchgeführte Studie zeigt gesundheitliche Probleme in Verbindung mit Video- und Computerspielen auf. Danach macht Spielen oder „Daddeln”, wie es lässig-leger im Spielerjargon heißt, schlichtweg dumm. Laut der Untersuchung setzen Videospiele nämlich die Hirnaktivitäten herab, die Spieler verfallen in tranceähnliche Zustände. Bei regelmäßigen Spielern (zwei bis sieben Spielstunden am Tag) führt das zu Konzentrationsschwächen, leichter Erregbarkeit und Problemen im Umgang mit anderen Menschen.

Computer- und Videospiele sind zumeist eine Freizeitbeschäftigung – eine Art Genussmittel. Und die Faszination, die von ihnen ausgeht, hat sogar so berühmte Schriftsteller wie Michael Ende in ihren Bann gezogen. Mit Unterstützung der Spiele kann man der Wirklichkeit entfliehen, in eine Phantasiewelt eintauchen, die Rolle eines richtigen Helden einnehmen und Schicksale lenken. Da ähneln sie anderen Genussmitteln. Demgemäß sollte man auch Spiele „genießen”, und zwar in Maßen. Dann verursachen sie auch keine Probleme – weder in Hinblick auf die eigene Gesundheit noch in Bezug auf die Mitmenschen.

Konsole versus Personal Computer

Konsolen werden mit dem Fernseher verbunden, was in Bezug auf die Bildqualität zweifellos ein Nachteil ist gegenüber dem PC mit seinem flimmerfreien Monitor. Doch kommt man dafür mit Konsolen deutlich schneller zum Wesentlichen: Zum Spielen. Sie funktionieren nach dem einfachen Motto „anschließen, Spiel einlegen, loslegen”. Im Gegensatz zum PC benötigt man für Konsolen keine Kenntnisse eines Betriebssystems. Sie sind zudem billiger als ein handelsüblicher PC. Hat man allerdings schon einen Rechner im Hause, relativiert sich dieser Preisvorteil natürlich. Hinzu kommt die Tatsache, dass Konsolen zuverlässiger arbeiten, da es keine der für den PC so typischen „Abstürze” gibt. Auch in Bezug auf die Spiele gibt es Unterschiede: Aufbausimulationen und Strategiespiele sind besser für den PC geeignet, während Konsolen im Bereich der actionlastigen Spiele vorne liegen.

Hardware verkauft Software

Derzeit streiten sich drei große Hardware-Anbieter um den saftigen Konsolenkuchen: Sony, Nintendo und Microsoft. Dreamcast von Sega ist auch noch im Handel zu finden. Doch wurde die Produktion dieser Konsole bereits eingestellt, weshalb hier nicht näher darauf eingegangen wird. Das Dreigestirn der Konsolenhersteller buhlt um einen Milliardenmarkt. Dafür werden auch bereitwillig Unsummen in die Werbung investiert. Die Konsolenanbieter versuchen ihre Ware an den Kunden zu bringen, fast nach dem Motto „Koste es, was es wolle” und gemäß dem Geschäftsprinzip „Hardware verkauft Software”. So haben Sony und Microsoft beispielsweise fast zeitgleich zum Start der Games Convention (GC) auf der Leipziger Messe ihre Preise um stolze 50 Euro gesenkt. An den Konsolen wird da mit Sicherheit nichts mehr verdient. Sie werden – im Gegenteil – sogar mit Verlust verkauft. Trotz des enormen Preisverfalls (der Preis der Xbox von Microsoft beispielsweise hat sich seit der Einführung im März 2002 beinahe halbiert) muss man immer noch stolze 200 bis 250 Euro für eine Spielekonsole auf den Tisch legen.

Die Kunden können sich über sinkende Preise freuen, zumindest auf den ersten Blick. Denn Konsolen und Spiele sind eng miteinander verbunden. Nintendos GameCube funktioniert nur mit GameCube-Spielen, Microsofts Xbox nur mit Xbox-Spielen und Sonys PlayStation nur mit PlayStation-Spielen. Und für diese Spiele müssen die Kunden ganz ordentlich in die Tasche greifen. Die Preise bewegen sich im Rahmen von etwa 40 bis 70 Euro pro Spiel. Die Konsolenproduzenten setzen also auf indirekte Gewinne, die langfristig hereinkommen, und zwar über den Verkauf von Spielen. Eines steht fest: Die Preise für Konsolen, die je nach Anbieter mehr oder weniger hohen Kosten für Zubehör sowie die Ausgaben für die Spiele überfordern die finanziellen Möglichkeiten eines durchschnittlichen Taschengeldempfängers bei weitem. Da müssen schon die Verwandten an Geburtstagen sowie an anderen Fest- und Feiertagen unter die Arme greifen.

GameCube

GameCube ist die jüngste und mit 199 Euro die preiswerteste Konsole. Sie wurde weltweit knapp vier Millionen mal abgesetzt und stammt von der traditionsreichen Firma Nintendo – weithin bekannt durch den Verkaufsschlager Gameboy. Im Gegensatz zu den Vorgängerkonsolen aus dem Hause Nintendo berücksichtigt der GameCube erstmals auch die Interessen älterer Spieler. Zu den derzeit angebotenen Games zählen Luigi’s Mansion, Burnout, Crazy Taxi und Super Smash Bros. Melee. Die Qualität der technischen Ausstattung liegt beim GameCube im Mittelfeld: 485-MHz-„Gekko”-Prozessor, 16-Bit-Soundkarte, 40-MB-Arbeitsspeicher. Die Spiele befinden sich auf speziell entwickelten Datenträgern mit einer Speicherkapazität von 1,5 Gigabyte. Damit will man Softwarepiraten das Handwerk erschweren. Nachteil dieser Eigenentwicklung von Nintendo: Mit der Konsole können – im Gegensatz zur Konkurrenz – keine DVDs abgespielt werden.

PlayStation 2 (PS2)

PS2 von Sony ist unbestrittener Marktführer und seit dem Jahr 2000 auf dem Markt. Allein in Deutschland wurden bisher eine Million Spielekonsolen abgesetzt, europaweit sogar 8,25 Millionen. PS2 besitzt mit derzeit circa 200 Titeln die größte Auswahl an Spielen, bis Ende 2002 sollen es insgesamt 400 werden. Zusätzlich können noch viele der 1 200 Spiele von PS1 genutzt werden. Beim Publikum waren bisher u. a. die Games Gran Turismo, Jak and Daxter sowie Final Fantasy X erfolgreich. Die technische Ausstattung ist nicht mehr auf dem neuesten Stand (300-MHz-Prozessor, 32-MB-Arbeitsspeicher), aber für die derzeit auf dem Markt befindlichen Spiele absolut ausreichend. Im Gegensatz zur Konkurrenz ist ein sofort nutzbarer DVD-Player enthalten. Vom Preis her liegt die PS2 gleichauf mit der Xbox von Microsoft, also bei etwa 250 Euro.

Xbox

Die Xbox von Microsoft, von der mittlerweile in Deutschland rund eine halbe Million Exemplare und weltweit etwa vier Millionen Stück verkauft wurden, ist von der technischen Ausstattung her die beste aller hier vorgestellten Konsolen: 733-MHz-Prozessor, 64-MB-Arbeitsspeicher, Spezial-Chip NV2a von Nvidia mit 233 MHz, 100-Mbit-Ethernet-Karte (DSL-Anschluss). Die eingebaute 8-MB-Festplatte ist konkurrenzlos, erlaubt die Speicherung der Spielstände und ermöglicht eine höhere Spieltiefe. Für die DVD-Wiedergabe muss zusätzlich ein DVD-Abspiel-Kit erworben werden. Die Zahl der lieferbaren Spiele reicht nicht an die Angebotspalette der PlayStation 2 heran, doch sollen bis Weihnachten 2002 rund 200 Spiele auf dem Markt sein. Zu den erfolgreichsten Games zählen Project Gotham Racing, Dead or Alive 3, Halo, Amped und Unreal Championship.

Zusammenfassung und Ausblick

Alle Spielekonsolen sind Individualisten mit eigenem Charakter. Jede hat Vor- bzw. Nachteile in Bezug auf den Preis, die technische Ausstattung und die Breite des Spieleangebots. Letztendlich werden die Kunden entscheiden, welchen Faktoren sie den Vorzug geben. Wie auch immer deren Entscheidung ausfällt, man kann nur hoffen, dass Sony, Nintendo und Microsoft im Rennen bleiben. Konkurrenz belebt schließlich das Geschäft. Über die zukünftige Laufrichtung scheinen sich alle drei einig, denn obwohl Analysten die Marktchancen für Online-Spielekonsolen bisher sehr negativ einschätzen, betonen die Hersteller ihre diesbezüglichen Vorhaben in letzter Zeit besonders. Dies belegen die rasch aufeinander folgenden Ankündigen der Hersteller in Bezug auf die Internetanbindung ihrer Konsolen. Alle drei schlagen schon einmal kräftig die Werbetrommel, obwohl bisher noch kein Gerät wirklich online nutzbar ist. Das gewohnte Bild in Kaufhäusern, wo fast ausschließlich Jungen ab etwa zehn Jahren vor den Testgeräten stehen und diese mehr oder weniger lautstark benutzen, wird über kurz oder lang der Vergangenheit angehören. Denn das weibliche Geschlecht wird dort vermehrt zu finden sein. Zumindest, wenn es nach den Konsolen- bzw. Spieleproduzenten geht, die junge Mädchen und Frauen immer mehr in ihre Planungen einbeziehen.

Fedor Bochow

Aus Encarta Online.

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