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Asien im Zeitalter des expandierenden Welthandels

Die historischen Essays in Encarta Enzyklopädie geben Kenntnisse und Einschätzungen führender Historiker wieder. John E. Wills Jr., Professor an der University of Southern California in Los Angeles, untersucht in diesem Beitrag die Änderungen, die in Asien auf die Einrichtung weltweiter Handelsrouten folgten.

Asien im Zeitalter des expandierenden Welthandels

Halle des Erntegebets im Himmelstempel, Peking
Halle des Erntegebets im Himmelstempel, Peking
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1498 unternahmen drei portugiesische Schiffe unter dem Oberbefehl von Vasco da Gama die erste Reise vom Atlantik um das Kap der Guten Hoffnung bis zur Ostküste Afrikas und weiter nach Indien. Die Portugiesen hatten die Absicht, die muslimisch dominierten Handelswege zu unterbrechen, auf denen Gewürze und andere hochwertige asiatische Produkte in den Mittelmeerraum gelangten. Darüber hinaus wollten sie die Vorherrschaft über das Herkunftsgebiet der Gewürze erringen, eine Gruppe kleiner Inseln in Indonesien, welche die Europäer „Gewürzinseln” nannten. Die Portugiesen waren jedoch wenig erfolgreich. Zwar eroberten sie 1510 Goa an der Westküste Indiens und sollten dort erst 1961 die Macht abgeben. Und sie eroberten Malakka, von dem aus einer der beiden bewährten Seewege zwischen dem Indischen Ozean und dem Südchinesischen Meer geschützt wurde: die Meerenge zwischen der malaiischen Halbinsel und Sumatra. In anderen Regionen erlitten sie jedoch Niederlagen. Sie griffen die muslimische Handelsstraße zwischen Indien, dem Roten Meer und dem Persischen Golf an, konnten diese aber nicht permanent von der Versorgung abschneiden. Sie waren auch nicht in der Lage, die Regionen im südlichen Indien, in denen Pfeffer angebaut wurde, unter ihre Kontrolle zu bringen. Auch bei den lang gesuchten Gewürzinseln erreichten sie und die Spanier, die auf der von Magellan begonnenen Weltreise dorthin gelangten, lediglich, dass ein neuer Krisenherd zwischen Christen und Muslimen angefacht wurde. Nichtsdestotrotz illustriert ihr aggressives Vordringen in diese Region einen wichtigen Aspekt dieses Zeitalters: Die Welt entwickelte sich zu einem weltweiten Markt, und der Kampf um diesen Markt war unerbittlich.

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Um 1500 betrieben Kaufleute bereits seit über 1 000 Jahren Warenhandel auf dem Landweg über Eurasien oder auf dem Seeweg über den Indischen Ozean. Die neuen weltweiten Handelswege – eingerichtet von Europäern, die über den Atlantik um Afrika segelten und gegen Mitte des 16. Jahrhunderts auch über den Pazifik – änderten das Wesen des Handels erheblich. In Europa herrschte große Nachfrage nach Gewürzen wie Nelken, Muskatnüssen und Muskatblüten von den Gewürzinseln. Die indischen Baumwoll- und Seidentextilien verkauften sich im gesamten Südostasien, im muslimischen Mittleren Osten, in Europa und in den amerikanischen Kolonien ausgezeichnet. Schiffe transportierten amerikanisches Silber in alle Himmelsrichtungen, besonders nach China. In China lernten die Europäer den Tee, im Jemen und in Java den Kaffee kennen und als Getränke schätzen. Die neuen Handelsverbindungen trugen zum Reichtum vieler Nationen bei und führten zum schnellen Anwachsen der Weltbevölkerung.

Für Asien bestanden die dramatischsten Änderungen in diesem Zeitalter der weltweiten Beziehungen im Aufstieg von drei großen Kaiserreichen. Die Osmanen, die 1453 Konstantinopel (heute Istanbul) erobert hatten, erreichten den Gipfel ihrer Macht unter Süleiman I., dessen Regierungszeit von 1520 bis 1566 dauerte. Um diese Zeit unternahm das neue Moskauer Reich in Russland erhebliche Schritte in Richtung Zentralisierung, und unter Iwan IV. wurden Kasan und Astrachan an der Wolga erobert. Das Mogulenreich richtete sich fest im Norden Indiens ein; dies war vor allem ein Erfolg Akbars des Großen, der von 1556 bis 1605 regierte. Der Welthandel trug jedoch auch zur Destabilisierung einiger sehr ausgedehnter und hoch entwickelter gesellschaftlicher und politischer Ordnungssysteme in Asien bei; dies gilt besonders für Agrarreiche.

Neuer Tauschhandel

1557 erhielten die Portugiesen von den Chinesen die Erlaubnis, einen Handelsstützpunkt in Macao in der Nähe des heutigen Hongkong einzurichten. Von dort aus erlebte der portugiesische Handel mit Japan einen schnellen Aufschwung. Die Spanier, die von Mexiko aus über den Pazifischen Ozean reisten, richteten 1572 einen Stützpunkt in Manila auf den Philippinen ein. Beide Stützpunkte wurden zu Umschlagplätzen für den Handel zwischen Portugal und den indischen und südostasiatischen Häfen, über die Asien in das berühmte Tauschhandelssystem von Kolumbus für Getreide und Vieh einbezogen wurde, das mit den Reisen von Kolumbus nach Amerika begonnen hatte. Dieser Tauschhandel trug zwischen 1500 und 1800 nicht nur in Europa, sondern auch in Asien erheblich zum Bevölkerungswachstum und zur Produktionssteigerung bei. Der Anbau von Mais und Bataten (Süßkartoffeln) – beides in Amerika heimische Pflanzen – breitete sich in China schnell aus, wo beide Kulturpflanzen sehr gut auf den hügeligen und kargen Böden gediehen, auf denen vorher nur selten Ackerbau betrieben worden war. Diese Kulturen machten die Besiedlung vieler Regionen Chinas und anderer Teile Asiens möglich. Sie dienten bisweilen als einzige Nahrungsquelle, die den Menschen das Überleben ermöglichten, wenn bei anderen Feldfrüchten Missernten auftraten. Tabak, eine weitere Kulturpflanze aus Amerika, breitete sich mit beachtlicher Geschwindigkeit über die größeren Bevölkerungszentren und die entfernten Gebirgstäler in vielen Teilen Asiens aus.

Eines der am besten bekannten Phänomene des neuen Zeitalters der weltweiten Handelsverbindungen nach 1500 ist die zunehmende Menge an Silber aus amerikanischen Minen, das in die ganze Welt transportiert wurde. Wirtschaftshistoriker versuchen immer noch die Auswirkungen zu ergründen, die dieser zunehmende Silberfluss über den Atlantik nach Europa hatte. Vor kurzem hat man festgestellt, dass Japan um 1600 ebenfalls ein wichtiges Förder- und Exportland für Silber war. Nach den Erkenntnissen der Historiker wurde amerikanisches Silber auch von Mexiko aus über den Pazifik nach Manila verschifft und das Silber aus Japan, Manila und Amerika letztendlich nach China geliefert. Historiker vertreten die Ansicht, dass ohne die riesige Nachfrage nach Silber in China der Silberfluss aus Amerika in die gesamte Welt erheblich früher versiegt wäre. Es stellt sich die Frage, warum in China ein derartiger Bedarf für dieses Metall bestand.

China blickte auf eine lange Geschichte erfolgreicher Regierungen in einem vereinten Reich zurück. Von 1000 bis 1400 wurden die großen Fortschritte der Produktivität jedoch durch die Folgen von Krieg und unfähigen Regierungen überschattet. Die Bürgerkriege in den fünfziger und sechziger Jahren des 14. Jahrhunderts, die den Niedergang der mongolisch dominierten Yuan-Dynastie begleiteten, führten zu besonders starken Zerstörungen. Die nachfolgende Ming-Dynastie unter der Vorherrschaft von Beamten mit konfuzianischen Ansichten brachte zwar Jahrzehnte friedvoller Regierungen, aber sie zerstörte einen Teil des komplexen Währungssystems in China. Dort wurden kleinere Rechnungen mit kleinen Kupfermünzen, die ein rechteckiges Loch hatten, beglichen. Größere Zahlungen erfolgten mit Ketten aus 1 000 dieser Münzen, die jedoch niemand bei sich tragen wollte. Deshalb verwendeten die Chinesen spätestens ab 1200 verschiedene Formen von Papiergeld als bequemen Ersatz für das unhandliche Kupfergeld. Sie regelten den Papiergeldnachschub so intelligent, dass dessen langsamer Zuwachs nicht zur Inflation führte. Mit der Machtübernahme durch die Ming wurde die Papiergeldausgabe jedoch nicht mehr beschränkt, so dass die Kaufleute es bald nicht mehr akzeptierten, sofern sie nicht von der Regierung dazu gezwungen wurden. Dies führte dazu, dass eine extreme Verknappung an Zahlungsmitteln für große Rechnungen und den Fernhandel herrschte, da in der frühen friedlichen Zeit der Ming-Dynastie Bevölkerungsdichte, Produktion und Handelsvolumen anstiegen. Obwohl China eine geringe Menge Silber förderte, reichte diese nicht annähernd, um den Bedarf zu decken. Die enorme Nachfrage stimulierte den Silberfluss aus Japan und Amerika. Dieser war für die Fortsetzung des starken Wachstums des Welthandels unverzichtbar.

Instabilität durch Wohlstand und Handelswachstum

In modernen Zeiten förderten die politischen Führer fast immer das Wirtschaftswachstum, weil sie annahmen, dies sichere die politische Stabilität und die Akzeptanz der jeweiligen Regierung. In vielen vorindustriellen Staaten waren Wohlstand, Handels- und Bevölkerungswachstum jedoch Auslöser für Instabilität und Konflikte. Einigen wenigen europäischen Ländern, einschließlich England im 18. Jahrhundert, gelang es, diese Konflikte zu vermeiden: Man wandte merkantile Strategien an wie die Besteuerung der Wachstumsbereiche der Wirtschaft oder förderte staatlicherseits Produkte, damit diese auf dem internationalen Markt bestehen konnten. Diese Maßnahmen waren jedoch in den hoch entwickelten und erfolgreichen Staaten Asiens nicht umsetzbar. Diese aus Kriegen entstandenen und keineswegs demokratischen Staaten beruhten auf agrarwirtschaftlichen Werten, die einem Großteil der Bevölkerung gehörten. Die Bauern befürchteten, dass ihre Felder durch marschierende Truppen niedergetrampelt würden, und lehnten es ab, ihre mühsam erzeugten Produkte an Steuereintreiber abgeben zu müssen. Kaufleute wollten ihre Waren ohne Störungen durch Banditen oder Steuereintreiber transportieren können. Die Herrscher versuchten, im Gegensatz zu den ständig um die Vorherrschaft kämpfenden Regionen und den Krieg führenden Nationalstaaten, wie z. B. in Europa, Frieden und Ordnung in einem einzigen großen Reich aufrechtzuerhalten. Durch die Ausweitung des Welthandels auf Asien und das dadurch ausgelöste Bevölkerungswachstum sahen sich die Agrarreiche jedoch einer Vielzahl von Herausforderungen ausgesetzt.

Bei der Verfolgung der Ziele ihres Agrarreiches hatte die Ming-Dynastie den Vorteil, dass in einem sehr großen Gebiet nur eine einzige Sprache gesprochen wurde und dieselbe Kultur vorherrschte. Dabei akzeptierten sowohl die Herrscher als auch die Oberschicht die allgemeinen konfuzianischen Werte, und dies traf in vielerlei Hinsicht auch auf Bauern und Kaufleute zu. Durch die Aufrechterhaltung von Frieden und Ordnung in ihrem riesigen Reich konnte die Regierung auf Unterstützung durch die Oberschicht bauen. Mit ihrem System ziviler Kontrollen lenkte die Regierung dabei die politischen Ambitionen dieser Schicht in die gewünschte Richtung.

Die Auswirkungen des Wachstums von Handel, Produktion und Bevölkerung im China der Ming-Dynastie sind deutlich. Da immer mehr Silber im Umlauf war, wurden mehr Steuern in Form von Silber eingetrieben als in Form von Getreide, Bekleidung oder Dienstleistungen. Als die Preise stiegen, erwiesen sich die festgesetzten Steuersätze zur Finanzierung des Staates als unzureichend, so dass die Korruption stieg, wodurch die Beamten versuchten, ihre unangemessen niedrigen Löhne aufzubessern. Die Versuche der Zentralregierung, neue Einnahmequellen aufzutun, stießen auf vehemente Kritik. Um 1600 schritt die Urbanisierung in China schnell voran. In den Städten kamen eine verschwenderische Konsumhaltung und neue Interessen auf. Die Menschen verlangten nach Büchern, Kunst, Gärten, Theatern und prunkvoller Kleidung, und einige verließen ihre Familien und ihre Arbeitsplätze. Andere wandten sich neuen, eigenartigen Varianten des Buddhismus und des Taoismus sowie unkonventionellen sexuellen Praktiken zu. Inzwischen waren die Staatskassen fast leer.

1620 wurde die Ming-Dynastie durch Rebellionen im Nordwesten, durch nahezu unabhängige militärische Anführer in verschiedenen Gebieten und durch die steigende Bedrohung durch das Volk der Mandschu hinter der Nordostgrenze erschüttert. Während der vierziger Jahre des 17. Jahrhunderts brach die Dynastie zusammen, und Rebellen besetzten die Hauptstadt. Danach eroberten die Mandschu und ihre zahlreichen chinesischen Verbündeten schnell das gesamte Reich und errichteten die neue Qing-Dynastie. Die Vorherrschaft der Qing-Dynastie reichte bis weit in das Binnenland von Asien – bis zu den Grenzen der heutigen Volksrepublik China und teilweise darüber hinaus. Während des großen Qing-Friedens im 18. Jahrhundert förderten die Verbreitung amerikanischer Feldfrüchte und der ununterbrochene Silberfluss nach China – wobei das Silber jetzt hauptsächlich gegen Tee getauscht wurde – den ständigen Zuwachs des Handelsvolumens. Die chinesische Bevölkerung verdoppelte ihre Zahl.

Das Mogulreich und das Osmanische Reich

Während die Chinesen eine kulturelle Einheit erlebten, die es ihnen erlaubte, die Herausforderungen der Wirtschaft und des Bevölkerungswachstums zu bestehen, bedienten sich die Herrscher anderer Agrarreiche anderer Mittel. Die Moguln, Herrscher einer wachsenden Bevölkerungsgruppe auf dem indischen Subkontinent, waren Muslime, während ein Großteil ihrer Untertanen Hindus waren. Die Osmanen im Mittleren Osten herrschten über riesige Völker, zu denen Christen verschiedener Sekten, Juden und Muslime gehörten, die sich durch große sprachliche und kulturelle Vielfalt auszeichneten. Die Moguln und Osmanen delegierten – erfolgreicher als die Ming-Dynastie – ihre Autorität an die anerkannten Führer religiöser, ethnischer und sprachlicher Gemeinschaften, um den Frieden unter diesen verschiedenartigen Völkern aufrechtzuerhalten, ohne den Verwaltungsaufwand zu erhöhen. Alle Agrarreiche wurden durch militärische Eroberung gegründet und durch starke Militärkräfte geschützt. Man versuchte jedoch, die Steuerlast zur Finanzierung der Militärausgaben so niedrig wie möglich zu halten. Die Osmanen und die Moguln unterstützten einen Großteil ihrer Armeen nicht durch das Eintreiben von Steuern und Bezahlen der Soldaten, sondern indem sie einem Befehlshaber und seinen Männern bestimmte Landgebiete und die daraus erzielten Gewinne zuwiesen.

Im Gegensatz zur Ming-Dynastie erlitt das osmanische Reich im 17. Jahrhundert keinen vollkommenen Zusammenbruch. Das Bevölkerungswachstum und die Kommerzialisierung führten jedoch zu großen Spannungen. Lehen zur Unterstützung des Militärs wurden in private, besteuerungsfähige Besitzungen umgewandelt. Provinzbeamte, denen der neue Reichtum ihrer Gebiete zuteil wurde, forderten die Zentralregierung heraus. Die Janitscharen, ein Söldnerheer, das die Hauptstadt Istanbul bewachte, griff wiederholt und gewaltsam in die Politik ein. Die Unruhen wurden besonders ernst, als die Osmanen 1683 an den Pforten von Wien geschlagen wurden und danach einen Großteil ihres Reichs auf dem Balkan verloren. Dem Regime gelang es jedoch, neue Führer zu finden und nahezu ohne Reformen im 18. Jahrhundert an der Macht zu bleiben.

Auf dem indischen Subkontinent hatte eine vergleichbare Zunahme des Handels und der Bevölkerung dramatischere Folgen. Als sich die herrschenden Moguln Ende des 17. Jahrhunderts unter Kaiser Aurangseb von ihrer multinationalen Toleranz zu einem strengeren Islam hinwandten, rebellierten die Hindukrieger im Westen Indiens und errichteten eine neue Marathenmonarchie. Diese konnte ihre Kräfte zwar nur selten vollständig vereinen, aber die Marathen stellten langfristig eine Herausforderung für die Moguln dar. Darüber hinaus waren die Provinzgouverneure häufig nahezu unabhängig und lebten vom Reichtum ihrer eigenen Territorien. Außerdem fielen die Afghanen und Perser im Norden ein, während die Sikhs im Norden und die Herrscher von Mysore im Süden die herrschenden Moguln herausforderten. Später, in den fünfziger und sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts, gewannen die Briten in Bengalen große Macht. Mit Hilfe indischer Truppen und Bürokraten sowie indischer Methoden zur Eintreibung von Gewinnen, und gestärkt durch ihre eigenen Armeen, ihren militärischen Drill und die außerhalb des Landes gelegenen finanziellen und machtpolitischen Möglichkeiten errichteten die Briten ein regionales Machtzentrum. Im darauf folgenden Jahrhundert dominierten sie den gesamten Subkontinent. Diese Entwicklungen waren erst durch die neuen Einkünfte aus dem Welthandel möglich geworden. Außerdem nutzten die Briten die zusätzliche Arbeitskraft, die sich aus dem Bevölkerungsboom ergab und die von den Moguln nicht ausgeschöpft wurde.

Wachstum in Japan

Japan spielte in dieser Welt, die immer mehr zusammenwuchs, ebenfalls eine wichtige Rolle. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts war das alte japanische Feudalsystem vollständig zusammengebrochen, und die regionalen Führer neuer Denkart, die Daimyo, bemühten sich mit Nachdruck darum, den Wohlstand und die Macht ihrer regionalen Stützpunkte voranzutreiben. Sie begrüßten portugiesische und chinesische Kaufleute in ihren Häfen. Japan importierte chinesische Seide und bezahlte diese größtenteils mit Silber aus dem eigenen Bergbau. Japanische Krieger und Kaufleute weiteten ihr Einflussgebiet über die südostasiatischen Gewässer aus. Japaner und andere ausländische Kaufleute errichteten eine größere Siedlung im Gebiet des heutigen Da Nang in Vietnam. Darüber hinaus begaben sich japanische Kaufleute und Söldner nach Manila, zu den Gewürzinseln, nach Ayutthaya und Niederländisch-Batavia.

Zu dieser Zeit waren bereits viele Japaner in den südlichen Häfen und auf ihren Reisen ins Ausland zum römischen Katholizismus bekehrt worden. Als sich der neue Glaube im Land verbreitete, sahen der regierende Heerführer Hideyoshi und seine Nachfolger diesen als Zeichen für die kulturelle Unterwanderung und den Einfluss durch die Spanier und die Portugiesen. Unter dem neuen Zentralregime der Tokugawa-Schogune wurde der Katholizismus nach und nach verboten. Die japanischen Konvertierten wurden getötet oder zum Abschwören gezwungen. Die Missionare wurden des Landes verwiesen oder ebenfalls getötet. Außerdem wurde den Japanern verboten, ins Ausland zu gehen. Es wurde nur ein sorgfältig überwachter und geregelter Handel mit den Chinesen und den Niederländern in Nagasaki gestattet. Gegen Ende des 17. und des 18. Jahrhunderts erlebte Japan ein starkes Wirtschaftswachstum und eine schnelle Urbanisierung. Im Gegensatz zum Großteil der zusammenwachsenden Welt besuchten aber kaum Ausländer die größeren Städte Japans. In Nagasaki wurden alle niederländischen und chinesischen Schiffskapitäne von Beamten der Tokugawa-Schogune ausgeforscht. Die Schogune beobachteten die Entwicklungen im Rest der Welt sehr sorgfältig, aber sie hielten diese stets auf Abstand.

Die Vorherrschaft der europäischen Kompanien

Im 17. Jahrhundert kamen die „Gewürzinseln”, die das ursprüngliche Reiseziel von Vasco da Gama und der ihm folgenden anderen Weltreisenden waren, unter die durchorganisierte, unnachgiebige Kontrolle der niederländischen Ostindienkompanie. Die Direktoren der Kompanie brauchten lange, um festzustellen, dass die Inseln nicht die größte Profitquelle und der beste Ausgangspunkt für den Handel innerhalb Asiens und zwischen Asien und Europa waren. Die Niederländer setzten sehr viel Energie darein, alle Häfen zu erobern, von denen aus Mitbewerber ihren Nachschub an Gewürzen unter Missachtung der Monopolstellung sicherten. Sie eroberten einige der wichtigsten Häfen, wie Malakka, Jakarta (ehemals Batavia), Banten auf Java und Makasar (Ujung Pandang) auf Sulawesi. Andere Hafenstädte, die sich den wachsenden Handel zunutze machen wollten, vereinigten ihre politischen Organisationen und stärkten ihre Armee und ihre Flotte. Aceh an der Nordspitze Sumatras war eine muslimische Bastion. Ayutthaya, die Hauptstadt des Königreichs Siam, hielt alle Ausländer fern, blieb am Handel beteiligt und schützte seinen dadurch erworbenen Wohlstand. Langfristig konnte jedoch keine der sich ändernden politischen Bedingungen in Südostasien die Vorherrschaft der Niederländer in Frage stellen oder die zunehmende Macht der Engländer gegen Ende des 18. Jahrhunderts schmälern.

Um 1800 war Asien deutlich durch die Einführung amerikanischer Nutzpflanzen, den Import amerikanischen Silbers und die europäische Vorherrschaft geprägt. Die Beständigkeit der chinesischen und der indischen Wirtschaft und die durch die Agrarreiche der Ming, Moguln und Osmanen erzielten Errungenschaften, die Frieden und Stabilität zur Folge hatten, ermöglichten Kaufleuten den Transport ihrer Waren und Bauern den Anbau althergebrachter und neuer Nutzpflanzen. Die Welt war letztendlich ein weltweiter Markt geworden. Dies sollte bleibende Auswirkungen auf die internationale Politik haben.

Zum Autor: John E. Wills Jr. ist Professor für Geschichte an der University of Southern California, Los Angeles. Er ist der Autor von 1688: A World History und Mountain of Fame: Portraits in Chinese History.

Erscheint in:

China; Asien; Portugal; Ming-Dynastie; Osmanisches Reich

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