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Die Auswirkungen fossiler Brennstoffe auf die Umwelt

Die historischen Essays in Encarta Enzyklopädie geben Kenntnisse und Einschätzungen führender Historiker wieder. Im folgenden Beitrag setzt sich John McNeill, Professor an der Georgetown University, kritisch damit auseinander, dass in den vergangenen zwei Jahrhunderten die Nutzung fossiler Brennstoffe und die daraus erwachsenen umfassenden Neuerungen in Wirtschaft und Landwirtschaft die Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Umwelt unwiderruflich verändert haben.

Die Auswirkungen fossiler Brennstoffe auf die Umwelt

Luftverschmutzung durch Industrieabgase
Luftverschmutzung durch Industrieabgase
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In den vergangenen zwei Jahrhunderten hat sich die Erde durch den Einfluss des Menschen stark verändert. Die chemische Zusammensetzung von Wasser und Luft wurde von ihm ebenso nachhaltig geprägt wie die Gemeinschaft mit anderen Organismen. Warum hat diese Epoche mehr tief greifende Umweltveränderungen mit sich gebracht als jede andere zuvor? Die Gründe dafür sind ebenso zahlreich wie komplex. Die Nutzung fossiler Brennstoffe, durch die dem Menschen weitaus mehr Energie als je zuvor zur Verfügung steht, hat diese Entwicklung sicherlich am stärksten beeinflusst.

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Im Jahr 1990 verbrauchten wir etwa das 80fache der Energiemenge, die 1800 genutzt wurde. Ein Großteil dieser Energie wurde aus fossilen Brennstoffen gewonnen. Durch die Verfügbarkeit und Nutzung dieser Energiequelle waren wir in der Lage, mehr Energie zu erzeugen und zu verbrauchen. Indirekt hatten die neuen Energieformen einen raschen Anstieg der Bevölkerung zur Folge, da der Mensch jetzt sehr viel effizientere Verfahren zur Bewirtschaftung von Nutzflächen entwickelte, z. B. durch den Einsatz von Maschinen in der Landwirtschaft, die fossile Brennstoffe nutzten. Die verbesserten Bewirtschaftungsverfahren brachten ein größeres Nahrungsangebot mit sich, was wiederum das Wachstum der Bevölkerung förderte. Gegen Ende der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts war die Gesamtbevölkerung auf das Sechsfache der Bevölkerungszahl von 1800 angewachsen. Die weitläufigen Umweltveränderungen sind allerdings auch auf andere Faktoren zurückzuführen. Der beeindruckende Rhythmus, mit dem die Urbanisierung voranschreitet, ist an dieser Entwicklung genauso beteiligt wie die Schwindel erregende Geschwindigkeit des technologischen Wandels. Ein weiterer bedeutsamer Grund für die Veränderung der Umwelt ist die verstärkte Ausrichtung moderner Nationen auf das Wachstum ihrer heimischen Wirtschaft. Alle diese Faktoren dürfen nicht isoliert betrachtet werden, da zwischen ihnen starke Wechselbeziehungen bestehen. Gemeinsam haben sie die Weiterentwicklung der menschlichen Gesellschaft im Industriezeitalter geprägt. Diese Wachstumstendenzen haben das Verhältnis zwischen der Menschheit und anderen Lebewesen auf der Erde grundlegend verändert.

Mehrere hunderttausend Jahre haben Menschen und ihre Vorfahren in ihrem natürlichen Umfeld sowohl bewusst als auch zufällig Veränderungen herbeigeführt. Erst in der jüngeren Vergangenheit hat die Menschheit jedoch Luft, Wasser, Boden, Flora und Fauna durch die Nutzung fossiler Brennstoffe tief greifend beeinflusst. Der Mensch hat seit der umfassenden Nutzung fossiler Brennstoffe die Umwelt erstmals auf eine Art und Weise verändert, die ihm vor dem Zeitalter der Industrialisierung nicht möglich war. Als Beispiel sollen hier die Zerstörung natürlicher Lebensräume und die Vernichtung von Flora und Fauna durch Ölverseuchungen angeführt werden. Darüber hinaus kann der Mensch mittlerweile durch die Beschleunigung traditioneller Verfahren wie der Rodung von Wäldern seine natürliche Umwelt sehr viel stärker verändern.

Entstehung fossiler Brennstoffe

Zu den fossilen Brennstoffen zählen Kohle, Erdgas und Rohöl (Erdöl). Dabei handelt es sich um die versteinerten und verflüssigten Überreste abgestorbener Pflanzen, die sich über mehrere Millionen Jahre angesammelt haben. Bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe wird die in ihnen gespeicherte chemische Energie in Wärmeenergie umgewandelt, die mit Hilfe von Maschinen wie z. B. Verbrennungsmotoren und Turbinen in mechanische oder elektrische Energie umgesetzt wird.

Kohle diente erstmals im 11. und 12. Jahrhundert in China als wichtiger industrieller Brennstoff und wurde dort in großen Mengen für die Gewinnung von Eisen benötigt. Der erste großflächige Einsatz von Kohle als Brennstoff in Europa begann im 16. Jahrhundert in London. Während der industriellen Revolution, die im 18. Jahrhundert begann, entwickelte sich Kohle für die Industrie zu einer Schlüsselressource, die zur Betreibung von Dampfmaschinen diente.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war Kohle der wichtigste fossile Brennstoff, verlor danach jedoch an Bedeutung, als sie in Industrie, Transport und Verkehr sowie anderen Bereichen durch Öl als bedeutendstem Brennstoff abgelöst wurde. Die ersten Tiefbohrungen auf der Suche nach Erdöl wurden 1859 im Westen des US-Bundesstaates Pennsylvania durchgeführt, und 1901 wurden erstmals große Ölfelder im Südosten von Texas erschlossen. In den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts erschloss man die weltweit größten Ölfelder in Saudi-Arabien. In den sechziger Jahren wurden große Reserven in Sibirien entdeckt und genutzt. Warum verdrängte Öl die Kohle als bevorzugten Brennstoff? Öl verfügt im Vergleich zu Kohle über verschiedene Vorzüge. Es besitzt eine höhere Effizienz und liefert pro Gewichtseinheit mehr Energie als Kohle. Darüber hinaus bewirkt Öl eine geringere Verschmutzung und weist in kleinen Motoren einen besseren Wirkungsgrad auf. Öl ist allerdings in geringeren Mengen vorhanden als Kohle. Wenn die Ölvorkommen zur Neige gehen, werden immer noch reichhaltige Kohlelagerstätten verfügbar sein.

Luftverschmutzung in der Neuzeit

Die äußere Hülle der Erde ist die Atmosphäre, die aus einem Gasgemisch besteht und die Erde vollständig umschließt. Die Atmosphäre enthält eine vergleichsweise dünne Schicht aus Ozon, das die für Lebewesen schädliche ultraviolette Strahlung der Sonne absorbiert. Betrachtet man die gesamte Entwicklungsgeschichte der Menschheit, so hatte die Bevölkerung lange Zeit geringen Einfluss auf die Atmosphäre. Über viele Jahrtausende hinweg führten die Menschen allerdings immer wieder Brandrodungen durch und verursachten damit vorübergehend Verunreinigungen der Luft. Im Altertum wurden durch die Verhüttung von Erzen (z. B. Kupfer) Metalle freigesetzt, die in die Atmosphäre aufstiegen und auf diese Weise von der Mittelmeerküste sogar bis nach Grönland gelangten. Die Nutzung fossiler Brennstoffe konfrontierte die Menschheit jedoch mit einem bis zu jener Zeit nicht gekannten Ausmaß von Luftverschmutzung.

Vor dem großflächigen Einsatz fossiler Brennstoffe waren Städte normalerweise sehr viel stärker von Luftverunreinigungen betroffen als ländliche Regionen, da in den städtischen Siedlungsgebieten verstärkt Verbrennungsprozesse stattfanden. Die Einwohner von Städten kalter Klimazonen heizten ihre Wohnräume, indem sie Holz verbrannten, doch waren die in der näheren Umgebung verfügbaren Holzvorräte rasch aufgebraucht. Als Folge der Ressourcenknappheit wurde der Brennstoff Holz teuer und die Menschen heizten ihre Wohnungen weniger. Als erste Stadt löste London dieses Problem, wo man in immer größerem Maß Kohle zur Beheizung von Gebäuden verwendete. Bis etwa 1800 stießen bereits eine halbe Million Schornsteine Rauch, Ruß, Asche und Schwefeldioxid in die Londoner Luft aus.

Die Entwicklung von Dampfmaschinen im 18. Jahrhundert führte dazu, dass Kohle mehr und mehr in der Industrie genutzt wurde. Das durch die industrielle Revolution eingeleitete Wachstum bedeutete eine immer größere Zahl von Dampfmaschinen, Fabrikschornsteinen und damit auch eine immer stärkere Verunreinigung der Luft. In den Industriezentren von Großbritannien, Belgien, Deutschland und den Vereinigten Staaten verdunkelte sich der Himmel. Städte, in denen energieintensive Industriezweige wie die Eisen- und Stahlherstellung angesiedelt waren und Gebäude zudem noch mit Kohle beheizt wurden, waren ständig in Rauch- und Schwefeldioxidwolken gehüllt. Als eine der bedeutendsten amerikanischen Industriestädte ihrer Zeit wurde Pittsburgh in Pennsylvania gelegentlich als „Hölle mit abgenommenem Deckel” bezeichnet. Der Verbrauch an Kohle war in einigen Industriezweigen so enorm, dass die Luft großflächig in weiten Regionen verschmutzt wurde, wie z. B. im Ruhrgebiet in Deutschland oder im Ballungsgebiet Hanshin bei Osaka in Japan.

Erste Maßnahmen zur Verminderung der Luftverschmutzung

Bemühungen, die Rauchbelastung zu senken, erwiesen sich bis etwa 1940 weitestgehend als unwirksam, so dass sich die Einwohner von Industriestädten und industriellen Ballungsgebieten mit den Folgen verunreinigter Luft abfinden mussten. In England war es im viktorianischen Zeitalter üblich, angesichts der anfallenden Staubmengen zweimal täglich in den Wohnräumen Staub zu wischen. Die Einwohner von Industriestädten waren als Folge der hohen Schwefeldioxidbelastung mit dem Verlust von Kiefernbeständen sowie einigen Pflanzen- und Tierarten konfrontiert. Diese Menschen erkrankten sehr viel häufiger an Lungenentzündungen und Bronchitis als ihre Vorfahren, ihre in anderen Regionen ansässigen Verwandten oder ihre Nachfahren.

Nach 1940 konnten die Verantwortlichen in Industriestädten und Industrieregionen die bedrohliche Situation der durch Kohleverbrennung bedingten Luftverschmutzung entschärfen. Als weltweit erste Stadt räumte St. Louis im US-Bundesstaat Missouri der Senkung der Rauchbelastung einen sehr hohen Stellenwert ein. In den späten vierziger Jahren und den fünfziger Jahren folgten Pittsburgh und andere nordamerikanische Städte. In London wurden nach dem verheerenden „Killer-Nebel” im Dezember 1952, der durch massivste Luftverschmutzung entstanden war und etwa 4 000 Menschenleben gefordert hatte, wirksame Maßnahmen ergriffen. Deutschland und Japan unternahmen in den sechziger Jahren durch die Einführung von höheren Schornsteinen, Filtern und Reinigungsbürsten die ersten Schritte zur Senkung der Rauchbelastung und begannen, Kohle durch andere Brennstoffe zu ersetzen.

Trotz Abnahme der Rauchbelastung nahm die Luftverschmutzung in den Städten eine neue, sehr viel komplexere Form an. Als sich das Auto als Transportmittel immer mehr durchsetzte – in den zwanziger Jahren zunächst in den Vereinigten Staaten, in den fünfziger und sechziger Jahren auch in Westeuropa und Japan – kamen außerdem Auspuffabgase zu der bereits verunreinigten Luft aus den Schornsteinen hinzu. Die Fahrzeugemissionen enthielten weitere Schadstoffe wie Kohlenmonoxid, Stickoxide und Blei. Automobile verschärften in Verbindung mit neuen Industriezweigen wie der petrochemischen Industrie die komplexe Problematik der weltweiten Luftverschmutzung. Fotochemischer Smog, der durch die chemische Wirkung natürlicher Sonnenstrahlung auf Bestandteile von Autoabgasen verursacht wird, entwickelte sich insbesondere in Städten mit überdurchschnittlicher Sonnenbestrahlung in Verbindung mit häufigen Temperaturwechseln zu einer ernsthaften Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung. Die schlimmsten Smogbelastungen entstanden in sonnigen Städten mit dichtem Verkehr wie Athen, Bangkok, Mexiko-Stadt und Los Angeles.

Zusätzlich zu der örtlich und regional bedingten Umweltverschmutzung machten sich Ende des 20. Jahrhunderts die weit reichenden Auswirkungen auf die Atmosphäre bemerkbar. Durch die Erhöhung der Kohlendioxidwerte in der Atmosphäre ab 1850 als logische Folge der Verbrennung fossiler Brennstoffe war die Fähigkeit der Luft, Sonnenenergie in Form von Wärme zu speichern, gestiegen. Die höhere Wärmespeicherkapazität ging mit der Gefahr der globalen Erwärmung einher, was einen weltweiten Temperaturanstieg bedeutet. Chemische Substanzen, so genannte Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), die 1930 entwickelt worden waren und bis nach 1950 in der Industrie und als Kühlmittel in großem Umfang eingesetzt wurden, stellten ebenfalls eine Bedrohung der Atmosphäre dar. Beim Aufsteigen in die Stratosphäre (die oberste Schicht der Atmosphäre) bewirken Fluorchlorkohlenwasserstoffe den schrittweisen Abbau der Ozonschicht und beeinträchtigen nachhaltig ihre Fähigkeit, die schädlichen ultravioletten Strahlen zu absorbieren.

Wasserverunreinigung

Wasser ist seit jeher ein lebenswichtiges Element für die Menschheit – zunächst diente es nur zum Trinken und zum Waschen, später jedoch auch zum Bewässern. Mit Hilfe der aus fossilen Brennstoffen gewonnenen Energie und moderner Technologie haben Menschen Flüsse umgeleitet, Grundwasser aus tiefen Gesteinsschichten an die Erdoberfläche befördert und die verfügbaren Wasservorräte wie noch nie zuvor verunreinigt.

Nur in kleinen Teilen der Welt wurde bis zur jüngeren Vergangenheit systematisch bewässert, obwohl dieses Verfahren schon sehr lange existiert. Um 1800 wurden Bewässerungsmethoden verstärkt eingesetzt und durch den technischen Fortschritt in Verbindung mit dem immer größeren Nahrungsmittelbedarf durch das Bevölkerungswachstum vorangetrieben. In Indien und Nordamerika entstanden riesige Dammanlagen und Netze künstlicher Kanäle. Im 1. Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurden in diesen Ländern sowie u. a. in Zentralasien und China noch weitaus größere Staudämme erbaut. Nach den dreißiger Jahren nutzte man die ursprünglich zu Bewässerungszwecken errichteten Dämme auch zur Erzeugung von hydroelektrischer Energie. Zwischen 1945 und 1980 waren an den meisten Flüssen, die sich unter technischen Gesichtspunkten dafür eigneten, Staudämme angelegt worden.

Die Staudämme machten das Leben für Millionen von Menschen leichter, da sie nicht nur Wasser für die Bewässerung bereitstellten, sondern auch elektrische Energie. Diese Annehmlichkeiten forderten jedoch ihren Tribut, da die Staudämme binnen kurzer Zeit die Ökosysteme der Gewässer veränderten, die im Lauf mehrerer Jahrhunderte entstanden waren. Im Columbia River im Westen Nordamerikas waren beispielsweise die Lachspopulationen betroffen, denn die Staudämme blockierten ihre jährliche Wanderung zu den Brutstätten flussaufwärts. In Ägypten zahlten viele Menschen und Tiere den Preis für den Assuan-Staudamm, der ab 1971 den Nil aufstaute. Im Mittelmeer kam es unter Sardinenschwärmen zu einem Fischsterben, und Sardinenfischer verloren ihre Lebensgrundlage. Bauern mussten chemische Düngemittel einsetzen, denn durch den Assuan-Staudamm blieb die Nilschwemme im Frühjahr aus und damit auch die natürliche Düngung der Uferregionen durch den fruchtbaren Nilschlamm. Zusätzlich litten viele Ägypter, die Wasser aus dem Nil als Trinkwasser verwendeten, an gesundheitlichen Beschwerden, da das Nilwasser immer größere Mengen ausgeschwemmter Düngemittel enthielt. In Zentralasien war der Aralsee von der Bewässerung betroffen. Ab 1960 schrumpfte dieses ehemals riesige Binnenmeer, da man das Wasser der Flusszuläufe zur Bewässerung von Baumwollkulturen umleitete.

Das Flusswasser reichte jedoch zur Deckung des Wasserbedarfs in der Landwirtschaft und in den Städten nicht aus. In vielen Teilen der Welt wurde Grundwasser für die Wasserversorgung lebenswichtig. Grundwasser stellte eine kostengünstige Ressource dar, da die Förderung durch Pumpen dank fossiler Brennstoffe nun viel einfacher war. Ab 1930 entwickelten sich in den Great Plains von Texas im Süden der USA bis nach North Dakota im Norden riesige Agrarflächen, auf denen überwiegend Viehzucht und Getreideanbau betrieben wurden. Die erforderlichen Wassermengen wurden vom Ogallala Aquifer gewonnen, einem riesigen unterirdischen Grundwasserreservoir. Um den Wasserbedarf der wachsenden Bevölkerung zum Trinken, Waschen und für industrielle Zwecke zu decken, wurde in Städten wie Barcelona, Peking und Mexiko-Stadt Grundwasser an die Oberfläche gepumpt. Nachdem große Mengen der unterirdischen Wasservorräte jedoch abgepumpt worden waren, drohten Peking und Mexiko-Stadt langsam im Erdboden zu versinken. Als die Grundwasservorräte zur Neige gingen, mussten sich beide Städte mit Trinkwasser aus weit entfernten Regionen versorgen. 1999 verbrauchte die Gesamtbevölkerung der Erde etwa die 20fache Menge an Trinkwasser, die im Jahr 1800 gebraucht worden war.

Allerdings wurden nicht nur immer größere Wassermengen benötigt, sondern auch durch den Menschen verunreinigt. In den Flüssen, die wie die Seine in Paris durch Städte fließen, hat es immer schon verschmutztes Wasser gegeben, doch änderten sich mit dem Industriezeitalter das Ausmaß und die Art der Wasserverschmutzung. In dieser Epoche stieg der Wasserbedarf ständig, und eine weitaus größere Anzahl der unterschiedlichsten Schadstoffe verursachte die Verunreinigung der globalen Wasservorräte. In der Geschichte der Menschheit war die Verunreinigung der Gewässer überwiegend biologischer Natur und wurde hauptsächlich durch menschliche und tierische Abfälle sowie Exkremente bedingt. Durch die Industrialisierung gelangten jedoch auch unzählige chemische Substanzen in die Gewässer, welche die Problematik der allgemeinen Umweltverschmutzung verschärften.

Maßnahmen zur Einschränkung der Wasserverunreinigung

Bis zum frühen 20. Jahrhundert blieb die biologische Verunreinigung von Seen und Flüssen ein ungelöstes Problem. Dann erwiesen sich Experimente zur Filtration und chemischen Behandlung von Wasser als wirksam. In Europa und Nordamerika konnte durch die Reinigung von Abwässern und durch die Aufbereitung des Wassers die Versorgung mit hygienischem Wasser sichergestellt werden. Noch in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts starben in Chicago im US-Bundesstaat Illinois jährlich mehrere Tausend Menschen durch Krankheiten wie Typhus, dessen Erreger durch Wasser übertragen werden. 1920 wurden in Chicago jedoch keine tödlichen Krankheitserreger mehr durch Wasser verbreitet. Vor allem in armen Ländern wie Indien und Nigeria konnten es sich die Menschen vielerorts nicht leisten, Geldmittel in Klär- und Wasseraufbereitungsanlagen zu investieren.

Wie bei der Luftverschmutzung haben die Industrialisierung und der technische Fortschritt im 20. Jahrhundert eine immer größere Vielfalt von verunreinigenden Substanzen im Wasser mit sich gebracht. In der Wissenschaft wurden neue Chemikalien entwickelt, die in der Natur nicht vorkommen, und einige dieser chemischen Stoffe erwiesen sich in Landwirtschaft und Industrie als überaus nutzbringend. Andere mussten jedoch als bedenkliche Schadstoffe gelten. Ab 1960 traten in Gewässern in Nordamerika bestimmte chemische Verbindungen, so genannte polychlorierte Biphenyle (PCBs), in so hohen Mengen auf, dass Wasserpflanzen und Wassertiere starben und die Lebewesen, die sich von ihnen ernährten, Schäden davontrugen. Nach 1970 wurde in Nordamerika und Europa die Wasserverschmutzung durch einzelne Verursacher dank einer verschärften Gesetzgebung beträchtlich reduziert. Die großflächige Verunreinigung, z. B. durch pestizidhaltige Abwässer aus Landwirtschaftsbetrieben, war jedoch weitaus schwieriger in den Griff zu bekommen. Die Wasserverschmutzung erreichte ihr größtes Ausmaß in den wirtschaftlich schwächeren Ländern, in denen der biologischen Verunreinigung keine Grenzen gesetzt wurden und Chemikalien aus der Industrie oder Landwirtschaft die bereits vorhandene allgemeine Umweltverschmutzung noch verschlimmerten. Gegen Ende des 1. Jahrzehnts im 20. Jahrhundert war China vermutlich am stärksten von dem Problem der Wasserverschmutzung betroffen.

Bodenverschmutzung

In der Epoche der fossilen Brennstoffe hat sich die Erdoberfläche maßgeblich verändert. Häufig sind dieselben Substanzen, die zur Verunreinigung von Luft und Wasser geführt haben, auch im Boden anzutreffen, gelegentlich in gefährlich hohen Konzentrationen, so dass sie eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen darstellen. Während es normalerweise nur in der unmittelbaren Umgebung von Industrieansiedlungen, die giftige Abfälle verursachen, zu einer gravierenden Bodenverschmutzung kam, war das Problem der Versalzung, das in direktem Zusammenhang mit der künstlichen Bewässerung steht, viel weiter verbreitet. Obwohl die systematische Bewässerung immer auch das Risiko mit sich brachte, dass die Böden durch übermäßige Aufschwemmung und steigenden Salzgehalt unbrauchbar wurden –die antiken Kulturen in Mesopotamien zerstörten vermutlich auf diese Weise ihre agrarwirtschaftliche Basis –, so hat die großflächige Bewässerung der heutigen Zeit dieses Problem weltweit verstärkt. In den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden Anbauflächen, die durch ihren übermäßigen Salzgehalt als Folge der Bewässerung unbrauchbar waren, ebenso schnell wieder als Brachland verworfen, wie man neue Flächen bewässern konnte. Die Versalzung der Böden stellt besonders in trockenen Gebieten ein Problem dar, in denen es zu schneller, starker Verdunstung kommt, z. B. in Mexiko, Australien, Zentralasien und im Südwesten der Vereinigten Staaten.

Bodenerosion als Folge des Eingriffs durch den Menschen führte bereits lange vor der Versalzung zu Schwierigkeiten. In der Neuzeit beeinträchtigte die Abtragung von fruchtbaren Böden die landwirtschaftlichen Erträge. Diese Problematik spitzte sich besonders Anfang des 19. Jahrhunderts in den Grenzgebieten zu, die Pioniere in den Vereinigten Staaten, in Kanada, Australien, Neuseeland, Argentinien und anderen Ländern als neue Siedlungsgebiete erschlossen. Graslandflächen, die nie zuvor gepflügt worden waren, wurden für die Bodenerosion durch Wind anfällig. Diese nahm während der Trockenperioden ein verheerendes Ausmaß an, so bei der von Staubstürmen heimgesuchten „Dust Bowl” in Kansas und Oklahoma in den dreißiger Jahren. Die letzte großflächige Bebauung von bislang unberührten Graslandflächen fand in den fünfziger Jahren in der UdSSR statt, als Ministerpräsident Nikita Sergejewitsch Chruschtschow beschloss, den Norden Kasachstans in ein Weizenanbaugebiet zu verwandeln. Fossile Brennstoffe spielten in dieser Zeit ebenfalls eine zentrale Rolle, denn Getreide und Vieh aus diesem Randgebiet wurden auf dem Schienenweg oder mit Dampfschiffen zu weit entfernten Märkten transportiert.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte sich die Besiedlung schließlich von den Graslandflächen in die tropischen Gebiete und Gebirgswaldregionen verlagert. Ab 1950 machten sich Bauern in Asien, Afrika und Lateinamerika zunehmend in wenig bewirtschafteten Wäldern auf die Suche nach Nutzland. Häufig lagen diese Waldgebiete wie in Zentralamerika oder den Philippinen in Bergregionen mit häufigen und heftigen Niederschlägen. Um diese Landflächen bebauen zu können, rodete man die Berghänge, die den starken Regenfällen nunmehr schutzlos ausgesetzt waren, und förderte auf diese Weise die Bodenerosion. Durch die so verursachte Erosion wurden Bodenschichten in den bolivianischen Anden, im Himalaya und in Nordindien sowie in den zerklüfteten Regionen in Ruanda und Burundi abgetragen. Ausgewaschene, minderwertige Böden bedeuten schwierigere Lebensbedingungen für die Bauern in diesen und anderen Landstrichen.

Die Auswirkungen der Bodenerosion gehen jedoch weit über den Verlust wertvollen Bodens hinaus. Durch Erosion abgetragener Boden verschwindet nicht einfach, sondern bewegt sich talabwärts bzw. flussabwärts, um sich an anderen Stellen wieder anzulagern. Häufig sammelt sich die erodierte Erde an ungünstigen Stellen und verursacht z. B. eine Verschlickung von Stauseen oder macht Straßen unpassierbar. Einige Staudämme in Algerien und China wurden nur wenige Jahre nach ihrer Fertigstellung unbrauchbar, da die Dammanlagen durch die Ablagerung von stromaufwärts abgetragener Erde verstopft wurden.

Flora und Fauna

Der Mensch hat die Tier- und Pflanzenwelt ebenso stark beeinflusst wie Luft, Wasser und Boden. Über Millionen von Jahren hat sich das Leben auf der Erde ohne großen Eingriff durch den Menschen weiterentwickelt. Bereits während der ersten Besiedlung von Australien und Nordamerika verursachten die Menschen wahrscheinlich entweder durch Jagd oder den Einsatz von Feuer Massensterben im Tierreich. Mit der Domestizierung von Tieren, die vermutlich vor etwa 10 000 Jahren einsetzte, begann der Mensch eine aktivere Rolle in der biologischen Weiterentwicklung einzunehmen. Im 19. und 20. Jahrhundert hatte sich die Bedeutung des Menschen für das Überleben von Arten derart gewandelt, dass viele Arten heute nur überleben können, weil die Menschen es zulassen.

Einige Tierarten, etwa Haustiere, leben wegen des Menschen heute in erheblich größerer Individuenzahl. Derzeit gibt es ungefähr zehn Milliarden Hühner auf der Erde, das sind etwa 13-15-mal so viele wie vor 100 Jahren. Dies ist auf den Umstand zurückzuführen, dass Hühnerfleisch ein beliebtes Nahrungsmittel darstellt und diese Tiere daher für die Fleischerzeugung gezüchtet werden. Auf ähnliche Weise vermehrt der Mensch die Bestände von Rindern, Schafen, Ziegen und einigen anderen domestizierten Tierarten, um diese zur Deckung seines Nahrungsmittelbedarfs zu nutzen. Darüber hinaus hat die moderne Gesellschaft unbeabsichtigt das Überleben bestimmter anderer Tierarten gefördert. Da die Menschen große Mengen von Lebensmitteln lagern und sehr viel Müll erzeugen, vermehren sich Ratten infolge des im Überfluss verfügbaren Nahrungsangebots. Grauhörnchen breiten sich in den Vereinigten Staaten vor allem aus, weil in Vorstädten Landstriche mit nur wenigen natürlichen Feinden geschaffen wurden.

Wenngleich der Mensch das Überleben weniger Tierarten mehr oder weniger absichtlich sichert, so gefährdet er doch den Fortbestand vieler anderer. Durch die moderne Technologie und den Einsatz von Brennstoffen ist die Erfolgsquote bei der Jagd heute sehr viel höher, so dass Tierarten wie der Blauwal mittlerweile vom Aussterben bedroht sind. Viele andere, insbesondere in Tropenwäldern beheimatete Arten leiden unter der voranschreitenden Zerstörung ihrer Lebensräume. Ohne Absicht und nahezu unbewusst hat die Menschheit eine entscheidende Rolle für das Schicksal vieler Tier- und Pflanzenarten und den Zustand von Wasser, Luft und Erde übernommen. Dem Menschen kommt somit für die weitere biologische Evolution eine zentrale Bedeutung zu.

Die geschichtliche Entwicklung unserer Umwelt in den letzten beiden Jahrhunderten ist von tief greifenden Veränderungen gezeichnet. In nur 200 Jahren hat die menschliche Bevölkerung das Gesicht der Erde stärker verändert als seit dem Beginn der Bodenbearbeitung vor etwa 10 000 Jahren. Luft, Wasser und Erde sind als lebenswichtige Faktoren in Gefahr, und der Fortbestand allen Lebens liegt in den Händen des Menschen. Überwiegend gilt, dass der Mensch niemals erfolgreicher war, sein Leben nie einfacher gestalten konnte. Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe veränderte die Lebensbedingungen auf eine Weise, die in früheren Zeiten nicht vorstellbar war. Ob wir jedoch die langfristige Bedeutung und Verantwortung verstehen – und uns ihr bereitwillig stellen –, ist eine unbeantwortete Frage.

Zum Autor: John R. McNeill lehrt an der Georgetown University als Professor für Geschichte. Er ist Autor des Werks Global Environmental History of the Twentieth Century und hat zahlreiche weitere Publikationen veröffentlicht.

Erscheint in:

Braunkohle; Steinkohle; Luftver­schmutzung; Umwelt; Kohle; Erdöl; Weltenergie­versorgung; Erdgas

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