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Die historischen Essays in Encarta Enzyklopädie geben Kenntnisse und Einschätzungen führender Historiker wieder. Alan T. Wood von der University of Washington in Bothell widmet sich in diesem Beitrag den Unabhängigkeitsbewegungen, die in Asien und Afrika in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden.
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In den vier Jahrhunderten von 1500 bis 1914 stand die Ausweitung der europäischen Macht im Mittelpunkt der Weltgeschichte. Nach 1914 kam es jedoch zu einer Reihe von Ereignissen, die allmählich die Weltherrschaft der Westmächte untergruben. Der 1. Weltkrieg (1914-1918) wirkte wie ein Katalysator. Vier Jahre lang waren die Europäer in einen blutigen Krieg verwickelt. Millionen kamen ums Leben, und die finanziellen Ressourcen des gesamten Kontinents wurden verschwendet. Und gerade, als die Europäer begannen, sich von dieser Katastrophe langsam zu erholen, gerieten sie in die größte wirtschaftliche Depression der Neuzeit. Dann folgte der 2. Weltkrieg (1939-1945). Zum Ende dieses blutigen Konflikts waren die europäischen Mächte so geschwächt, arm und demoralisiert, dass sie kaum die Situation in ihren eigenen Ländern bewältigen konnten. Sie gaben ihre Kolonien auf. In Asien und Afrika nahm die Zahl der nationalistischen Bewegungen zu, die die Schwäche Europas nutzten. Im Laufe von nur einer Generation wurden die Kolonialregierungen gestürzt und eine Reihe unabhängiger Staaten gegründet. Anfang der siebziger Jahre fand damit die 400-jährige europäische Dominanz ein Ende.
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Es gibt eine Reihe gemeinsamer Merkmale, deren Einfluss alle Unabhängigkeitsbewegungen auf dem asiatischen und dem afrikanischen Kontinent unterlagen. Eines dieser Merkmale ist der gemeinsame Feind Europa. Sicherlich verwalteten die einzelnen europäischen Staaten ihre Kolonien auf unterschiedliche Weise. Dennoch war bei allen eine ähnliche Art imperialer Arroganz zu beobachten. Und sie alle hinterließen ihren Kolonien ein institutionelles Vermächtnis, wie z. B. den Nationenstaat, was zu nachhaltigen Änderungen führen sollte.
Die verschiedenen Unabhängigkeitsbewegungen wiesen häufig dieselben paradoxen und widersprüchlich anmutenden Elemente auf. So hatten z. B. die einheimischen intellektuellen und politischen Führer in vielen europäischen Kolonien oft ihre Ausbildung in Europa oder Amerika genossen. Sie hatten die westlichen Ideale von Freiheit und Gleichheit, die die Amerikanische und Französische Revolution geprägt hatten, verinnerlicht. Und natürlich brachten sie diese Ideale, besonders das Streben nach nationaler Souveränität, mit in ihre Heimat zurück. Die Führer zogen noch einen weiteren politischen Prozess zu Lehrzwecken heran – die Russische Revolution. Der Sieg, den sie 1917 in Russland errang, schien wie ein Appell an alle nationalistischen Intellektuellen weltweit, ihre alten Regime aus eigener Kraft zu stürzen. Marxismus, kombiniert mit Nationalismus, ergab ein hochexplosives Gemisch, an dem sich das ganze 20. Jahrhundert hindurch erfolgreiche Revolutionen entzündeten – von China bis Vietnam, Afrika und Kuba. Man kann es Ironie des Schicksals nennen, dass westliche Führer mit der Lehre von Nationalismus und Marxismus denjenigen, die ihnen Widerstand leisteten, die Instrumente für ihre eigene Vertreibung in die Hände spielten.
Ein weiteres Paradoxon zeigte sich, nachdem die Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen waren. Freiheit bedeutete nicht zwangsläufig den gewünschten Wohlstand und die Selbstverwaltung, die viele so eifrig angestrebt hatten. In einigen Fällen erkannten die neuerdings „freien” Menschen, dass an die Stelle ihrer Kolonialherren einfach nur einheimische Diktatoren getreten waren, die die alten kolonialen Institutionen zu ihrem persönlichen Nutzen missbrauchten. In anderen Ländern entstanden neue Formen der wirtschaftlichen Ausbeutung, die aber genauso tyrannisch wie die der Kolonialzeit waren. Ob diese Ausbeutung nur eine andere Form des Kolonialismus darstellte, der manchmal als Neokolonialismus bezeichnet wurde, oder ob sie von den neuen Herren der ehemaligen Kolonien bereitwillig eingeführt wurde, ist unter Historikern nach wie vor eine umstrittene Frage. Einige von ihnen sind der Meinung, dass im Gegensatz zu den Kolonien, die kaum ein Mitspracherecht hatten, in welcher Weise ihre wirtschaftlichen Ressourcen genutzt wurden, die neuen souveränen Staaten durchaus ihre eigene Wahl treffen konnten. Es war ihnen freigestellt, die ausländischen Firmen zu verstaatlichen oder sie ihres Landes zu verweisen, wie es viele von ihnen taten.
Abgesehen von den Merkmalen, die ihnen allen gemeinsam waren, entfaltete jede der Unabhängigkeitsbewegungen auch ganz eigene, charakteristische Züge. Jedes Land musste sich den unterschiedlichsten Herausforderungen stellen. Jedes hatte ein anders geartetes historisches und kulturelles Erbe, das unweigerlich die jeweilige Reaktion auf die Kolonialzeit und die Bestrebungen, die Kolonialherrschaft zu überwinden, beeinflusste. Während einige Länder sich für die gewaltsame Auseinandersetzung entschieden, bevorzugten andere den friedlichen Weg. Einige errangen die Unabhängigkeit schneller als andere, und schließlich gelang es manchen Ländern sogar, ohne ernsthafte Probleme demokratische Regierungsformen einzuführen. Andere wiederum gerieten von der Tyrannei der Kolonialmacht unter die tyrannische Herrschaft eines einheimischen Diktators.
In Afrika waren die Unabhängigkeitsbewegungen ebenso verschiedenartig strukturiert wie die Kolonialmächte, die den Kontinent beherrschten. Großbritannien und Frankreich waren in der Nachkriegszeit die ersten europäischen Mächte, die sich aus ihren Kolonialterritorien zurückzogen, wenn auch nicht immer freiwillig, wie z. B. in Algerien. Das andere Extrem war Portugal, das an seinen Kolonien wie Angola und Moçambique bis zum letzten Moment festhielt. In den meisten Fällen rückten die Briten gewaltlos ab. In den Kolonien mit einer großen Anzahl europäischer Siedler, wie z. B. Kenia und Algerien, konnte die Unabhängigkeit jedoch erst nach schweren Kämpfen erzwungen werden.
Im Großen und Ganzen war die Entlassung der afrikanischen Länder in die Unabhängigkeit das Ergebnis der Bestrebungen der afrikanischen nationalistischen Bewegungen einerseits und der Schwächung der europäischen Mächte als Folge des 2. Weltkrieges andererseits. Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande und Belgien gehörten zu den Verlierern, und Großbritannien war politisch schwach. Als erstes gelang es den Kolonien in Nordafrika – Ägypten, Libyen, Tunesien und Marokko –, ihre Unabhängigkeit zwischen 1952 und 1956 durchzusetzen. 1962 folgte Algerien. Die französischen Siedler widersetzten sich hier den Konzessionsangeboten jedoch erbittert. Sie griffen zum Mittel des Terrorismus und stürzten das Land letztendlich sogar in einen Krieg. Nachdem mehr als eine Million Algerier ihr Leben gelassen hatten, gaben die Franzosen auf.
In den französischen Kolonien südlich der Sahara, in denen etwa 30 Millionen Menschen lebten, waren die Unabhängigkeitsbewegungen sehr aktiv. Sie mussten dennoch warten, bis General Charles de Gaulle Präsident von Frankreich wurde, um ihre Hoffnungen auf Unabhängigkeit Wirklichkeit werden zu lassen. Nur er besaß in Frankreich genügend politischen Einfluss, um den Verzicht auf die koloniale Herrschaft in Afrika durchzusetzen. Innerhalb nur weniger Jahre seiner Präsidentschaft waren die meisten der afrikanischen Länder frei. Eine der bedeutendsten politischen Führungspersönlichkeiten, die aus den ehemaligen französischen Kolonien in Westafrika hervorgingen, war Léopold Senghor. 1906 im heutigen Senegal geboren, studierte er zunächst in Paris und arbeitete später als Lehrer in Frankreich. Nach seiner Rückkehr in den Senegal übernahm er die Führung der senegalesischen Befreiungsbewegung. Von 1960 bis 1980 war Senghor Präsident des unabhängigen Senegal. Er wird oft als der berühmteste Intellektuelle Afrikas bezeichnet und ist ein gefeierter Schriftsteller, dessen Gedichte und Essays weithin bekannt sind.
In der Subsahara-Region Afrikas war das Verhältnis zu den britischen Kolonialherren sehr unterschiedlich. In Westafrika kam die Freiheit auf friedlichem Wege. An der Goldküste (dem heutigen Ghana) entstand 1947, direkt im Anschluss an den 2. Weltkrieg, eine Unabhängigkeitsbewegung. Dort erlangte einer der einflussreichsten Führer Afrikas, Kwame Nkrumah, einen enormen Bekanntheitsgrad. 1957 führte Nkrumah Ghana als erste Nation der Subsahara-Region in die Unabhängigkeit. Nigeria, das Land mit der höchsten Einwohnerzahl auf dem afrikanischen Kontinent, folgte 1960, nur drei Jahre später. Die Briten begrüßten diese Entwicklung zwar nicht unbedingt, aber sie ergriffen auch keine Maßnahmen, um die 1944 einsetzende Bewegung zu unterdrücken. Letztendlich wurde in Nigeria die Unabhängigkeit genauso friedlich wie in Ghana vollzogen.
Oft konnte dieses Ziel aber nur auf gewaltsame Weise erreicht werden. Dies betraf vor allem die Gebiete in Ost- und Zentralafrika, in denen der Bevölkerungsanteil der weißen Siedler überdurchschnittlich hoch war. In Kenia lebten z. B. 60 000 Weiße. Sie waren zu keinerlei Zugeständnissen in Bezug auf eine afrikanische Selbstregierung zu bewegen und eher bereit, ihre Rechte mit Waffengewalt zu verteidigen, als auf ihre Privilegien zu verzichten. Erst nach langen, erbitterten Kämpfen, in denen Jomo Kenyatta zu einer Hauptfigur der modernen afrikanischen Geschichte wurde, erhielt Kenia 1963 seine Unabhängigkeit.
In Rhodesien deklarierten weiße Siedler 1965 die Unabhängigkeit von Großbritannien. Kurze Zeit später errichteten sie einen Polizeistaat, um die afrikanische Bevölkerung zu kontrollieren. Robert Mugabe übernahm die Führung der Widerstandsbewegung, die 1980 die weiße Minderheitsregierung beseitigte, und gründete die Republik Zimbabwe. Mugabe wurde Premierminister und begann, ein Einparteiensystem zu errichten.
1961 löste sich Südafrika von Großbritannien und errichtete wie in Zimbabwe eine Republik, die von weißen Siedlern regiert wurde. Schwarzafrikanern und Indern war es nicht gestattet, politische Ämter zu bekleiden. Neue Gesetze, die Teil einer weit verbreiteten Politik, der so genannten Apartheid, waren, sorgten für die Rassentrennung zwischen der weißen und der afrikanischen Bevölkerung. Die Afrikaner waren gezwungen, in minderwertigen Siedlungen zu leben und schlechtere Schulen zu besuchen. Der Widerstand in der schwarzen Bevölkerung wuchs, besonders unter der Führung des jungen Rechtsanwalts Nelson Mandela. 1962 ließ die südafrikanische Regierung Mandela inhaftieren. 1990 nahm Mandela nach seiner Freilassung Verhandlungen zur Aufhebung der Apartheidpolitik auf und leitete damit den friedlichen Übergang zu demokratischen Regierungsformen ein. 1994 ging er aus den Wahlen, an denen alle ethnischen Gruppen teilnahmen, als Sieger hervor und wurde Staatspräsident Südafrikas. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes existierte eine echte Demokratie.
Das Ende der anderen europäischen Kolonialmächte wie z. B. der Belgier im Kongo, in Ruanda und Burundi war von gewaltsamen Auseinandersetzungen gekennzeichnet, die ein Erbe voller Hass und Misstrauen hinterließen, das seither die regionale Politik belastet. Der Verlust der portugiesischen Kolonien wie Angola und Moçambique, der sich ebenfalls unter blutigen Befreiungskriegen vollzog, bot dem portugiesischen Volk die Möglichkeit, die Diktatur in ihrem eigenen Land zu stürzen. Ironischerweise führte in diesem Fall die Freiheit für die Kolonialvölker zur Freiheit derer, die ihnen das Kolonialjoch aufgezwungen hatten.
In Asien spielte sich die Befreiung von der Kolonialherrschaft geographisch gesehen überwiegend im südlichen bzw. südöstlichen Teil des Kontinents ab. In Südostasien waren die Philippinen das erste Land, das nach dem 2. Weltkrieg seine Unabhängigkeit durchsetzte. Die Vereinigten Staaten hatten nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg im Jahr 1898 die Philippinen besetzt und jegliche Unabhängigkeitsbestrebungen der Filipinos unterdrückt. Mit brutaler Gewalt schlugen amerikanische Truppen zwischen 1899 und 1901 einen bewaffneten Aufstand nieder. Aber 1933, mit dem Amtsantritt Franklin Roosevelts als Präsident der Vereinigten Staaten, änderte sich auch die amerikanische Politik. 1934 verabschiedete der Kongress der Vereinigten Staaten ein Gesetz, das den Filipinos 1946 die Unabhängigkeit zusicherte. Am 4. Juli 1946 wurden die Philippinen eine unabhängige Republik.
Die übrigen Länder Südostasiens hatten wesentlich schwierigere Hindernisse auf ihrem Weg in die Freiheit zu überwinden. Indonesien, heute das Land mit der vierthöchsten Bevölkerungsdichte weltweit, stand unter der Kontrolle der niederländischen Regierung, seitdem die ehemalige niederländische Ostindische Kompanie 1799 ihre Tätigkeit eingestellt hatte. Die indonesische nationalistische Bewegung nahm in den zwanziger Jahren unter der Führung von Sukarno ihren Anfang, wurde aber von den Niederländern unterdrückt. Während des 2. Weltkrieges befand sich Indonesien unter japanischer Besatzung. In dieser Zeit erhielt Sukarno die Erlaubnis, als Gegenleistung für seine Unterstützung der japanischen Kriegsbestrebungen, eine politische Anhängerschaft zu organisieren. Nach Beendigung des Krieges versuchten die Niederländer erneut, die Herrschaft an sich zu reißen, scheiterten aber. 1949, als Indonesien seine Unabhängigkeit erhielt, wurde Sukarno zum Präsidenten gewählt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es in Indochina (dem Gebiet des heutigen Kambodscha sowie von Laos und Vietnam) zu einer weiträumigen Auseinandersetzung zwischen den europäischen Mächten um die Aufteilung der Kolonien. Hier übernahmen die Franzosen 1883 die Macht. Ho Chi Minh, der als junger Mann in Frankreich und in der Sowjetunion lebte, war der Hauptführer der indochinesischen Unabhängigkeitsbewegung. Ebenso wie die Indonesier nutzte auch Ho die japanische Besetzung während des 2. Weltkrieges, um seine eigene Machtposition zu stärken. Als sich die Franzosen nach dem Krieg weigerten, die Herrschaft abzugeben, führte Ho einen Guerillakrieg, der mit dem Rückzug der Franzosen 1954 aus Vietnam seinen Höhepunkt fand. Damit kontrollierte Ho jedoch nur die nördliche Hälfte Vietnams. Zu Beginn der sechziger Jahre versuchte er unter Einsatz des Militärs, auch die Macht in Südvietnam zu übernehmen. 1975, nach einem langen und vernichtenden Krieg, in den vor allem auch die USA verwickelt waren, beschlossen seine Nachfolger, die zwei Teile Vietnams zu einem Gesamtstaat zu vereinen.
Auf der Malaiischen Halbinsel nahm der Einfluss Großbritanniens ab dem 18. Jahrhundert stetig zu. Auch hier kämpften die Anhänger der Unabhängigkeitsbewegungen zur Zeit der japanischen Besetzung während des 2. Weltkrieges in Birma (ab 1989 Myanmar) und Malaysia Seite an Seite mit den Japanern gegen die Briten. Birma errang 1948 die Unabhängigkeit, Malaysia folgte 1957.
Die Anfänge der Befreiungsbewegungen in Indien reichen bis in das 19. Jahrhundert zurück. Der Indische Nationalkongress, der 1885 gegründet wurde, entwickelte sich zur treibenden Kraft des indischen Nationalismus. Der größte Führer und eine der hervorragendsten moralischen und politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts war Mohandas K. Gandhi. Nach seinem Jurastudium in London arbeitete er als Anwalt in Südafrika, wo er sich über die Rassenfeindlichkeit empörte, mit der man den Indern begegnete. Gandhi entwickelte seine eigene Theorie und Praxis des passiven Widerstands, die er Satyagraha (Sanskrit: Hingabe an die Wahrheit) nannte. 1914 machte die südafrikanische Regierung den Indern bedeutende Zugeständnisse – ein Erfolg, der auf die 20-jährigen Anstrengungen Gandhis zurückzuführen war. Beflügelt von diesem Ereignis, kehrte Gandhi nach Indien zurück. Von diesem Moment an bis 1947, als Indien schließlich seine Unabhängigkeit von Großbritannien erhielt, hatte er nur ein Ziel vor Augen: die einzelnen Fäden der indischen Politik zu einer Strategie des gewaltlosen Widerstands gegen die britische Herrschaft zu verknüpfen.
Aber mit der indischen Unabhängigkeit kam auch Gandhis größte Enttäuschung: die Teilung des Landes in den Hindu-Staat Indien und den muslimischen Staat Pakistan. Hunderttausende unschuldiger Menschen wurden getötet, als Hindus über die neuen Grenzen nach Indien und Muslime nach Pakistan abwanderten. Nach so vielen Jahrzehnten gewaltlosen Widerstands gegen die Briten beschleunigte die Unabhängigkeit den Ausbruch von Hass und Gewalt zwischen den Indern. Gandhi selbst wurde eines der Opfer und 1948 von einem Hindu-Fanatiker ermordet.
Nur gezwungenermaßen gaben die europäischen Kolonialmächte ihre Kolonien in Afrika und Asien auf, und dies auch nur, nachdem deutlich wurde, dass sie keine andere Wahl hatten. Aber die Erlangung der Freiheit war nicht immer zugleich das Ende ihres Kampfes. Denn sobald diese Länder frei waren, mussten sie sich der nächsten und vielleicht noch schwierigeren Herausforderung stellen: zu entscheiden, was diese Freiheit bedeutete und wie sie damit umgehen sollten. Sollten sie demokratische Regierungen errichten oder dieselben Regierungsformen beibehalten, gegen die sie gekämpft hatten? In vielen Ländern sind diese Fragen bis heute noch nicht geklärt.
Zum Autor: Alan T. Wood ist Professor für Geschichte an der University of Washington, Bothell. Er ist der Autor von What Does it Mean to be Human?: Balancing Freedom and Authority in World History (Was bedeutet Menschlichkeit?: Der Balanceakt zwischen Freiheit und Staatsmacht) und zahlreichen anderen Publikationen.
Erscheint in:
Asien; Kolonialismus; Dekolonisation; Afrika
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