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Der Beginn der afrikanischen Städtebildung und weltweiter Kontakte

Die historischen Essays in Encarta Enzyklopädie geben Kenntnisse und Einschätzungen führender Historiker wieder. Maghan Keita von der Villanova University in Miami untersucht in diesem Beitrag die Entstehung afrikanischer Stadtgebiete und Stadtstaaten im Mittelalter. Er vertritt die Auffassung, dass der in diesen Gebieten ausgeübte Handel die Grundlage für die Erforschung Afrikas und den Handel der Neuzeit bildete.

Der Beginn der afrikanischen Städtebildung und weltweiter Kontakte

Moschee in Gao
Moschee in Gao
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Von 500 v. Chr. bis ins 19. Jahrhundert unserer Zeitrechnung fanden in Afrika zahlreiche Migrationsbewegungen statt. Die Migrationen der Bantu von Äquatorialafrika in den Süden Afrikas, die bis etwa 4 n. Chr. dauerten, fanden ihren Niederschlag in sprachlichen Banden, die zwei Drittel des afrikanischen Kontinents miteinander verknüpfen. Von 300 bis 1000 n. Chr. war es aber die Urbanisierung, die Ausbreitung städtischer Lebensformen, welche die verschiedenen Regionen Afrikas untereinander und mit der übrigen Welt verband. Durch diesen Prozess wurden Dörfer, die ursprünglich nur ihre Bewohner zu versorgen hatten, zu religiösen Mittelpunkten und zu Handels- und Regierungszentren für eine größere Region. Die Städtebildung und der dadurch geförderte Handel bildeten die Basis für die großen Staaten des afrikanischen Kontinents und trugen zum Welthandel und zur Erforschung Afrikas in der Neuzeit bei.

Frühe Entwicklung von Städten und Staaten

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Ab 300 n. Chr. waren viele afrikanischen Städte Handelszentren. Hier trafen sich Wissenschaftler und Gelehrte. Auch zivile und religiöse Verwaltungseinrichtungen waren dort angesiedelt. Diese afrikanischen Städte waren so unterschiedlich wie die Staaten, zu deren Entstehung sie beitrugen. Aber trotz aller Unterschiede zwischen den Städten und Staaten des afrikanischen Kontinents zeichneten sich die meisten Städte durch eine urbane Kultur aus: eine Kultur, die von einer gewissen Bevölkerungsdichte und durch eine hohe Dichte der Strukturen geprägt ist und aus der vielfältige gesellschaftliche und politische Organisationen erwachsen, die typisch für die Umgebung sind. Diese Kultur überbrückte in vielerlei Hinsicht sprachliche, religiöse und ethnische Grenzen. Durch die Ausbreitung städtischer Lebensformen und die sich daraus ergebende Staatenbildung entstanden spezifische lokale Sprachen und Kulturen. Die Städte repräsentierten die kulturellen Merkmale und Symbole, die über Jahrhunderte hinweg zwischen verschiedenen Gesellschaften ausgetauscht wurden.

Sehr frühe und hoch entwickelte Prozesse der Städte- und Staatenbildung sind in der ägyptischen Hochkultur zu beobachten. Ägypten ist ein Musterbeispiel für die urbane Kultur, die Staatenbildung und die breite kulturelle Wechselwirkung der alten Hochkulturen. Nubien (das Reich Kusch), das für seine urbanen Komplexe bekannt war, entwickelte sich zur gleichen Zeit wie das alte Ägypten. Die berühmten Städte Meroë und Napata waren Verwaltungszentren und Hauptstädte ihrer jeweiligen Region und hatten eine beachtliche Einwohnerzahl.

Nubien und seine Städte, sein Handel und seine kulturelle Ausstrahlung waren für die Identität und die Herausbildung von Städten und Staaten im frühchristlichen Ostafrika von entscheidender Bedeutung. Nubien steht im Mittelpunkt mindestens einer Theorie der kulturellen Ausbreitung. Diese Theorie bringt Nubien und sein Erbe mit der regionalen Verbreitung des Christentums und der Entwicklung der Eisentechnik in der Mitte und im Westen des Sudan in Verbindung.

Im Osten, jenseits des oberen Niltals, entstand das Königreich Aksum (im Norden des heutigen Äthiopiens). Es schuf seine mittelalterliche Identität durch seine alte Volkswirtschaft, seinen Handel und seine religiös-politischen Bündnisse mit dem frühen Staat der Juden. Im frühen Mittelalter (um 400) und bis ins 15. Jahrhundert wurde in Europa, im Südwesten Asiens und in Afrika die herausragende Bedeutung Aksums als christlicher Staat und als Handelsmacht hervorgehoben. Nach den Aufzeichnungen des ägyptischen Mönchs Cosmas aus dem 6. Jahrhundert fuhren von Adulis aus, der wichtigsten Hafenstadt Aksums, Schiffe in den Persischen Golf und bis nach Indonesien. In den Jahrhunderten der Kreuzzüge (1095 bis ca. 1291) hielten europäische Kreuzritter in Aksum und im christlichen Nubien Ausschau nach Verbündeten.

Äthiopien

Die mythischen Dimensionen des äthiopischen Staates mit seinen Verbindungen zur Linie König Salomons und zum Christentum trugen auch zu den religiösen Streitigkeiten bei, welche die Geschichte Ostafrikas von 400 bis 800 begleiteten. Vom 1. bis 5. Jahrhundert konnten die Afrikaner viele wichtige Probleme, denen sich die junge Kirche gegenübersah, untersuchen und beilegen. Frühe kirchliche Aufzeichnungen bestätigen, dass bis etwa 1500 Äthiopier oft zum Schlichten von Streitigkeiten bezüglich der kirchlichen Lehre beigetragen haben. Diesen Aufzeichnungen ist ebenfalls zu entnehmen, dass Kirchenführer die Äthiopier oder Nubier, wie die Äthiopier in frühkirchlicher Zeit genannt wurden, oft die „lieben schwarzen Christen Nubiens und der anderen Länder Oberägyptens” nannten.

Das christliche Äthiopien war ein Kaiserreich. Durch seine religiöse Herrschaft und seine Handelsmacht war es vom Byzantinischen Reich und von den vielen in der islamischen Welt entstehenden Gesellschaften und Staaten anerkannt. Äthiopien war bis hin zur europäischen Atlantikküste ein Begriff.

Swahili-Küste

Mit dem Aufstieg des römischen Ägypten gingen Handelsaktivitäten an der ostafrikanischen Küste einher, die wahrscheinlich durch Nubien und Aksum gefördert wurden. Die Orte dieser Aktivitäten werden im Periplus maris Erythraei, einem Reiseführer über die Seefahrt im Indischen Ozean, beschrieben (etwa 100 n. Chr., unbekannter Verfasser). Im 1. Jahrhundert war in einem Gebiet, das im Norden bis nach Mogadishu im heutigen Somalia und im Süden bis nach Sofala im heutigen Moçambique reichte, der Handel eng mit der Urbanisierung verbunden. In diesen Städten und den von ihnen versorgten Staaten setzte eine Verschmelzung der vorislamischen Kultur ein, die eine von vielen Ausprägungen afroarabischer Kultur darstellte. Die Variante dieser Kultur, die bis in die Neuzeit fortbestanden hat, wird als Swahili-Kultur bezeichnet. Die Handelsstrukturen und städtischen Strukturen der Swahili waren hoch entwickelt und sorgten für so viel Wohlstand, dass sie europäische Besucher auch 1 500 Jahre später noch in Erstaunen versetzten.

Mittleres und südliches Afrika

Von den südlichsten Punkten des Swahili-Handelsnetzes (Sofala und Chibuene) landeinwärts erstreckten sich das südafrikanische Königreich Großzimbabwe und seine Hauptstadt. Es gibt in der Geschichtswissenschaft Spekulationen, wonach Großzimbabwe vom 1. bis 5. Jahrhundert n. Chr. durch Handelsaktivitäten mit anderen Zentren urbaner Aktivitäten verbunden war. Der Entwicklungsstand Großzimbabwes (um 1400) zeigt, dass Urbanisierung und Handel im Süden Afrikas über einen langen Zeitraum hinweg stattfanden und die Erbauer dieser Siedlungen Techniken aus vorgeschichtlichen Zeiten anwandten.

Die Hauptstadt Großzimbabwes war großartig, beeindruckend und rätselhaft zugleich. Ihre Erhabenheit entsprach ihrem Gewicht und ihrem Einfluss. Historische Aufzeichnungen über die Größe der Stadt, über ihre Architektur, ihre Demographie und Gesellschaftsstruktur deuten auf einen komplexen und komplizierten urbanen Raum hin. Unter den Gelehrten ist man aber der Auffassung, dass Großzimbabwe, auch wenn es vielleicht zu den größten urbanen Räumen im Süden Afrikas gehörte, nicht der einzige urbane Raum war. Wir wissen auch, dass sich Großzimbabwe am Küstenhandel entlang des Indischen Ozeans und am Austausch verschiedenster Waren beteiligte. Zu den Importgütern gehörte später auch Porzellan aus China. In diesem Zusammenhang ist auch der unverkennbar von der islamischen und der Swahili-Architektur geprägte Baustil zu nennen. Die Ausdehnung und der Baustil der Stadt verkörperten sowohl den regionalen als auch den internationalen Handel.

Auch wenn Zimbabwe Größe symbolisierte, repräsentierte es doch auch kleinere städtische Gemeinschaften, die über Südafrika verstreut lagen und die möglicherweise älter als Großzimbabwe selbst waren. Archäologische Zeugnisse über Großzimbabwe deuten darauf hin, dass der Goldhandel, der nach Auffassung des arabischen Autors Battuta (1303-1369) das Innere des südlichen Afrika mit der Swahili-Küste verband, mehrere Jahrhunderte früher begann, als Battuta schrieb. Das bedeutet, dass sich der Prozess der Städtebildung im Süden Afrikas möglicherweise zwischen dem 9. und dem 10. Jahrhundert vollzog.

In spätrömischer Zeit (300-400 n. Chr.) wurden Waren aus Afrika bis nach China vertrieben. An der afrikanischen Mittelmeerküste gab es schon vor der Besetzung durch die Römer Städte. Diese mit den Phöniziern und den Griechen in Verbindung gebrachten Städte unterhielten zumindest Handelsbeziehungen ins Innere Afrikas. Mehrere Handelswege erstreckten sich von der Küste bis zur Savanne. Diese Handelswege, die mit Wagen befahren wurden, sind in der Mitte und im Westen des Sudan auf Felszeichnungen dargestellt. Das Vorhandensein dieser Wege lässt darauf schließen, dass zwischen dem Mittelmeer und dem Inneren Afrikas bereits vom 1. bis zum 10. Jahrhundert Handel stattfand, auch wenn er zeitweilig unterbrochen war.

Die urbane Besiedlung begann am Unterlauf des Niger an Orten wie Jenne-Jenno zwischen dem 1. und dem 4. Jahrhundert. Jenne, die Stadt, die aus einer solchen Siedlung hervorging, wurde vom Mittelalter bis in die Neuzeit von drei Reichen für sich vereinnahmt. Alle afrikanischen Großreiche im Westen des Sudan (Ghana, Mali und Songhai) beanspruchten Jenne für sich.

Der Ausbau der Handelsnetze 600 bis 1000 n. Chr.

Bis zum Jahr 600 und zu den Anfängen des Islam waren die Mitte und der Westen des Sudan buchstäblich mit Städten übersät, und es sollten noch mehr werden. Auch wenn diese Städte vielleicht von unterschiedlichen Sprachen oder Volksgruppen geprägt waren, so hatten sie doch eine gemeinsame urbane Kultur, die weit verbreitete Handelsnetze möglich machte. Waren und Kultur wurden von Westen nach Osten bewegt, von Norden nach Süden und wieder zurück. Die Sicherheit der Stadtstrukturen bot die Gewähr für den Handelsaustausch und den Aufstieg des Islam im Sudan.

Das Soninke-Königreich in Ghana ist ein Paradebeispiel für die frühmittelalterliche Staatenbildung im Sudan. Die Ursprünge und Veränderungen der mündlichen und literarischen Überlieferungen gehen auf die Zeit der Städtebildung und die Expansion des Königreichs Ghana durch Eroberung und Handel zurück. Im späten 8. Jahrhundert sahen arabische Chronisten Ghana als das „Land des Goldes”. Die Handelsnetze, die dieser Staat in vorislamischer Zeit (zwischen 400 und 600 n. Chr.) aufgebaut hatte, waren später für die muslimischen Händler sehr interessant. Das Beispiel Ghanas zeigt, wie alt der Transsaharahandel ist und welch langen Zeitraum er überdauerte. Das Königreich Ghana war auch die Basis für die Nachfolgestaaten Mali und Songhai.

Die Handelswege durch die Sahara und die Verbindungen zu der Swahili-Küste waren Handelsnetze, die nicht nur Afrika mit der Weltwirtschaft verbanden, sondern auch die lokale und regionale Dynamik des afrikanischen Handels betonten. Sowohl der internationale als auch der regionale Handel führte in Städte an der Küste und im Binnenland. Die Städte zogen Händler und deren Waren magnetisch an. Die Sicherheit wiederum, die diese Städte sowohl einheimischen als auch ausländischen Händlern boten, sprachen die Fähigkeit der Staaten und des Staatsapparats zur Kontrolle von Ressourcen und Handelswegen an.

Bis zum 10. Jahrhundert setzte die Städtebildung im Südosten des Kontinents auf breiter Front ein. Sie erfolgte von Zimbabwe zur Ostküste und nach Norden in Richtung Ägypten, dann hinüber zum Sudan und zur Regenwaldregion hin, die zur Atlantikküste führte. Durch die Ausbreitung dieser frühen Städtebildung nach Südwesten entstanden die neuen afrikanischen Städte und Staaten, die einen gleichberechtigten Platz in der späteren Atlantikregion einnahmen. Ein großer Teil des Erbes der neuen afrikanischen Städte war eng mit dem regionalen und internationalen Handelsverkehr der früheren Städte und Staaten verbunden: dem Transsahara- und dem Swahili-Handel.

Arabische Geographen und Chronisten des 18. Jahrhunderts waren mit die ersten, die sich an diese frühen Städte des 4. bis 10. Jahrhunderts erinnerten. Diese Stadtgebilde waren Grundlage und Triebfeder für die Neuzeit. Die Städte und Königreiche, die aus einem Kontinent hervorgingen, der reich an Gold und anderen Waren war und ein großes landwirtschaftliches Potential besaß, verbanden schnell Menschen aus allen Regionen durch ein kulturelles Netz und ein Handelsnetz. Die Städtebildung war Ausdruck einer schon lange bestehenden Handelstätigkeit, die Afrika regional und international mit fernen Ländern wie China verband. Mit dem Wachstum der städtischen Zentren nahmen auch der Handel und der religiöse und kulturelle Austausch zu.

Zum Autor: Maghan Keita ist außerordentlicher Professor für Geschichte an der Villanova University in Miami. Er ist Autor von Riddling the Sphinx: Race, the Writing of History und America’s Culture Wars sowie anderer Publikationen.

Erscheint in:

Äthiopien; Afrika; Handel; Königreich Ghana; Urbanisierung; Swahili (Ethnologie); Nubien; Songhai; Reich Mali

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