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Die historischen Essays in Encarta Enzyklopädie geben Kenntnisse und Einschätzungen führender Historiker wieder. Herbert F. Ziegler, Professor an der University of Hawaii in Manoa, erläutert in diesem Beitrag, warum man die Folgen des 2. Weltkrieges kennen muss, um die politische, wirtschaftliche und technologische Struktur der heutigen Welt verstehen zu können.
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Der 2. Weltkrieg endete mit der Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 und der Kapitulation Japans am 14. August 1945. Die Statistiken dieses bewaffneten Konflikts stellen alle bis dato geführten Kriege in den Schatten. Etwa 1,7 Milliarden Menschen aus 61 Nationen waren in Europa, Ostasien, Südostasien, Nordafrika und den pazifischen Inseln an den Kämpfen beteiligt, die zu Land, zu Wasser und in der Luft wüteten. Der 2. Weltkrieg hinterließ eine Spur der Vernichtung und Verwüstung, wie es sie in der Menschheitsgeschichte noch nie zuvor gegeben hatte. Er kostete circa 55 Millionen Soldaten und Zivilpersonen das Leben und zerstörte unzählbare Besitztümer. Für eine ganze Generation von Männern und Frauen überall auf der Welt war der 2. Weltkrieg „der Krieg”.
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Der 2. Weltkrieg beeinflusste die ganze Welt. Deshalb ist Wissen über diesen Krieg zum Verständnis der Gegenwart unerlässlich. Wie die Menschen sich an den Krieg erinnern, steht in direktem Zusammenhang mit ihren Nachkriegserfahrungen. Der Krieg war zwar ein globaler Konflikt, dennoch verbinden Betroffene damit immer individuelle Erlebnisse. Während die Japaner den 2. Weltkrieg den Großen Ostasiatischen Krieg nennen, ist es für die Chinesen der Krieg des Widerstands gegen den japanischen Aggressor. Für die meisten Bürger der ehemaligen UdSSR bleibt der Krieg der Große Vaterländische Krieg, während Solomon-Insulaner ihn einfach und zutreffend den „Großen Tod” nennen.
Die Politik der Gegenwart und der historische Rückblick haben zudem Einfluss darauf, wie der Krieg und folglich auch die Nachkriegsgeschichte heute beurteilt werden. Russische Historiker haben z. B. oft die Bedeutung der alliierten Invasion 1944 in der Normandie für die Beendigung des Krieges heruntergespielt oder gar ignoriert. Dagegen heben sie die strategische Wichtigkeit der Ostfront und die heroischen Vormärsche der Roten Armee gegen das Dritte Reich hervor. Auf der anderen Seite haben die Amerikaner den so genannten D-Day, den Tag der Landung der Alliierten in der Normandie, häufig als die militärische Schlüsseloperation betrachtet und dabei regelmäßig die zentrale Rolle der UdSSR für die Beendigung des Krieges in Europa außer Acht gelassen.
Kurz gesagt, die unterschiedlichen Sichtweisen des 2. Weltkrieges führten zu unterschiedlichen Geschichtsschreibungen und Erklärungsmodellen. Vielleicht ist eine möglichst ausgewogene Beurteilung des 2. Weltkrieges und seiner Folgen nur durch eine globale Annäherung zu erreichen, eine Annäherung, welche die nationalen und regionalen Sichtweisen zurückstellt und sich stattdessen mit den Einflüssen des Krieges auf die gesamte Welt beschäftigt.
Die unmittelbare Folgen des 2. Weltkrieges waren die durch ihn hervorgerufene materielle Zerstörung und das Elend der Menschen. Mit dem 1. Weltkrieg wurde das Modell eines totalen Krieges eingeführt, das die Nationen in diesem neuen Konflikt schnell übernahmen. Das Konzept des totalen Krieges basiert auf der Voraussetzung, dass Kriege zwischen Völkergemeinschaften geführt werden. Dementsprechend hoch war der wirtschaftliche und personelle Einsatz im 2. Weltkrieg. Die Regierungen mobilisierten beispielsweise insgesamt rund 110 Millionen Bürger für den Militärdienst. Darüber hinaus brachte es die Natur des Konflikts mit sich, dass eine noch nie da gewesene Zahl von Frauen und Kindern, oft in Uniform und Seite an Seite mit den Männern, an den Kampfhandlungen beteiligt war. 1943 hatten die sowjetischen Führer circa 900 000 Frauen (ungefähr 8 Prozent des gesamten sowjetischen Militärpersonals) für die Rote Armee rekrutiert. Gleichzeitig hatte Hitler, während das Dritte Reich schon dem Untergang geweiht war, zwölfjährige Jungen zur Verteidigung des Vaterlands aufgerufen. Die Mobilisierung breiter Massen, die beispiellose materielle Zerstörung und die ungeheure Zahl von Toten waren allesamt Teil des verheerenden totalen Krieges.
Während des Krieges wurde die Vernichtung ganzer Volksgruppen zu Kriegszielen erklärt, und bis 1945 starben mindestens 55 Millionen Menschen. Es gab keinen Unterschied mehr zwischen Front und Heimat, und mehr als die Hälfte der Toten kamen aus der Zivilbevölkerung und wurden Opfer von Bomben, Massakern und Hungersnöten. Ein noch dunkleres Kapitel des Krieges war die Verfolgung und Ermordung ganzer Bevölkerungsgruppen, die man zu Feinden oder unerwünschten Personen erklärte. Die nationalsozialistischen Machthaber hatten sich die Vernichtung der europäischen Juden zum Ziel gesetzt, und im Holocaust starben weit über fünf Millionen Juden. Die Verfolgung ethnischer Gruppen und die Deportationen von Gefangenen und Zwangsarbeitern kosteten weitere ungezählte Millionen Menschen das Leben.
Der totale Krieg wirkte sich außerdem weltweit auf die Wirtschaft aus. Bei Kriegsende wurde fast die Hälfte aller Güter und Dienstleitungen innerhalb der Weltwirtschaft in den Vereinigten Staaten produziert. Außer in Nordamerika hatte der Krieg alle wichtigen Industriezentren der Welt lahm gelegt. Die meisten Landstriche Japans sowie Mittel- und Osteuropa waren verwüstet, die Städte zerbombt, die Industrien und Werften zerstört, die Wasserwege vom Schutt blockiert. Überall war die landwirtschaftliche Produktion dramatisch zurückgegangen, und in Europa wurden die meisten der 45 Millionen heimatlosen Überlebenden des Krieges durch die amerikanischen Hilfslieferungen am Leben erhalten. Aber auch dann, wenn man den Krieg am Ausmaß des Verlustes von Leben, Wohnung, Eigentum und Industrie maß, war sein Vermächtnis doch um vieles größer.
Eine weitere Folge des 2. Weltkrieges war die Gründung einer neuen internationalen Organisation, deren Ziel es war, den Frieden, die Zusammenarbeit der Völker und die Menschenrechte zu fördern. 1945 schlossen sich die Nationen, die sich zum Ziel gesetzt hatten, den nach diesem totalen Krieg schwer erkämpften Frieden zu wahren, zusammen und gründeten die Vereinten Nationen (United Nations Organization, UNO). Die UNO ist eine Organisation souveräner Staaten, welche die jeweiligen Mittel zur Verfügung stellt, um internationale Krisensituationen zu bewältigen und Lösungen für Probleme zu finden, welche die Grenzen und Möglichkeiten einzelner Staaten überschreiten.
Das Gründungsdokument der Organisation, die Charta der Vereinten Nationen, war ein internationaler Vertrag, der seine Mitglieder verpflichtete, ihre Konflikte auf friedlichem Wege beizulegen. Das bedeutete, dass sie gegenüber anderen Staaten keine Drohungen äußern oder Gewalt anwenden durften. Die Hauptverantwortlichkeit zur Erhaltung von Frieden und Sicherheit liegt beim Sicherheitsrat, der sich aus 15 Mitgliedern zusammensetzt. Um seinen Entscheidungen Nachdruck zu verleihen, stehen dem Sicherheitsrat verschiedene Mittel zur Verfügung. Er kann Wirtschaftssanktionen gegenüber Ländern, die den Frieden bedrohen, verhängen, Friedenstruppen in Krisengebiete entsenden, um gegnerische Parteien zu trennen oder ein Friedensabkommen zu erwirken, und eine Koalition von Mitgliedsstaaten beauftragen, in einen Konflikt mit militärischen Mitteln einzugreifen.
Obwohl die Effektivität der friedenssichernden Maßnahmen der UN häufig in Zweifel gezogen wird, geben die meisten Experten zu, dass die UN das Leben vieler Menschen positiv beeinflussen. Mit verschiedenen Gremien, wie z. B. der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO), dem Welternährungsprogramm (World Food Programme, WFP) oder der UNICEF (United Nations International Children’s Emergency Fund, Fonds der Vereinten Nationen für internationale Kindernothilfe), nehmen sich die UN weltweit humanitärer Probleme an. Überall sind die UN und ihre Gremien im Einsatz, sei es bei der Bekämpfung von Seuchen oder Hungersnöten, bei der Durchsetzung von Rechten für Frauen und Kinder, bei der Flüchtlingshilfe, bei der Verbesserung der Lebensmittelproduktion oder bei der Vergabe von Darlehen an Entwicklungsländer. In den letzten zehn Jahren haben die UN-Organisationen u. a. Trinkwasser für 1,3 Milliarden Menschen in ländlichen Gebieten erschlossen, in Entwicklungsländern an der Einrichtung von Programmen zur Familienplanung mitgewirkt und den Erreger der Pockenkrankheit ausgerottet.
Durch den 2. Weltkrieg hat auch das Völkerrecht eine Aufwertung erfahren. Die siegreichen Alliierten waren entschlossen, diejenigen, die unter dem Verdacht standen, den Krieg verursacht und viele der Kriegsverbrechen verübt zu haben, vor Gericht zu bringen. Nach Beendigung des Krieges richteten die Alliierten internationale Militärtribunale ein, um Kriegsverbrecher anzuklagen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen den Frieden aufzuklären und die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.
Bei den Kriegsverbrechertribunalen in Nürnberg (November 1945 bis Oktober 1946) waren die überlebenden Führer des nationalsozialistischen Regimes die Hauptangeklagten. Andere, so z. B. Adolf Hitler, Propagandaminister Joseph Goebbels und der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, hatten sich der Verfolgung durch Selbstmord entzogen. Auch Industrielle, die aus Zwangsarbeit Profite geschlagen hatten, oder Ärzte, denen grausame Experimente an Menschen vorgeworfen wurden, mussten sich in den Prozessen der Nachkriegszeit verantworten. Zwölf der 22 in Nürnberg angeklagten Hauptkriegsverbrecher wurden hingerichtet. In den Besatzungszonen der westlichen Alliierten fanden zusätzliche Prozesse statt, und bis 1960 hatte man mehr als 5 000 Verbrecher angeklagt und 500 Todesurteile vollstreckt. In gesonderten Verfahren klagten die Sowjets weitere 10 000 Deutsche an und ließen viele von ihnen hinrichten.
Das internationale Kriegsverbrechertribunal in Tokyo (Mai 1946 bis November 1948) verurteilte sieben der 25 japanischen Kriegsverantwortlichen zum Tod, darunter auch den früheren Ministerpräsidenten General Tojo Hideki. Im gesamten ehemaligen japanischen Reich fanden weitere Prozesse statt, in denen japanische Häftlinge unterschiedlichster Verbrechen, von der Folter Kriegsgefangener bis zu Grausamkeiten gegenüber der örtlichen Bevölkerung, angeklagt wurden. Mehr als 900 Angeklagte wurden hingerichtet.
Während es bezüglich der Prozesse und Verurteilungen im Rahmen der Verfolgung von Kriegsverbrechen kaum gegensätzliche Meinungen gab, wurden gegen die erstmals in Nürnberg und Tokyo vor Gericht gebrachten Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Frieden zwei Kritikpunkte laut. Zum einen hatte es vor dem Krieg keine konkrete Rechtsprechung in Bezug auf solche Verbrechen gegeben, folglich konnten die unter Anklage Stehenden im juristischen Sinn nicht belangt werden. Zum anderen wurden nur Personen der Verlierernationen oder ihrer Verbündeten verfolgt, was die Tribunale und ihre Verfahren in den Augen vieler ungerecht erscheinen ließ. Trotzdem erkannte die Generalversammlung der Vereinten Nationen 1946 die Grundprinzipien der Rechtsprechung in den Tribunalen an. Und 1950 erklärte die Völkerrechtskommission Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen den Frieden und die Menschlichkeit zu Völkerrechtsverletzungen.
Ein unbeabsichtigtes Ergebnis der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Europa war die Gründung eines jüdischen Staates. Der Holocaust hatte unter den jüdischen Überlebenden und Zionisten (jüdischen Nationalisten) den Wunsch vertieft, Palästina zu einem jüdischen Staat zu machen, der in der Lage sein sollte, die Juden der Welt zu verteidigen. Seit Ende des 18. Jahrhunderts siedelten Zionisten in Palästina, und das Ende des 2. Weltkrieges verstärkte ihr Verlangen, sich in diesem Gebiet eine dauerhafte Zufluchtsstätte und einen sicheren Ort für ihre Religionsausübung einzurichten. Palästina war jedoch kein menschenleerer Hafen, der nur darauf wartete, die Juden Europas aufzunehmen. Seit dem Ende des 1. Weltkrieges hatte Großbritannien ein Mandat in Palästina und versuchte immer wieder, die Interessen der jüdischen Einwanderer mit denen der arabischen Palästinenser, denen das Land gehörte, in Einklang zu bringen. Großbritannien erließ Beschränkungen für die Einwanderung und Besiedlung durch Juden, während es gleichzeitig den Arabern versprach, deren politischen und wirtschaftlichen Rechte zu schützen. Aber letztendlich waren die Bemühungen, diesen beiden grundverschiedenen Zielen gleichzeitig gerecht zu werden, vergeblich. Die feindliche Gesinnung der Araber gegenüber der britischen Besatzung und den zionistischen Siedlungsvorhaben in Wechselwirkung mit jüdischem Widerstand gegen die Einwanderungsquote führten zu wiederholten Gewaltausbrüchen, die das britische Militär kaum noch unter Kontrolle bekam.
Kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges kündigte Großbritannien seine Absicht an, sich aus Palästina zurückzuziehen. Die Briten legten die Palästina-Frage 1947 den gerade erst gegründeten UN vor. Die Generalversammlung der UN empfahl die Teilung Palästinas in zwei Staaten, einen für Juden und einen für Araber, und die Schaffung zweier internationaler Enklaven für Jerusalem und Bethlehem, weil sich in diesen beiden wichtige religiöse Stätten für Juden, Muslime und Christen befinden. Für die meisten Juden war die Teilung ein akzeptabler Plan, für Araber innerhalb und außerhalb Palästinas jedoch war diese Lösung unannehmbar. Während die Briten ihren Rückzug abschlossen, brach zwischen Juden und Arabern ein Bürgerkrieg aus. Im Mai 1948 riefen die Juden den unabhängigen Staat Israel aus und provozierten so einen Angriff der umliegenden arabischen Staaten. Dieser erste arabisch-israelische Krieg endete mit einem Sieg des jüdischen Staates. Er endete auch mit der Flucht von mehr als der Hälfte der arabischen Bevölkerung Palästinas. Bis zum heutigen Tag bedroht die Feindseligkeit, welche die Gründung Israels hervorgerufen hat, den Frieden und die Stabilität im Nahen Osten.
Der 2. Weltkrieg wirkte als Katalysator für Wissenschaft und Technologie und sorgte in Bereichen wie Forschung und Entwicklung für einen technologischen Schub. Vor dem Ausbruch des Krieges hatten Wissenschaftler in britischen, deutschen und sowjetischen Forschungslaboratorien in einem Kopf-an-Kopf-Rennen um die modernste Rüstungstechnologie gekämpft. Da die Regierungen die militärische Forschung zur nationalen Priorität erklärten, produzierten Wissenschaftler und Ingenieure neue Produkte und Geräte in Schwindel erregenden Mengen. Der Bedarf des Militärs an Aufklärungsapparatur zur Identifizierung und Ortung von Zielen sorgte z. B. für die beschleunigte Entwicklung des Radars. Auch die moderne Flugzeugturbine ist ein Ergebnis derartiger militärischer Bedürfnisse. Das US-Institut für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung förderte die Produktion in der Rüstungstechnologie, wie z. B. die Radarsteuerung für Raketen und die Panzerfaust, die so genannte Bazooka. Andererseits kamen aus diesem Institut aber auch Beiträge zur Entwicklung von DDT für die Bekämpfung von Malariamücken und zur Verbreitung des Antibiotikums Penicillin für die Wundbehandlung.
Nichts hat jedoch die militärischen und politischen Strategien der Nachkriegszeit mehr beeinflusst als die wissenschaftliche und technologische Entwicklung von Raketen und der Atombombe. Als das Kriegsglück sich zu kehren begann, beauftragte das nationalsozialistische Regime deutsche Raketenkonstrukteure damit, Geschosse zu entwickeln, die ihre explosive Ladung auf einer gekrümmten Flugbahn über weite Strecken transportieren konnten. 1944 setzten die Deutschen rund 4 300 V2-Raketen gegen Ziele in Westeuropa und England ein. Die Aufbereitung des Atoms für militärische Zwecke war in seiner Wirkung noch weit dramatischer. 1938 glückte es deutschen Physikern, die Kernfusion wirkungsvoll zu demonstrieren, woraufhin Wissenschaftler in Großbritannien, Frankreich, der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten zu Recht die Konstruktion einer atomaren Bombe befürchteten. Letztendlich gewannen die Vereinigten Staaten den Wettlauf. Unter dem Codenamen Manhattan Project wurde der mit Regierungsgeldern finanzierte Bau der weltweit ersten Atombombe durchgesetzt. Im Juli 1945 läutete eine Testexplosion in New Mexico das Atomzeitalter ein. Von offizieller Seite dachte man wenig oder gar nicht über die möglicherweise verheerenden Auswirkungen dieser Erfindung nach. Im Kalten Krieg der Nachkriegszeit drohten Nuklearwaffen, besonders in Verbindung mit Fernraketen, die ganze Erde in eine atomare Wüste zu verwandeln.
Das Ende des 2. Weltkrieges signalisierte einen dramatischen Wandel in den globalen Beziehungen. Durch den Krieg waren Deutschland, Japan, Großbritannien und Frankreich gezwungen, auf ihre Führungsrollen in der Welt zu verzichten. Während diese Länder im wirtschaftlichen, politischen und militärischen Sinn nicht länger zu den Großmächten zählten, traten zwei neue Supermächte, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, an ihre Stelle. Die kollektiven politischen Strategien und Aktionen dieser Supermächte sollten für mehr als 45 Jahre die internationalen Beziehungen und das weltweite Gleichgewicht der Kräfte dominieren.
Die politischen Führer der Vereinigten Staaten und der UdSSR hatten 1941 ihre Kräfte gebündelt, um einen gemeinsamen Feind zu besiegen. Letztendlich war die Beendigung des Krieges dem materiellen und militärischen Übergewicht dieser beiden Staaten zu verdanken. Diese Kriegsallianz, die immer eine Zweckgemeinschaft gewesen war, brach jedoch kurz nach 1945 angesichts unterschiedlicher Vorstellungen und politischer Ziele sowie aufgrund tief verankerter ideologischer Feindseligkeiten zusammen. Ab 1947 waren beide Seiten in einen Machtkampf verstrickt, den politische Beobachter den „Kalten Krieg” nannten. Ohne, dass es zu direkten militärischen Konfrontationen kam, breitete sich der Kalte Krieg bald über die Grenzen Europas aus und nahm den Charakter einer weltweiten geopolitischen und ideologischen Rivalität an, die bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 andauerte.
Der Kalte Krieg war nicht nur einfach eine Rivalität zwischen Großmächten. Im Kern trug er den Konflikt zwischen den unterschiedlichen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Systemen in sich, einen Konflikt, der bis zur Russischen Revolution 1917 zurückreichte. Dieser Gegensatz von Kapitalismus und Demokratie einerseits und Sozialismus und einer Einparteienpolitik andererseits drückte sich in einer Spaltung der Welt in militärische Bündnisse und politische Blöcke aus. Diese Spaltung führte zu einem nie da gewesenen Rüstungswettlauf, der die Welt immer wieder mit nuklearer Vernichtung bedrohte. Der Kalte Krieg war auch die Ursache für diplomatische Krisen und kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Armeen der Vereinigten Staaten und der UdSSR in Korea, Vietnam, Afghanistan und anderen Ländern. Darüber hinaus beeinflusste die Rivalität der Supermächte die Außenpolitik, die politischen Einrichtungen und die Wirtschaftssysteme nahezu aller Gemeinschaften auf dem gesamten Globus.
Viele Staaten – besonders Kolonien, die vor kurzem ihre Unabhängigkeit erlangt hatten – propagierten eine Politik der Blockfreiheit, um nicht zu Schachfiguren im politischen Spiel des Kalten Krieges zu werden. Aber sowohl die UdSSR als auch die Vereinigten Staaten nutzten militärische und wirtschaftliche Strategien, um, wie es US-Präsident John F. Kennedy (1917-1963) beschrieb, „die Herzen und Köpfe der unterentwickelten und neutralen Völker der Welt” zu gewinnen. Beide Seiten unterstützten nicht selten brutale Diktaturen zum Ausbau ihrer eigenen geopolitischen Vorteile. Während der sechziger Jahre ging der Prozess der Entkolonialisierung mit der Intensivierung des Kalten Krieges einher.
Wie der Kalte Krieg war auch die Entkolonialisierung – oder der Verlust kolonialer Besitzungen – die Ursache großer Veränderungen in der Weltpolitik. Der 2. Weltkrieg hatte dem schnellen Zerfall der großen Kaiserreiche Europas und Japans den Boden bereitet. Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges hatten die westeuropäischen Staaten – mit der bemerkenswerten Ausnahme Spaniens – noch immer die Kontrolle über enorme Gebiete in Asien, Afrika und im Pazifik. 1941 verkündete der britische Premierminister Winston Churchill voller Selbstvertrauen: „Ich bin nicht Premierminister Ihrer Majestät geworden, um die Auflösung des Britischen Empire zu beaufsichtigen.” Aber Churchills Optimismus beruhte auf einer entscheidenden Fehleinschätzung.
Die Siege der deutschen und japanischen Armeen in Europa und Asien hatten die militärische Schlagkraft und die Aura der Unbesiegbarkeit der europäischen Kolonialmächte zutiefst erschüttert. Als die nationalistischen Unabhängigkeitsbewegungen in den Kolonien und Protektoraten immer stärker wurden, begann die heimatliche Bevölkerung der Kolonialmächte, die weit entfernten Imperien zunehmend als Belastung zu sehen. Eine Fortsetzung der Kolonialpolitik erschien als unbequeme finanzielle Belastung, insbesondere vor dem Hintergrund des langen Krieges, der die wirtschaftlichen Kräfte der Kolonialmächte stark geschwächt hatte. 1945 setzte die Entkolonialisierung ein, die schon bald einen immer schnelleren Verlauf nahm. Während der europäische Imperialismus zusammenbrach, schlossen sich mehr als 90 unabhängige Staaten der Weltgemeinschaft der Nationalstaaten an, und rund 800 Millionen Menschen nahmen ihr Geschick in die eigenen Hände.
In den neunziger Jahren war der Prozess der Entkolonialisierung im Wesentlichen beendet. Europäische Imperien sind entweder untergegangen oder beschränken sich auf den einen oder anderen Anspruch hinsichtlich eines verstreut liegenden Grundbesitzes. Zudem ging der Kalte Krieg mit dem Wiedererstarken der Demokratie in Osteuropa, dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wiedervereinigung Deutschlands zu Ende. Der 2. Weltkrieg hatte die Entkolonialisierung und den Kalten Krieg initiiert, und diese beiden Phänomene prägten die Welt seit Kriegsende politisch und wirtschaftlich. Es ist zwar offensichtlich, dass Entkolonialisierung und Kalter Krieg inzwischen am Ende sind, was aber an ihre Stelle treten wird, ist weit weniger klar. In der Zwischenzeit haben technologischer Fortschritt und wissenschaftliche Erkenntnisse in der Weltwirtschaft neue Blüten getrieben. Der jüdisch-palästinensische Konflikt im Nahen Osten bleibt weiterhin ungelöst. UN und Völkerrecht schwanken immer wieder zwischen Macht und Ohnmacht. Wie die Geschehnisse des 2. Weltkrieges sich in den kommenden Jahrhunderten weiterhin auf unsere Welt auswirken werden, bleibt abzuwarten. Aber wenn wir die Bedeutung der Kriege verstehen, können wir auch die Welt in ihrer fortschreitenden Entwicklung besser begreifen.
Zum Autor: Herbert F. Ziegler ist Professor für Geschichte an der University of Hawaii in Manoa. Er ist der Autor von Nazi Germany’s New Aristocracy: The SS Leadership, 1925-1939 (Die neue Aristokratie Deutschlands unter den Nationalsozialisten: die SS-Führung, 1925-1939) und verfasste zusammen mit Jerry H. Bentley Traditions and Encounters: A Global Perspective on the Past (Traditionen und Begegnungen: Die Vergangenheit im globalen Überblick).
Erscheint in:
Kalter Krieg; Israel; Dekolonisation; Holocaust; Zweiter Weltkrieg; Vereinte Nationen
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