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Briefwechsel zwischen Clara und Robert Schumann

Die Beziehung zwischen dem jungen Komponisten Robert Schumann und der gefeierten Konzertpianistin Clara Wieck begann Ende 1835, wurde aber durch Claras Vater Friedrich Wieck, Schumanns Klavierlehrer, behindert. Der im August 1837 einsetzende Briefwechsel zeugt von den Schwierigkeiten, die die beiden Liebenden zu überwinden hatten. In dem Brief an Friedrich Wieck vom 13. September 1837, Claras 18. Geburtstag, hielt Schumann um die Hand seiner Tochter an. Die Einwilligung zur Ehe wurde aber erst durch einen Beschluss des Leipziger Appellationsgerichts am 1. August 1839 erteilt. Robert Schumann und Clara Wieck heirateten am 12. September 1840 in Schönefeld bei Leipzig.

Briefwechsel zwischen Clara und Robert Schumann

Robert an Clara am 13. August 1837

Sind Sie noch treu und fest? So unerschütterlich ich an Sie glaube, so wird doch auch der stärkste Mut an sich irre, wenn man gar nichts von dem hört, was einem das Liebste auf der Welt. Und das sind Sie mir. Tausendmal habe ich mir alles überlegt und alles sagt mir: Es muß werden, wenn wir wollen und handeln. Schreiben Sie mir nur ein einfaches Ja, ob Sie Ihrem Vater gerade an Ihrem Geburtstage (zum 13. September) einen Brief von mir selbst geben wollen. Er ist jetzt gut gegen mich gesinnt und wird mich nicht verstoßen, wenn Sie noch für mich bitten.

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Dies schrieb ich gerade am Tage Aurora. Wäre es, daß uns nur eine Morgenröte noch trennte. Vor allem halten Sie fest daran: Es muß werden, wenn wir wollen und handeln.

Von diesem Briefe sagen Sie gegen niemanden; es könnte sonst alles verdorben werden.

Vergessen Sie also das „Ja” nicht. Ich muß erst diese Versicherung haben, ehe ich an etwas Weiteres denken kann.

Alles dies meine ich aus voller Seele so, wie es dasteht, und unterschreibe es mit meinem Namen.

Clara an Robert:

Leipzig, den 15. August 1837

Nur ein einfaches „Ja” verlangen Sie? So ein kleines Wörtchen – so wichtig! Doch – sollte nicht ein Herz so voll unaussprechlicher Liebe, wie das meine, dies kleine Wörtchen von ganzer Seele aussprechen können? Ich tue es, und mein Innerstes flüstert es Ihnen ewig zu.

Die Schmerzen meines Herzens, die vielen Tränen, konnt ich das schildern – o nein! – Vielleicht will es das Schicksal, daß wir uns bald einmal sprechen und dann – Ihr Vorhaben scheint mir riskiert, doch ein liebend Herz achtet der Gefahren nicht viel. Also abermals sage ich: „Ja!” Sollte Gott meinen achtzehnten Geburtstag zu einem Kummertag machen? O nein, das wäre doch zu grausam. Auch ich fühlte längst, „es muß werden”, nichts in der Welt soll mich irre machen, und dem Vater werd ich zeigen, daß ein jugendliches Herz auch standhaft sein kann.

Den 19. August

(In großer Eile)

Lieber Robert! Nur ein paar Worte schick ich Ihnen durch meine treue und verschwiegene Nanny. Gestern hört ich, die Cholera sei hier, und nun mußt ich schreiben, meine Besorgnis stieg mit jede Minute. – Schonen Sie sich ja – um meinetwillen –, bedenken Sie, was ist mein Leben ohne Sie? ...

Auch noch ein Rat, sprechen Sie nicht mit Vater eher von dem, was uns betrifft, als bis Sie zu meinem Geburtstag schreiben. Er ist sehr gut auf Sie, doch muß alles mit Ruhe geschehen. Meine Sehnsucht, Sie zu sehen, zu sprechen, ist unbeschreiblich – findet sich Gelegenheit, tue ich es Ihnen kund. Heute morgen war ich fest entschlossen, ich wollte zu Ihnen, mein Geist war schon vorausgeeilt, doch plötzlich hielt es mich fest – ich sah Ihr Fenster, eine Träne quoll aus meinen Augen, ach wie war sie so heiß und schwermütig; das Herz voll Gefühlen, ging ich nach Haus.

Glücklich macht mich jetzt der feste Glaube an Ihre Liebe – mein Herz, mein Alles schickt ich Ihnen durch den Ring.

Haben Sie mir etwas zu sagen, so sagen Sie es meiner Nanny; so wahr ich Sie liebe, so wahr ist sie verschwiegen. Meine Unruhe sehen Sie aus dieser Schrift. – Bald, hoff ich, sehen wir uns. Seien Sie um Gottes willen ganz verschwiegen.

Clara und Robert Schumann: Roman einer Liebe. Von ihnen selbst in Briefen und Tagebuchblättern erzählt. Tübingen 1953, S. 20-22.

Erscheint in:

Schumann, Clara Josephine; Schumann, Robert Alexander

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