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Das Lehrbuch Einleitung in die moderne Chemie von August Wilhelm Hofmann entstand aus einer Vorlesungsreihe, die der Chemiker Mitte des 19. Jahrhunderts am „Royal College of Chemistry” in London gehalten hatte. Das Original Introduction to Modern Chemistry erschien 1865, die erste deutsche Fassung kam 1866 heraus. Hofmanns Vorrede aus dem Jahr 1866, die hier wiedergegeben wird, wurde auch noch in der sechsten Auflage von 1877 unverändert abgedruckt.
Das Büchlein, welches diese Vorrede in die Welt einführen soll, bedarf nur weniger Worte mit auf den Weg.
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Als der Verfasser im verflossenen Frühling aus langjähriger Wirksamkeit in London ausschied, um auf der Berliner Hochschule einen Lehrstuhl der Chemie zu übernehmen, wurde ihm von seinen Schülern der Wunsch ausgesprochen, er möge den Cyclus von Vorlesungen über Experimentalchemie, welchen er seit geraumer Zeit für die Eleven der Englischen Bergschule in dem Royal College of Chemistry alljährlich gehalten hatte, in ihrer letzten Form veröffentlichen. Diesem Wunsche seinem ganzen Umfange nach zu entsprechen, haben die Verhältnisse nicht gestattet. Neue Lebensaufgaben waren mittlerweile an den Verfasser herangetreten, welche alle seine Kräfte in Anspruch nahmen und ein gleichzeitiges weitschichtiges Unternehmen wie die Redaction einer ausgedehnten Reihe von Vorlesungen ausser Frage stellten. Unter diesen Umständen sah sich derselbe veranlasst, nur das Manuscript der zwölf ersten Vorlesungen, welche als Einleitung in das Studium der Chemie gelten konnten, für den Druck umzugestalten, eine Arbeit, welche durch die werthvolle Mitwirkung seines Freundes, des Herrn F. O. Ward, wesentlich erleichtert und abgekürzt worden ist.
So entstand ein kleines, unter dem Titel: Introduction to Modern Chemistry, Experimental and Theoretic zu Ende vorigen Sommers in London erschienenes Buch, welches nunmehr auch ein deutsches Gewand angenommen hat.
Bei der Veröffentlichung dieser deutschen Ausgabe hat der Verfasser zunächst seine eigenen Zuhörer an der Berliner Universität im Auge gehabt.
Die gewaltige Umwälzung, welche die chemischen Anschauungen während der letzten Decennien erlitten haben, ist eine vollendete Thatsache; allein dieser von Allen anerkannten Thatsache wird im Interesse des Unterrichts bis jetzt nur von Wenigen und in sehr beschränktem Maasse Rechnung getragen. Die Literatur des Lernenden, zumal in Deutschland, ist von diesem Umschwunge der Dinge bis jetzt nur gelinde berührt worden, und der Lehrer, welcher den neueren Ansichten und der sie wiedergebenden Ausdrucksweise in seinen Vorlesungen gerecht werden will, findet sich oft in grosser Verlegenheit, wenn er nach allen Seiten hin mit der traditionellen Darstellung chemischer Vorgänge im Widerspruche erscheint. Sollte die deutsche Ausgabe dieser „Einleitung”, in welcher der Verfasser die experimentalen Grundlagen der gegenwärtigen chemischen Anschauungen darzulegen versucht hat, seinen Schülern einigen Nutzen gewähren, so ist der unmittelbare Zweck derselben reichlich erfüllt. Vielleicht ist aber auch in weiteren Kreisen dem Einen oder dem Anderen mit dem Büchlein gedient.
Schliesslich bemerkt der Verfasser, dass er, um den Vorlesungen das Gepräge der Bedingungen zu bewahren, unter denen sie entstanden sind, anfangs nur eine deutsche Uebersetzung derselben beabsichtigte. So ist denn, zumal in der ersten Hälfte, Manches stehen geblieben, das in einer deutschen Bearbeitung hätte wegfallen können. In den späteren Theilen ist er aber seinem urprünglichen Plane mehr und mehr untreu geworden, und die letzten drei Vorlesungen stimmen nur noch in der allgemeinen Anlage mit der englischen Ausgabe überein.
Berlin, 1. Februar 1866.
Aug(ust) Wilh(elm) Hofmann: Einleitung in die moderne Chemie. Nach einer Reihe von Vorträgen gehalten in dem Royal College of Chemistry zu London. Sechste mit der fünften übereinstimmende Auflage. Braunschweig 1877, S. VII-IX.
Erscheint in:
Hofmann, August Wilhelm von; Organische Chemie
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