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Zu den berühmtesten Reisenden des abendländischen Mittelalters zählt Marco Polo. Seine lebhafte Darstellung der Erlebnisse während seines Aufenthaltes am Hofe des Mongolenherrschers Kubilai Khan (1275-1292) gab den Europäern ein erstes Bild von der exotischen Fremde. Sein Bericht beeinflusste nachhaltig die abendländischen Vorstellungen über Asien im Zeitalter der Entdeckungen. Im Folgenden zeigt sich Marco Polo von der Organisation des Postwesens, dem Ausmaß der Landnutzung und der Verteilung der Agrarprodukte in China sehr beeindruckt.
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In seinem Reiche stehen nicht weniger als zweihunderttausend Pferde für die Postverwaltung bereit und zehntausend Gebäude sind mit allen nötigen Einrichtungen versehen. Es ist das wahrhaftig eine so wunderbare und in ihren Wirkungen so erfolgreiche Einrichtung, wie man sie sich nur denken kann. Wenn man fragt, wie es möglich ist, daß die Bevölkerung des Landes die genügende Menge Menschen für diesen Dienst stellen, und auf welche Weise sie ernährt werden kann, so können wir erwidern, daß alle Götzendiener, sowie auch die Sarazenen, nach ihren Verhältnissen sechs, acht oder zehn Weiber haben, von denen sie eine große Zahl von Kindern erhalten, einige von ihnen wohl dreißig Söhne, die alle ihren Vätern mit Waffen folgen können, während bei uns ein Mann nur ein Weib hat, und wenn dieses unfruchtbar sein sollte, mit ihm doch sein Leben zubringen muß und auf diese Weise des Glückes beraubt ist, eine Familie aufzuziehen. Daher kommt es, daß unsere Bevölkerung soviel geringer ist als die ihrige. Was die Nahrung anlangt, so leidet das Volk keinen Mangel, besonders da die Tataren, Katajer und die Einwohner der Provinz Manji großenteils von Reis, Buchweizen und Hirse leben, welche drei Arten Korn in ihrem Boden hundert Maß auf eins geben. Der Weizen mehrt sich freilich nicht in dieser Weise, und da das Brot bei ihnen nicht im Gebrauch ist, so wird er nur zu Nudeln und Pasteten bereitet. Jene drei Kornarten kochen sie in Milch oder mit Fleisch auf. Es gibt dort kein Stück urbares Land, welches sie nicht bebauen, und ihr Vieh von allen Gattungen vermehrt sich außerordentlich, so daß es, wenn sie zu Felde ziehen, kaum einen Mann gibt, der nicht sechs, acht oder mehr Pferde bloß für seinen Gebrauch mit sich führt. Dies alles zeigt, wo die Ursachen für eine so große Bevölkerungszunahme liegen, und welche Verhältnisse sie instand setzen, so reichlich für ihren Unterhalt zu sorgen.
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Auf der Strecke zwischen den obengenannten Posthäusern sind alle drei Meilen kleine Dörfer angelegt, deren jedes im Durchschnitt etwa vierzig Hütten enthält. In diesen wohnen die Eilboten, die ebenfalls im Dienste Sr. Majestät angestellt sind. Sie tragen Gürtel um ihren Leib, an welchen mehrere kleine Schellen hängen, damit ihr Kommen schon in der Ferne gehört werden kann, und da sie nur drei Meilen laufen, das heißt von einer dieser Stationen bis zur nächsten, so dient das Schellengeklingel dazu, Nachricht von ihrer Ankunft zu geben, und alsbald macht sich ein neuer Kurier fertig, so daß er augenblicklich nach dem Eintreffen des ersten mit dem Paket forteilen kann. Auf diese Weise wird letzteres so schnell von Station zu Station gebracht, daß Se. Majestät in zwei Tagen und zwei Nächten Nachricht aus großer Entfernung erhält, die für gewöhnlich in nicht weniger als zwölf Tagen zurückgelegt wird, und oft geschieht es, daß in der Erntezeit eine neue Frucht, die am Morgen in Kambalu gepflückt wurde, am Abend des folgenden Tages dem Großkhan in Ciandu überbracht wird, obgleich die Entfernung allgemein als zehn Tage weit angegeben wird.
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Die Reisen des Venezianers Marco Polo im 13. Jahrhundert. Bearbeitet und herausgegeben von Dr. Hans Lemke. Hamburg 1908, S. 274f.
Erscheint in:
Mongolisches Reich; China; Kubilai Khan; Millennium: Weltgeschichte im Überblick; Millennium: 13. Jahrhundert; Polo, Marco
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