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Um 1869 entdeckte der russische Chemiker Dimitrij Mendelejew die Periodizität der Elemente. Obwohl es schon vorher zahlreiche Ansätze zur Klassifizierung der Elemente gab, gelang es Mendelejew die Gesetzmäßigkeiten richtig zu deuten. Nur wenige Wochen nach seiner Entdeckung stellte Mendelejew seine Entdeckung einem Fachpublikum vor der Russischen Chemischen Gesellschaft in Petersburg vor – kurze Zeit später erschien die Veröffentlichung im Fachjournal dieser Gesellschaft; in der deutschen Übersetzung 1871.
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Überhaupt verdienen bei einem Studium der Eigenschaften der Elemente, welches zu praktischen Schlüssen und chemischen Voraussagungen führen soll, sowohl die allgemeinen Eigenschaften der Gruppe, zu welcher das gegebene Element gehört, als auch seine individuellen Eigenschaften eine gleiche Beachtung; bloß nach solchen vergleichenden Studien und auf Grund einer genau meßbaren Eigenschaft lassen sich die Eigenschaften der Elemente verallgemeinern. In dem Atomgewicht besitzen wir jetzt und werden wir noch lange eine solche Eigenschaft besitzen. Denn unsere Vorstellungen über das Atomgewicht haben besonders in letzter Zeit, seit Anwendung des Avogadroschen und des Ampèreschen Gesetzes, sowie durch die Bemühungen von Laurent, Gerhardt, Regnault, Rose und Cannizzaro, eine solche unerschütterliche Festigkeit erlangt, daß man getrost behaupten kann, der Begriff vom Atomgewicht (als kleinster Teil eines Elementes, welcher in einem Molekül seiner Verbindungen enthalten ist) wird unter allem Wechsel in den theoretischen Vorstellungen der Chemiker sich ohne Änderung erhalten. Die Benennung (Atomgewicht) setzt zwar die Hypothese von dem atomistischen Bau der Körper voraus; doch handelt es sich hier nicht um Benennungen, sondern um den bedingungsweise auszudrückenden Begriff. Nur die vergleichende Zusammenstellung der Elemente nach ihren Atomgewichten erlaubt, unsere chemischen Kenntnisse von mechanischem Standpunkte aus zu erweitern; daher scheint es mir am natürlichsten und am folgereichsten, die Eigenschaften der Elemente in Abhängigkeit von deren Atomgewichten zu erforschen. In der Bestimmung dieser Abhängigkeit sehe ich eine der Hauptaufgaben der Chemie der Zukunft; denn was theoretische Bedeutung betrifft, so ist diese Aufgabe von derselben Wichtigkeit, wie die Untersuchung der Isomerieverhältnisse. In der vorliegenden Abhandlung werde ich mich bemühen, den besagten Zusammenhang zwischen den Atomgewichten der Elemente und anderen Eigenschaften derselben, besonders der Fähigkeit, bestimmte Verbindungsformen zu liefern, zu zeigen. (...)
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Seit 1868, wo die erste Lieferung meines Werkes „Grundzüge der Chemie” erschienen ist, bin ich bemüht gewesen, diese Aufgabe zu lösen. In vorliegender Abhandlung erlaube ich mir, die in angedeuteter Richtung erlangten Ergebnisse mitzuteilen. (...)
Ich bezeichne als periodisches Gesetz die weiter zu entwickelnden gegenseitigen Verhältnisse der Eigenschaften der Elemente zu deren Atomgewichten, welche auf alle Elemente anwendbar sind; diese Verhältnisse besitzen die Form einer periodischen Funktion.
Schon lange sind unter den Elementen mit hohem Atomgewicht Analoga von Elementen mit bedeutend kleineren Atomgewichten beobachtet worden. So hat Claus darauf hingewiesen, daß Os, Ir, Pt mit dem Atomgewicht von ungefähr 195 mit Ru, Rh, Pd, welche ein bedeutend kleineres Atomgewicht (ungefähr 105) haben, ähnliche Eigenschaften besitzen. Marignac hat die Analogie von Ta = 182 und W = 184 mit Nb = 94 und Mo = 96 hervorgehoben. Au und Hg entsprechen die leichteren Analoga Ag und Cd, sowie die noch leichteren Cu und Zn. Caesium und Barium sind Analoga von Kalium und Calcium und dergleichen mehr. Vergleiche solcher Art führen zu dem Wunsche, alle Elemente nach der Größe ihrer Atomgewichte zusammenzustellen, wobei man auf eine überraschende Einfachheit in den gegenseitigen Verhältnissen stößt. Zum Beweise führen wir ein Beispiel an, welches alle leichten Elemente, mit den Atomgewichten von 7 bis 36, nach der Größe ihrer Atomgewichte in arithmetischer Reihenfolge geordnet enthält:
Li = 7; Be = 9,4; B = 11; C = 12; N = 14; O = 16; F = 19; Na = 23; Mg = 24; Al = 27,3; Si = 28; P = 31; S = 32; Cl = 35,5.
Wie man sieht, verändert sich der Charakter der Elemente regelmäßig und allmählich mit wechselnder Größe der Atomgewichte und zwar periodisch, d. h. in beiden Reihen auf gleiche Art, so daß die entsprechenden Glieder derselben Analoga sind: Na und Li, Mg und Be, C und Si, O und S u.s.w. So geben die entsprechenden Glieder beider Reihen gleiche Formen von Verbindungen, besitzen, wie man zu sagen pflegt, dieselbe Wertigkeit.
Dimitrij Mendelejew: Die periodische Gesetzmäßigkeit der chemischen Elemente. In: Annalen der Chemie und Pharmacie. Supplement VIII. Leipzig 1871, S. 133ff.
Erscheint in:
Mendelejew, Dmitrij Iwanowitsch; Periodensystem
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