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Nach mehrjährigem Aufenthalt im südlichen Afrika verknüpfte David Livingstone seine Missionstätigkeit mit Entdeckungsreisen. Seine Aufzeichnungen erschienen in deutscher Sprache und dem Titel Missionsreisen und Forschungen in Süd-Afrika 1858 in Leipzig. Im Jahr 1849 hatte Livingstone in Begleitung von zwei weiteren Engländern, C. Oswell und M. Murray, die Wüste Kalahari durchquert. Im Rahmen dieser Expedition erreichten die Reisenden auch den Ngamisee am Südrand des Okavangobeckens.
Nachdem wir am Ufer dieses schönen Flusses ungefähr 96 Meilen weit hinaufgezogen waren und fanden, daß wir noch eine bedeutende Strecke vom Ngami entfernt seien, ließen wir alle unsere Ochsen und Wagen bis auf denjenigen Oswells, welcher der kleinste war, und bis auf ein einziges Gespann, in Ngabisane zurück in der Hoffnung, sie würden sich für die Heimreise stärken, während wir einen Ausflug nach dem See machten. (...)
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Während wir so den schön bewaldeten Fluß hinauffuhren, kamen wir zu einem größeren Strome, welcher sich in ihn ergoß. Dies war der Fluß Tamunakle. Ich erkundigte mich, woher er komme. „Oh, aus einer Gegend voller Ströme – so vieler, daß niemand sie zählen kann – und voll großer Bäume”, hieß es. Dies war die erste Bestätigung der Aussagen jener Bakuena, welche bei Sebituane gewesen waren, daß nämlich das jenseitige Land nicht die „große sandige Hochebene” war, wie man vermutete.
Zwölf Tage nach unserer Abreise von Ngabisane erreichten wir das nordöstliche Ende des Sees Ngami, am 1. August 1849 zogen wir miteinander nach dem breiten Teil desselben hinunter, und zum ersten Male zeigte sich dieser prächtig anzusehende große Wasserspiegel europäischen Blicken. Der See schien sich nach dem Kompaß in der Richtung von Nordnordost nach Südsüdwest zu strecken. Der südliche Teil soll eine Krümmung nach Westen beschreiben und den Teoughe von Norden her an seinem nordwestlichen Ende aufnehmen. Von dem Punkte aus, wo wir standen, konnten wir nach Südsüdwesten keinen Horizont erkennen; auch vermochten wir uns nur nach den Schilderungen der Einwohner dieses Landstrichs einen Begriff von der Ausdehnung des Sees zu machen. Da sie nämlich behaupteten, man könne ihn in drei Tagen umgehen, so würde dies, wenn man 25 englische Meilen auf die Tagesreise rechnet, ungefähr 75 englische oder etwas über 15 geographische Meilen Umfang ergeben. Seither hat man auch andere Vermutungen aufgestellt, und seinen Umfang auf 70 bis 100 englische Meilen angegeben. Der Ngami-See ist seicht, denn ich sah später einen Eingeborenen seinen Kahn über eine Strecke von 7–8 Meilen am nordwestlichen Ende mit einer kurzen Ruderstange fortstoßen. Der See kann daher als Handelsstraße niemals von großem Wert sein. Er ist auch wirklich in den Monaten, welche dem jährlichen Wasserzufluß aus dem Norden vorangehen, so seicht, daß das Vieh sich nur mit Mühe durch sumpfige schilfbewachsene Ufer dem Wasser nähern kann. Die Gestade des Sees sind auf allen Seiten niedrig; auf der Westseite dagegen ist eine Stelle ganz frei von Bäumen, was beweist, daß sich das Wasser erst in gar nicht sehr ferner Vergangenheit von diesem Orte zurückgezogen hat, ein neuer Beweis der Austrocknung, welche in der ganzen Gegend sich so häufig erkennen läßt. Das Wasser des Sees ist vollkommen süß, so lange er voll ist; bei niedrigem Wasserstande dagegen salzig. Das Wasser, welches im Tamunak’le herunterkommt, fanden wir so klar, kalt und weich, je höher wir hinanstiegen, daß wir unwillkürlich an schmelzenden Schnee dachten.
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David Livingstone: Zum Sambesi und quer durchs südliche Afrika 1849-1856. Herausgegeben von Heinrich Pleticha. Tübingen 1980, S. 63-64.
Erscheint in:
Livingstone, David; Okavangobecken; Kalahari
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