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Im Rahmen der zwischen 1815 und 1818 durchgeführten Weltumseglung gelangte Adelbert von Chamisso zunächst von Teneriffa über die Kapverdischen und andere Inseln im Atlantischen Ozean nach Brasilien. Seine Erlebnisse schilderte er in dem Werk Reise um die Welt, das 1836 erschien.
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Am 1. November 1815 lichteten wir die Anker und verließen die Reede von Santa Cruz. Wir hatten im Kanal zwischen Teneriffa und Canaria Windstille oder nur schwachen Wind. Wir sahen den Pic von Wolken völlig enthüllt und am Morgen die Wasserdünste sich an ihm niederschlagen und ihn verschleiern. Am 3. hatten wir außerhalb des Kanals den Nordostpassat erreicht, der ungemein frisch blies und uns mit einer Schnelligkeit von sechs bis acht Knoten (so viele Meilen die Stunde) auf unserm Wege förderte. Ich bemerkte beiläufig, daß die Schnelligkeit seines Schiffes ein Punkt ist, in betreff dessen die Aussage jeglichen Schiffskapitäns so unzuverlässig ist als die einer Frau, die ihr eigenes Alter angeben soll. Wir durchkreuzten den 6. früh um vier Uhr den nördlichen Wendekreis. Wir sahen an diesem Tage Delphine und am 7. die ersten Fliegenden Fische. (...)
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Wir hatten am 9. die Breite der nördlichsten der Kapverdischen Inseln erreicht. Am 10. mittags zeigte sich uns Brava durch den Nebel, schon unter einem sehr hohen Winkel. Wir hatten gegen halb zwei Uhr diese hohe Insel zehn Meilen in Südost plus Süd einhalb Ost, und östlicher erschienen unter einem sehr geringen Winkel zwei andere Lande, das östlichste mit einem anscheinlich vulkanischen Pic in der Mitte. Wir kamen am Abend der Insel Brava zu nah unter dem Winde, den sie uns plötzlich benahm. Über der Wolkenlage, die auf ihren Höhen ruhte, erschienen auf kurze Zeit, unter einem fast gleichen Winkel, die Gipfel der weiterliegenden Insel Fogo. Zwischen uns und Brava spielten unzählige Herden von Delphinen, die uns wohl nicht gewahrten, da sie an das Schiff nicht kamen.
Die Kapverdischen Inseln werden unter portugiesischer Botmäßigkeit mehrstens von armen Negern bewohnt. Die Einwohner der verschiedenen Inseln werden jedoch sehr verschieden geschildert. Die mit weißem Blute versetzten Einwohner von San Jago (Santiago) werden als unverständig und räuberisch dargestellt; die armen und guten Neger von Brava erinnern an die Neger, die uns Mungo Park kennen und lieben gelehrt hat. (...)
Versunken im Anschaun dieser Inseln, auf denen meines Wissens noch kein Naturforscher verweilte, mochte ich träumen, es sei mir vorbehalten, sie einst zum Ziele einer eigenen Reise zu machen und, was dort noch für die Wissenschaft zu tun sei, zu leisten.
Übrigens haben uns weder Rauch noch Flammen die Vulkane dieser Inseln verraten, die frühere Reisende brennen gesehen, und Cook, der auf San Jago landete, erwähnt auch nichts von vulkanischen Erscheinungen.
Der nördlichste Passatwind, den wir bis zum sechsten Grad nördlicher Breite zu behalten uns schmeichelten, verließ uns schon am 13. November im zehnten Grad. Dagegen erreichten wir schon am 18. zwischen dem siebenten und achten Grad nördlicher Breite den südlichen, den wir erst gegen die Linie anzutreffen hofften. Wir hatten binnen dieser Grenzen und während dieser Zeit unbeständiges Wetter, Windstille, von häufigen Windstößen und Regengüssen unterbrochen; zweimal leuchtete das Wetter, und Donner ward gehört. Einmal, am 17. nachmittags, ward ein Phänomen, das einer Wasserhose glich, wahrgenommen. Der plötzlich einbrechende Regen störte einigemale unsere Nachtruhe auf dem Verdecke. Boten brachten uns Kunde von dem Lande, das uns fünfeinhalb Grad im Osten lag.
Reise von Teneriffa nach Brasilien. In: Johanna von Koppenfels (Hg.): Up and away. Fernwehgeschichten. Berlin 1997, S. 23-26.
Erscheint in:
Kap Verde; Chamisso, Adelbert von; Passat
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