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Johann Georg Friedrich Pabst: Bei den Patagonen

Bereits in der Kinder- und Jugendliteratur des 18. Jahrhunderts waren Abenteuer- und Reiseberichte sehr beliebt. In den 1783 von Johann Georg Friedrich Pabst herausgegebenen Reisebeschreibungen handelt es sich um Berichte von Kapitän Cook und anderen Weltreisenden. Die hier wiedergegebene Beschreibung von Patagonien stammt von Admiral John Byron, der zwischen 1746 und 1766 in der Südsee die Tokelau- und Gilbertinseln entdeckte.

Bei den Patagonen

Vater. Nun gieng es an die Austheilung der Präsente; denn Byron gab ihnen Glasknöpfe und jedem ein Stück grünes seidenes Band. Beides empfiengen sie mit einem Betragen, daß den Indianern Ehre macht. Mit dem Bande verfuhr Byron also; er gab das eine Ende davon einem von ihnen in die Hand, und lies daßelbe alle die Personen, die ihm zu nächst sasen, so weit es reichen wolte, anfaßen. Hatten ihnen nun die Glasknöpfe gefallen, so gefiel ihnen doch das Band noch weit mehr; und dennoch versuchte es keiner solches seinem Nachbar wegzuziehen. Als das Band ganz abgewickelt war, zog er eine Schere heraus und schnitte zwischen einem ieden von den Anfassenden das Band durch, also, daß ieder ein 3 Fuß langes Stück davon bekam. Dieses wickelte er einem ieden Besitzer um den Kopf, wo sie es auch unangerührt also liesen. Obgleich diese Geschenke nicht für die ganze Gesellschaft zureichend waren, so blieben sie doch alle ganz ruhig, und die, welche nichts erhalten hatten, störten die andern im mindesten nicht in dem glücklichen Besize ihrer Schäze.

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Christian. Ihrer Schäze? Nun das waren auch die rechten Schäze! Ein Glasknopf, ein bißgen Band! – Ja wenn es etwan Diamanten oder goldne Treßen gewesen wären; dann solten sie wohl Augen zum sehen und Hände zum zulangen gehabt haben.

Vater. Meinst du denn nicht, daß ein glänzendes Glasknöpfgen einem Patagonier und iedem sogenannten Wilden, etwas eben so reizendes sey, als uns ein Diamant ist? Solte dir nicht, als du noch im Laufbande gingst, ein Spiegel weit angenehmer als ein Diamant gewesen seyn? dieser kindische Geschmack aber ist allen Völkern eigen, die sich noch im Anfang ihrer Kultur befinden und dieienigen Waaren sind immer bei ihnen die beliebtesten gewesen, die Kindern gemeiniglich die Liebsten sind. Nur das bunte, das glänzende und klingelnde rührt ihre Sinnen. Es macht ihnen deswegen ihr ruhiges Betragen bei dieser Geschenk-Vertheilung allerdings Ehre, wie es auch einem Kinde zur Ehre gereicht, wenn es, bei Dingen, die ihm sehr reizend sind, seiner Neigung widersteht und nicht hastig auf Plünderungen ausgeht.

Gottfried. So grose Menschen noch wie Kinder!

Vater. Ja! die sich aber oft weit anständiger betragen, als mancher unserer alten civilisirten Kinds-Köpfe. Wie würdet ihr euch meine Lieben! verwundern und euer Mitleid so rege werden, wenn ihr alle die zahlreichen Nationen kennen soltet, die theils, ihres Standes der Kindheit ganz unbewust, dahin leben, theils sich dieser niedern Sphäre allmählig zu entschwingen suchen. Die Aehnlichkeit zwischen dem Empfinden, Denken, und Handeln der Kinder und dieser Völker zu bemerken, muß eine eurer liebsten Beschäftigungen, bei meinen Erzehlungen seyn.

Gottfried. Sind nicht auch Patagonen den Kindern vollkommen im Hang sich zu puzen ähnlich?

Vater. Ja wohl; nicht nur den Patagonen, sondern allen andern rohen Völkern.

Johann Georg Friedrich Pabst: Die Entdeckungen des fünften Welttheils oder Reisen um die Welt. Ein Lesebuch für die Jugend. Band 1. Nürnberg 1783, S. 75-78.

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Patagonien; Kinder- und Jugendliteratur; Geographische Entdeckungen

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