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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Brief an Friedrich Jacobi

Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) schuf einige der schönsten Beispiele der Briefliteratur des deutschen Rokoko, darunter der nachfolgende Brief vom 25. November 1767 an den Schriftsteller und Philosophen Friedrich Jacobi (1743-1819). Die dort erwähnten Personen sind der französische Rokokodichter Jean Baptiste Louis de Gresset (1709-1777) und Gleims Freund und Dichterkollege Johann Peter Uz (1720-1796).

Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Brief an Friedrich Jacobi

Heute, mein liebster, wollten Sie mir ein Gressettisches Briefchen schreiben. Mein Amor, sagten Sie, würd’ Ihnen helfen. In Ihrer Schule muß er weit gekommen seyn; vermuthlich soll er nur abschreiben. Daß er doch biß in die späte Nacht zu schreiben hätte! Auch fingen Sie an meinen Utz ein Briefchen an? Dieses, mein liebster, vollenden Sie doch ia zuerst. Meinen Utz damit erfreuen, möcht’ ich gar zu gern! Nicht ein wenig, recht viel soll er Sie lieben, den tausendsten Theil so viel als ich, das ist recht viel! Ein kleiner Beweiß, wie lieb ich Sie habe, könte seyn, daß ich unsern Deutschen Gresset allen meinen Freunden ausposaune. Ein anderer eben so kleiner ist, daß ich lieber meinem Jacobi, als den schönsten Mädchen singe. Die Fürstinn, die mich neulich um ein Liedchen bitten ließ, diese selber hat noch keines, und schon dreye hat seitdem mein lieber Jacobi. Das eine, nach dem Rolli, hat ihm, sagt er, sehr gefallen. Diesen Morgen las ich es in seinem letzten Schreiben, Rolli wurde aus den Acten gleich hervorgesucht, und, wie kont’ es anders seyn? für meinen Freund ein Lied ihm nachgesungen. Ein Gedank’ an ihn ist anstatt der besten Muse Begeisterung. Wollen Sie es lesen, mein liebster, so schlecht es ist? Denn es ist noch nicht gefeilet. Gestern war unsere Minerva ein Vierthel-Stündchen bey mir, wir sprachen von meinem Jacobi, ich las ihr die Stelle des Schreibens, worinn sie Minerva getaufet, und ihr schöner Mund gepriesen wird. Besucht sie mich wieder, so bin ich schon so lose, und gebe die Hymne des Rolli für meines Jacobi Lobgesang ihres schönen Mundes aus. Nehmen Sie ia nicht übel, daß ich hinschreibe und ausstreiche; Gleminde ruft, die Post werde abgehen.

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Ich muß abbrechen, um noch geschwind den Hymnus abzuschreiben. Leben Sie fürtrefflich wohl.

Alfred Anger: Dichtung des Rokoko. Tübingen 1969, S. 139f.

Erscheint in:

Jacobi, Friedrich Heinrich; Gleim, Johann Wilhelm Ludwig

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