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Ende März 1793 reiste Georg Forster als Deputierter der eben errichteten Mainzer Republik nach Paris, um dort vor dem Nationalkonvent die Bitte der Mainzer um Aufnahme in die Französische Republik vorzutragen. Nach nur zwei Wochen in Paris war Forster von der Revolution und deren Ideale nicht mehr so begeistert. Seine Enttäuschung über die revolutionäre Wirklichkeit formulierte er in mehreren Briefen an seine Frau Therese, so auch in diesem vom 16. April 1793 – wenige Tage zuvor war der Wohlfahrtsausschuss gegründet worden.
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Du wünschest, daß ich die Geschichte dieser gräuelvollen Zeit schreiben möchte? Ich kann es nicht. O, seitdem ich weiß, daß keine Tugend in der Revolution ist, ekelt mich’s an. Ich konnte fern von aller idealischen Träumerei mit unvollkommnen Menschen zum Ziele gehen, unterweges fallen, und wieder aufstehen, und wieder gehen. Aber mit Teufeln, mit herzlosen Teufeln, wie sie hier alle sind, ist es mir eine Sünde an der Menschheit, an der heiligen Mutter Erde und an dem Lichte der Sonne. Die schmutzigen unterirdischen Kanäle nachzugraben, in denen diese Molche wühlen, lohnt keines Geschichtsschreibers Mühe. –
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Freiheit und Gleichheit? Mein ganzes Leben ist mir selbst der Beweis, das Bewußtseyn meines ganzen Lebens sagt mir, daß diese Grundsätze mit mir, mit meiner Empfindungsart innig verwebt sind, und es von jeher waren. Ich kann und werde sie nie verläugnen. – Allein diese Enthaltsamkeit, diese Achtung für die Rechte der Andern, welche dem Philosophen so natürlich ist, findet in der wirklichen Welt noch nicht Statt; sie ist noch nicht reif dazu – und die Herrschaft, oder besser, die Tyrannei der Vernunft, vielleicht die eisernste von allen, steht der Welt noch bevor. – Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht, bis endlich einmal, wenn die Welt nicht wirklich das Werk des Ungefährs oder das Spiel eines Teufels ist, eine allgemeine Simplicität der Sitten, Beschäftigungen, Wünsche und Befriedigungen, eine Reinheit der Empfindung, und eine Mäßigung des Vernunftgebrauches aus allen diesen Revolutionen hervorkeimt, und ein Reich der Liebe beginnt, wie es sich gute Schwärmer von den Kindern Gottes träumten.
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Ulrich Enzensberger: Georg Forster. Ein Leben in Scherben. Frankfurt/Main 1996, S. 259f.
Erscheint in:
Forster, Johann Georg Adam; Huber, Therese; Französische Revolution
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