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Friedrich Parrot, estnischer Arzt und Physikprofessor, gelang am 27. September 1829 die Erstbesteigung des Ararat, deren letzten Abschnitt er im Folgenden beschreibt. Zu jener Zeit, als sich der Alpinismus noch in den Anfängen befand, galt Parrots bergsteigerische Leistung als überaus bemerkenswert.
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Es war ein herrlicher Abend, den ich hier vollbrachte, die Blicke bald auf die wohlgelaunten Gefährten, bald auf den schönen Himmel mit dem wundervoll darauf projizierten Gipfel und dann wieder gegen die graue Nacht gerichtet, die sich in weiter Ferne und Tiefe unter mir lagerte, umfing mich wieder dieses einzige Gefühl von Ruhe, Wehmut, Liebe, Dank, Ergebung, dieses stille Hervorrufen der Vergangenheit, dieses sanfte Blicken in die Zukunft, kurz – dieses unbeschreiblich behagliche Empfinden, das den Reisenden auf großen Höhen, bei angenehmen äußeren Verhältnissen zu ergreifen nie verfehlt, und so legte ich mich denn, von einer für meinen Standpunkt nicht unbeträchtlichen Wärme der Luft von 4,5° begünstigt, unter einem etwas überhängenden Lavafelsen zur Ruhe nieder, während meine Gefährten noch eine Zeitlang in traulichen Gesprächen um das Feuer herum saßen.
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Als der Morgen dämmerte, rafften wir uns auf und begannen um halb sechs Uhr unsere Wanderung fortzusetzen. Die letzten Trümmerabhänge waren in Zeit von einer halben Stunde überschritten, und wir betraten wieder die Grenze des ewigen Schnees ungefähr an der nämlichen Stelle als das vorige Mal, nachdem wir noch einen Teil entbehrlicher Gegenstände an den letzten Steinmassen zurückgelegt hatten. Die Schneeregion hatte aber eine für uns nicht günstige Veränderung erfahren; durch die eingetretene größere Wärme war der frischgefallene Schnee, dessen Gegenwart und bei dem früheren Versuche zustatten gekommen war, angeschmolzen und vergletschert, so daß schon gleich von unten auf trotz der noch geringen Neigung des Abhanges das Aushauen von Stufen beginnen mußte. Dies erschwerte das Fortkommen und nahm unsere Kräfte gleich anfangs in vollem Maße in Anspruch. Einen der Bauern hatten wir schon beim Nachtlager zurücklassen müssen, weil er sich unwohl fühlte; zwei andere wurden nacheinander beim Ersteigen des Gletscherabhanges marode, blieben anfangs liegen, zogen sich aber später auch zum Nachtlager hinab. Ohne uns dadurch im geringsten aufhalten zu lassen, verfolgten wir übrigen, durch die überwundenen Schwierigkeiten mehr ermutigt als niedergeschlagen, rastlos unser Ziel. Bald kamen wir auch wieder an den großen Spalt, welcher den oberen Rand des großen Gletscherabhanges bezeichnet, auf dem wir hinangestiegen waren, und um 10 Uhr befanden wir uns schon wieder da, wo wir das vorige Mal um die Mittagsstunde gewesen waren, nämlich auf der großen Schneefläche, welche die erste mächtige Stufe auf dem Eishaupte des Ararat bezeichnet. Wir sahen aus der Entfernung von etwa einer Werst das am 19. September errichtete Kreuz, aber es erschien mir, vielleicht eben seiner schwarzen Farbe wegen, so ungewöhnlich klein, daß ich wohl daran verzweifeln mußte, es aus der Ebene des Araxes mit einem gewöhnlichen Fernrohr wiederzufinden und zu erkennen.
In der Richtung zum Gipfel hatten wir einen kürzeren, aber steileren Abhang vor uns als den zurückgelegten, und zwischen ihm und der äußeren Kuppe schien nur noch ein kleiner Anberg zu liegen. Nach einer kurzen Ruhe überschritten wir stets mit Hilfe ausgehauener Stufen den ersten Abhang, den steilsten von allen, und nach ihm auch noch die nächste Erhöhung; statt aber nun das allendliche Ziel unserer Mühen unmittelbar vor uns zu sehen, hatte sich noch eine ganze Reihe von Hügeln entwickelt und uns sogar den Blick auf den Gipfel verdeckt. Dies schlug unseren Mut ein wenig nieder, der keinen Augenblick geschwankt hatte, solange wir die zu überwindenden Schwierigkeiten zu überblicken glaubten, und unsere Kräfte, von der harten Arbeit an den Stufen mitgenommen, schienen der Erreichung des unsichtbar gewordenen Zieles kaum mehr gewachsen. Doch ein Überschlag des Getanen und dessen, was zu tun noch übrig sein konnte, die Nähe der hintereinander hervortretenden Erhöhungen, ein Blick auf meine rüstigen Gefährten verscheuchten die Sorgen, und mutig vorwärts! klang es in meiner Brust. Wir überschritten ohne Aufenthalt noch ein paar Hügel; da wehte Gipfelluft; ich trat hinter einem der Schneebuckel des Abhanges hervor und – der äußerste Kegel, die höchste Kuppe des Ararat lag unverkennbar vor meinen freudentrunkenen Blicken. Noch ein letztes Aufgebot unserer Kräfte war nötig, nur noch eine Eisfläche mittels Stufen zu ersteigen, und wir standen auf dem Gipfel des Ararat um ein Viertel nach 3 Uhr des 27. Septembers 1829!
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Friedrich Parrot: Reise zum Ararat. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Marianne und Werner Stams. Leipzig 1985, S. 129-131.
Erscheint in:
Türkei; Ararat; Anatolien
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