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Bericht über die Stadt Goa

Der französische Handelsreisende Jean Baptiste Tavernier bereiste den Indischen Subkontinent rund vierzig Jahre lang. Sein Weg führte ihn auch an den Hof des Großmoguls. Im folgenden Bericht schildert Tavernier seine Eindrücke von Goa, eine Stadt die 1510 von den Portugiesen erobert worden war.

Bericht über die Stadt Goa

Goa liegt am Fluß Mandova, der zwei Meilen flußabwärts ins Meer mündet. Das Land ist sehr fruchtbar, es wird hier viel Korn und Reis geerntet. Außerdem bekommt man viele Mangos, Ananas, Feigen und Kokosnüsse. Goa hat einen der schönsten Häfen der Welt. Auch die Stadt selbst ist schön gebaut, und die Häuser sind sehr prächtig. Am schönsten jedoch ist der Palast des königlichen Statthalters, der sehr viele Gemächer enthält. An den Wänden befinden sich Gemälde, die Schiffe, die von Lissabon nach Goa segeln, samt ihren Namen zeigen. Die Stadt ist von Bergen umgeben, die den Wind abhalten, was die Luft bei großer Hitze sehr ungesund macht. Die Goanesen essen sehr viel Schweine- und Rindfleisch, auch Hühner; Tauben haben sie aber kaum. Obwohl Goa am Meer liegt, ist Fisch teuer. Kein Mangel herrscht auch bei Süßigkeiten, die sehr gerne gegessen werden.

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Bevor die Holländer nach Indien kamen, hatten die Portugiesen in Goa sehr großen Reichtum besessen. Dies änderte sich aber damit, daß die Holländer den Portugiesen die Verbindung zu anderen Orten abschnitten. Bei meiner ersten Reise traf ich Leute, die sehr reich waren und bis zu 2000 Kronen jährlich zur Verfügung hatten. Doch auf meiner zweiten Reise kamen viele von ihnen in der Nacht zu mir, um mich um ein Almosen zu bitten. Trotzdem hatten sie nicht ihren Hochmut verloren, besonders nicht die Frauen unter ihnen. Sie kamen im Pallanquins und warteten an der Pforte, während sie einen Jungen vorschickten, um in ihrem Namen vorzusprechen.

Die in Indien ansässigen Portugiesen sind auf ihre Frauen ungeheuerlich eifersüchtig. Sobald sie diesbezüglich irgendwelchen Verdacht schöpfen, töten sie die Rivalen sofort mit Gift oder einem Stilett. Auch sind sie ihren Feinden gegenüber unversöhnlich und vergeben diesen nie. Wenn die Portugiesen einem stärkeren Feind gegenüberstehen, dem sie offensichtlich unterlegen sind, befehlen sie einem ihrer schwarzen Sklaven, den Feind mit einem Stilett zu töten.

Sie scheuen nicht einmal davor zurück, den Rivalen in der Kirche vor dem Altar, falls er anderswo nicht angetroffen werden kann, umbringen zu lassen. Solches erlebte ich zweimal. Als einige schwarze Sklaven die Person, die sie niedermetzeln sollten, bei einer Messe sahen, schossen sie auf ihn durch die Fenster der Kirche. Die Gefahr, auch Unbeteiligte dabei zu töten, ließ sie gleichgültig. Ein anderes Mal wurden bei einem ähnlichen Vorfall sieben Personen erschossen, wobei selbst der Priester verletzt wurde. Die Justiz ist dagegen machtlos, denn die Urheber solcher Massaker sind die Vornehmen des Landes. Gerichtsprozesse werden in Goa nicht öffentlich abgehalten, und so weiß man nie, unter welchen Umständen die Urteile gefällt werden.

Wären die Holländer nicht nach Goa gekommen, würde man in den Häusern der Portugiesen kein einziges Stück Eisen finden, statt dessen wäre dort alles aus Gold und Silber. Sie mußten lediglich zwei oder drei Fahrten nach Japan, Philippinen, Molukken oder China unternehmen, um großen Gewinn zu erwirtschaften. Bei ihrer Rückkehr wurden die Waren um das fünf- bis sechsfache, ja sogar um das zehnfache des Einkaufspreises gehandelt. So konnten sich die einfachen Soldaten, die Verwaltungsbeamten und Kapitäne ein großes Vermögen aneignen.

Der Statthalter Goas treibt selbst keinen Handel. Falls er dies doch tun möchte, geschieht dies unter dem Namen einer anderen Person. Auch ohne Handel ist sein Einkommen groß genug. Im allgemeinen wird sein Posten als der beste der Welt angesehen. Der Monarch von Portugal hängt zum größten Teil von den Einkünften seiner Auslandsniederlassungen ab. So ist es auch nicht verwunderlich, daß er seine Gouverneure großzügig bezahlt. Das Volk in Goa wird von den Portugiesen gering geschätzt. Sie dürfen kein Amt außer das des Anwalts ausüben. Wenn ein Einheimischer einen Europäer schlägt, wird ihm sofort die Hand abgehackt. Einige Eingeborene wurden auf portugiesischen Schiffen auf die Philippinen verschleppt. Dort brachten sie es zu großem Reichtum, und einige von ihnen boten dem Gouverneur 20 000 Genua-Taler an, um die Erlaubnis zu erhalten, Strümpfe und Schuhe zu tragen, was ihnen bisher verboten war. Diese Schwarzen sind kluge Leute. Ich konnte mich selbst davon überzeugen, daß sie in ihren Schulen in einem halben Jahr mehr lernen als die Portugiesen in einem Jahr.

Die Bewohner Goas sind Heiden und verehren Götzen. Sie beten Affen an und haben zu diesem Zweck etliche Pagoden errichtet. In einem Dorf auf der Insel Salsette befindet sich ein Tempel, in dem die Gebeine und Klauen eines Affen in einem silbernen Grab liegen. Dieser Affe hatte den Göttern der Heiden einen großen Dienst erwiesen. Er hatte sie nämlich vor einigen feindlich gesinnten Fürsten gewarnt, wozu er das Meer hatte überqueren müssen. Täglich kamen viele Pilger zu dieser Pagode, um dem Affen Opfer darzubringen. Die Kirche und insbesondere die Inquisition nahmen Anstoß daran. Man ließ das Grabmal entfernen und in die Stadt bringen. Dieses Vorgehen erzürnte das Volk dermaßen, daß es sogar bereit war, gegen die Portugiesen zu rebellieren. Nach langen Verhandlungen mit den Behörden wollte man der Kirche sogar eine große Summe Geld anbieten, um das Heiligtum zurückzuerhalten. Obwohl der Statthalter bereit war, das Heiligtum herauszugeben, ließ der Erzbischof das Grab eigenmächtig auf ein Schiff bringen und 20 Meilen vom Land entfernt ins Meer versenken. Es wäre sicherlich leichter gewesen, das Grab zu verbrennen, die Kirche befürchtete aber, die Heiden könnten die Asche einsammeln und diese von neuem anbeten.

Jean Baptiste Tavernier: Reisen zu den Reichtümern Indiens. Abenteuerliche Jahre beim Großmogul 1641-1667. Herausgegeben von Susanne Lausch und Felix Wiesinger. Stuttgart 1984, S. 98-101.

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Portugiesisch-Indien; Goa; Indien; Portugal

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